Gapz: die Anarcho-Trips vom Ramp-Macher

Print lebt: Die VDZ-Zeitschriftentage feierten gerade das Comeback des gedruckten Magazins. Knapp eine Woche später liegt mit Gapz der nächste Beweis in den Presseregalen, dass es noch immer möglich ist, ein begeisterndes Heft zu entwickeln. Nach dem großen Erfolg seiner PS-Postille Ramp veröffentlicht Michael Köckritz nun ein Reisekulturmagazin. Mit viel Stil, optischer Opulenz und der richtigen Prise Anarchie schließt Gapz die Lücke zwischen Zeit Magazin, Männer-Heften und Geo.

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Bei Gapz ist erst einmal weniger mehr – zumindest bei den Maßen. Denn im Vergleich zu den Regalnachbarn im Bahnhofskiosk Hamburg Dammtor kommt das Blatt in einem leicht kleineren Format daher. Das Cover zeigt einen Surfer, der, ganz der Jahreszeit entsprechend, auf den Wellen des Eismeeres reiten will. Damit ist klar, wohin die Reise bei Gapz gehen soll: Erzählt werden typische Abenteuer- und Lifestyle-Storys, nach Möglichkeit aber immer mit einem ungewöhnlichen Dreh. Statt Surfer auf Hawaii gibt es diesmal frierende Beach Boys auf Island.

Zum Heft-Einstieg gibt es ein Interview mit Udo Lindenberg, dem
"energiegeladenen Rockpiraten und Reisephilosophen"

Neben dem Bild prangt auf dem Cover auch noch der Aufkleber: "Der Reiz des Neuen". Doch soviel Mühe sich das Blatt auch macht, den Eindruck zu erwecken, seinen Lesern auf einen Trip ohne Navigationssystem mitzunehmen, bleibt es doch immer ein ordentlich gemachtes Print-Produkt. In seinem Editorial schreibt Köckritz: "Reise, Kultur und Magazin. Passt doch perfekt, und wer uns kennt, wusste natürlich, dass wir das Heft früher oder später einfach bringen mussten. Wir haben uns spontan für ‚früher‘ entschieden." Weiter erklärt er Gapz als "frisch gedachtes, zeitgemäßes Reisekulturmagazin". Das Blatt soll "immer entspannt und gut gelaunt" sein, "immer so intensiv und so subjektiv wie möglich".

Die erst große Story handelt von "surfen im Ice Age"

Unterteilt ist die Zeitschrift in die Hälften "into the wild" und "come as you are". Im Wildnisteil findet sich die Surfer-Story genauso wie ein Stück über die Fashion-Week in Mailand und einen Estland-Besuch von Wladimir Kaminer. Im zweiten Abschnitt geht es um Locals, Flugbegleiter und Bergführer.

Die Fashin-Week in Mailand: "Wie entlaufene Irre"

Antrieb und Konzept hinter der Themenauswahl beschreibt der Chefredakteur, Herausgeber und Creative Director in Personalunion als einen "frechem dramaturgischen Mix", der "immer wieder neu – und hoffentlich immer wieder anregend" sein soll.
Die vermeintlich anregende Drama-Mischung wird zum Start in einer Auflage von 120.000 Exemplaren gedruckt. 25.000 Hefte sollen dabei – ganz klassisch – über den Kioskverkauf abgesetzt werden. Den Rest übernehmen Vertriebspartner wie Hotels oder Automobilhersteller. Der Copypreis der Büdchenausgabe liegt bei zehn Euro. Nimmt der Markt das Blatt an, ist erst einmal eine vierteljährliche Erscheinungsweise geplant.

Aus dem Broder-Magazin Neugier.de entlieh die Redaktion ein großes
Stück über Indien

Genauso fing es mit Ramp auch mal an. Mittlerweile ist das PS-Blatt längst preisgekrönt und auch wirtschaftlich ein voller Erfolg. Wie auch beim Auto-Kultur-Magazin liegt der wirkliche Spaß bei Gapz in dem Quäntchen Anarchie, das sich die Macher bewahrt oder gar konserviert haben. So wird die Aufmacherseite von einem sehr langen Stück über Locals von einem Douglas-Adams-Zitat aus dem Buch "Das Restaurant am Ende des Universums" dominiert. Es lautet: "Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt." Das Zitat endet mit dem Einschub: "Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist." Was das Zitat mit Locals zu tun hat? Keine Ahnung.

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