Weltrettung mit Berggruen und Eric Schmidt?

Der auch als Medien-Investor tätige Milliardär und Unternehmer Nicolas Berggruen will mit seinem Nicolas Berggruen Institute "Regierungsstrukturen verändern", wie er sich in einem Interview mit der FAZ ausdrückt. Der Haupteigentümer von Karstadt und der Prisa-Verlagsgruppe (u.a. El Pais) will in Kalifornien beginnen und später offenbar die ganze Welt mit Ratschlägen und Initiativen erreichen. Gastgeber der ersten Sitzung einer "Gruppe aus Weisen" (Berggruen) war Google-Chef Eric Schmidt.

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Im Interview mit dem Sohn des Galeristen Heinz Berggruen werden lange Reihen prominenter Namen aufgezählt, deren Ideen nicht nur einen typischen "think tank" beflügeln, sondern in konkrete politische Initiativen münden sollen. "Wir bauen eine weltweite Beratergruppe auf", verkündet Berggruen. Wie in Kalifornien achte er dabei auf eine überparteiliche Zusammensetzung: "Von der linken Seite sind aus Deutschland der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder dabei und der frühere spanische Ministerpräsident Felipe Gonzáles. Von der rechten das britische Parlamentsmitglied Chris Patten, der Kanzler der Universität Oxford."
Was die hochkarätigen und zum Teil superreichen Teilnehmer tatsächlich vorhaben, bleibt recht undeutlich; jedenfalls scheint es über wissenschaftliche oder beratende Tätigkeiten weit hinauszugehen. "Es gibt zahlreiche Think Tanks, die Forschung betreiben, und das machen sie auch sehr gut", erläutert Berggruen. "Aber sie veröffentlichen Papiere und können nicht selbst dementsprechend agieren. Wir wollen beides: gute Ideen generieren und sie in der wirklichen Welt realisieren." Die Rede ist von Verfassungsänderungen, die offenbar vorrangig durch die "Weisheit" der Initiatoren legitimiert werden sollen. Berggruen antwortet auf die Frage nach der möglichen Zustimmung der Wähler so: "Wir wollen auf freundliche Weise mit dem Gesetzgeber, dem Kongress, dem Senat und dem neuen Gouverneur kooperieren."
Brisant klingt auch eine Passage, in der es um mögliche Vorzüge von autoritären östlichen Regimes geht. Auf der Website des Instituts werde erörtert, dass sich "die eher autoritär geführten asiatischen Staaten und der funktionsunfähig gewordene westliche Liberalismus austauschen und wechselseitig bereichern könnten", paraphrasiert die FAZ. Berggruens Antwort beginnt mit dem Satz: "Ich denke, dass der Mittelweg die Lösung sein könnte."
Nicolas Berggruen hatte im März 2010 für rund 900 Millionen Euro die Mehrheit am angeschlagenen spanischen Medienkonzern Prisa übernommen; ein Vorgang, der in Deutschland kaum Beachtung fand, weil er gleichzeitig mit der konfliktreichen Übernahme des insolventen Karstadt-Konzerns geschah. Allerdings wird sein Name oft genannt, wenn es um stiftungsgetragene Medien geht. Dieses Modell gewinnt gerade in den USA in der Medienkrise an Bedeutung.

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