Strukturreform: Die “Neue Deutsche Welle”

Die Deutsche Welle will sich runderneuern. Und damit einmal mehr gegen den zu geringen Sendertat ankämpfen. Das Programm soll schlanker, die Strukturen straffer und Kosten eingespart werden. Die bisherige Trennung von Fernsehen, Hörfunk und Internet will man schrittweise aufgeben und sich auf digitale Verbreitungswege konzentrieren. Von den Sparmaßnahmen sind vor allem das Rumpfprogramm und die Mitarbeiter in Osteuropa betroffen. Doch bis die Reformen greifen, können noch Jahre vergehen.

Anzeige

Seit Jahren klagt die Deutsche Welle über zu geringe finanzielle Mittel. Jetzt soll das Rumpfprogramm radikal zusammengekürzt werden. Auf eine Stunde pro Tag, die ständig wiederholt werden soll. Bisher waren es zwei Stunden. Wird das Programm tatsächlich verschlankt, dürfte sich das auch auf den Mitarbeiterstamm auswirken. Denn auch dort soll es zu Einschränkungen kommen. Vorrangig bei den ausländischen Redaktionen: So stehe vor allem die osteuropäische Dependance im Fokus der Sparmaßnahmen. Auf dem Balkan, in Indien und Indonesien soll die Deutsche Welle künftig gar nicht mehr zu empfangen sein.

Mehr Podcasts, weniger Programm
Damit nicht genug. Auch die Verbreitungswege sollen optimiert werden. Die Süddeutsche Zeitung zitiert Punkt 12 des ‚Eckpunktepapiers‘, das Intendant Erik Bettermann Anfang November mit seinen Direktoren verabschiedet hat. Darin heißt es: “Die lineare Radioausstrahlung über Kurzwelle wird – mit Ausnahme Afrikas – beendet.” Künftig will man sich verstärkt auf das Satellitenprogramm und Podcasts konzentrieren.

Anders als die Öffentlich-Rechtlichen finanziert sich die Deutsche Welle aus Steuergeldern. Der Senderetat lag bisher bei rund 270 Millionen Euro. Doch schon seit Ende der Neunziger leidet der Sender unter finanziellen und personellen Kürzungen. Von 1999 bis 2004 wurde der damalige Haushalt um rund 75 Millionen Euro zurückgefahren. 1998 beendete sie ihr Angebot auf dänisch, norwegisch, niederländisch, italienisch und sanskrit. Ende 1999 folgten japanisch, slowakisch, slowenisch, spanisch, tschechisch und ungarisch. 2005 wurde der Senderetat dann nochmals erhöht.

Doch das Geld scheint nicht auszureichen. “Wir haben trotz der Rationalisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre nicht das Geld, das wir brauchen”, erklärt DW-Sprecher Johannes Hoffmann im Interview mit der Süddeutschen. Allerdings könne es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die Reformen auch umgesetzt werden. Vorher müssen allerdings erst einmal die Regierung und der Bundestag Stellung nehmen. Und das kann dauern.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige