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Konstantingate: die Chronik einer Affäre

Tolle Tage in Köln: Seit gerade einmal fünf Wochen sorgen Konstantin Neven DuMont und das familieneigene Medienhaus M. DuMont Schauberg für die wohl melodramatischste Medienposse des Jahres. Die MEEDIA-Chronik zeichnet die Affäre um die Macht in dem Kölner Verlag nach: Von ihrem Beginn als Kommentar-Affärchen bis zu ihrem vorläufigen Höhepunkt, auf dem Konstantin alle Herausgeberämter verliert. Der Blick auf die Zeitleiste offenbart: Die Posse ist mehr Drama als Lustspiel.

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Prolog:
Die Konstantin-Affäre hat ein Vorspiel: Bereits am 3. Januar veröffentlichte Stefan Niggemeier das Stück "Ein Sandkasten für Konstantin Neven DuMont". In dem Posting schreibt der Medienjournalist, dass der damals 40-Jährige "die Feiertage in diesem Blog verbracht hat". Der Kölner hatte unzählige Kommentare in dem Webjournal des Bildblog-Gründers verfasst. Danach wurde es wieder ruhig um die Kommentartätigkeiten von KND – erst mal.

Die Chronik:

18. Oktober
Am 18. Oktober um 15.01 Uhr veröffentlicht Stefan Niggemeier das Posting "Eine systematische Störung". In dem Text legt der Medienjournalist den Verdacht dar, dass Konstantin Neven DuMont mit hunderten von eigentümlichen Alias-Namen die Kommentarspalten seines Blogs flutete. Er fragt: "Ist es denkbar, dass einer der wichtigsten Medienmanager Deutschlands über Monate in diesem Blog unter einer Vielzahl wechselnder Pseudonyme eine dreistellige Zahl von teils irren Kommentaren abgibt, in denen er auf eigene Beiträge verweist, mich und seine Konkurrenz beschimpft, wüste Verschwörungstheorien strickt und seine verschiedenen Identitäten miteinander diskutieren lässt?" Einen Satz später beantwortet Niggemeier seine Frage: "Es sieht ganz danach aus, aber Konstantin Neven DuMont sagt, er war es nicht."
Wenige Stunden später reagiert der Verlags-Vorstand auf die ausführlichen Vorhaltungen des Medienjournalisten. Er sagte gegenüber MEEDIA, dass die zahlreichen Kommentare von zwei Personen aus seinem Umfeld abgegeben worden seien. Klingt abenteuerlich, ist aber faktisch schwer zu widerlegen.

19. Oktober
Der Verlag M. DuMont Schauberg gibt eine Erklärung zur "Blog-Affäre ab. Vorstand Eberhard Klein teilt mit: "Der Vorwurf, Konstantin Neven DuMont habe persönlich anonyme Kommentare gepostet, ist haltlos."

20. Oktober
Die Medienreaktionen der großen Print-Häuser entdecken das Thema: Die Financial Times Deutschland titelt “Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?”. Andrea Diener stellte sich die Frage, die sich vermutlich viele gestellt haben, nachdem sie von den Vorwürfen gegen DuMont gehört haben: “Hat einer der wichtigsten Medienmanager des Landes wirklich nichts Besseres zu tun, als sich unter rund hundert verschiedenen Decknamen in einem Blog zu Wort zu melden und mit anderen Kommentatoren, zur Not aber auch mit sich selbst zu diskutieren?”

23. Oktober
Konstantin spricht das erste Mal mit dem Spiegel und kündigt an, den Vorstand der Kölner Verlagsgruppe verlassen zu wollen. Der Entschluss des "Kronprinzen" des drittgrößten deutschen Zeitungsverlags kommt so überraschend, dass offenbar nicht einmal der Seniorchef und Vater, Alfred Neven DuMont, eingeweiht war. Für ihn, so der 83-Jährige auf Spiegel-Anfrage, seien dies "Gerüchte", er wisse von nichts. Konstantin Neven DuMont hatte gegenüber dem Magazin erklärt, er fände es "reizvoll", in den Aufsichtsrat zu wechseln. Zur Begründung fügte er an, er sei "doch mehr auf der kreativen Seite" zu Hause, nicht so sehr "Verwalter". Seine Energie wolle er in "kleinere Eigenproduktionen etwa über Öko-Themen" stecken.

Am selben Tag schreibt der Kölner an seine Facebook-Wand: "Laut Vorstandsbeschluss darf ich mich über eine sehr skurrile Geschichte zur Zeit nicht äußern. Dennoch werde ich diese Angelegenheit nicht auf mir sitzen lassen."

25. Oktober
In der Bild Köln kündigt Konstantin Neven DuMont an, sich "mit entsprechenden Beweisen gegen die Kampagne zur Wehr zu setzen”. Weiter zitiert die Bild Köln, der Hauptkonkurrent des Kölner Express, dessen Herausgeber der 41-Jährige zum damaligen Zeitpunkt noch ist: "Ich habe mich in den letzten 15 Jahren immer für die Branche stark gemacht und bin jetzt betroffen über die Kampagne gegen mich. Aber da wird noch jeder sein Fett wegkriegen”.

2. November
Seit dem Spiegel-Interview hatte sich Konstantin nicht mehr zu seinen Rücktritts-Absichten geäußert. Jetzt schickt er dem SZ-Redakteur Marc Felix Serrao eine Mail, in der er schreibt: "Ihre Kampagne hat zu nichts geführt. Ich bleibe jetzt erstmal Vorstand."

5. November
Wird Konstantin Neven DuMont Blogger? Konstantin Neven DuMont hat anlässlich des Jubiläums der Medienkolumne “Altpapier” einen Gastbeitrag geschrieben. DuMont Junior nimmt seine Kritiker ins Gebet, verweist auf Fans, macht eine geheimnisvolle Blog-Ankündigung und klärt sein Verhältnis zu Stefan Niggemeier. So schreibt der Kölner, dass der Medienjournalist am Telefon immer "sehr freundlich gewesen" sei.

10. November
In einer Telefonkonferenz teilte der kaufmännische Verlags-Vorstand Eberhard Klein den Führungskräften des Medienhauses mit, dass Neven DuMont "auf eigenen Wunsch" und "ab sofort" beurlaubt ist. Kurz darauf sorgt der 41-Jährige mit einem Facebook-Kommentar für Verwirrung. Danach bleibt er Vorstand und Herausgeber und macht lediglich Urlaub. Sein passendes Twitter-Posting: "Juhu, heute beginnt mein Urlaub. Das Leben ist schön."

11. November
Seit dem 19. Oktober ("Der Vorwurf, Konstantin Neven DuMont habe persönlich anonyme Kommentare gepostet, ist haltlos") hatte der Verlag offiziell geschwiegen. Jetzt verschickt die Kommunikationsabteilung eine E-Mail: "Aufgrund der verschiedenen zum Teil auch verzerrten Berichte stellt die Mediengruppe M. DuMont Schauberg mit der folgenden Information, die gestern hausintern verbreitet wurde, klar: Auf Wunsch von Herrn Konstantin Neven DuMont ist er vom Hause M. DuMont Schauberg beurlaubt. Damit ruhen mit sofortiger Wirkung alle seine Funktionen und Ämter für die Mediengruppe."

13. November
Konstantin widerspricht der offiziellen Verlagsdarstellung. In einem vorab veröffentlichten Focus-Interview platziert der 41-Jährige eine Kampfansage an das verbliebene Management: "Ich will weiter Gas geben." Zudem macht er erstmals seinem Vater Vorwürfe und droht, Kapital aus dem Unternehmen abzuziehen.

15. November
In der Bild Köln legt Konstantin nach. In dem Springer-Blatt stellt er Alfred Neven DuMont ein deutliches Ultimatum. Bis "Monatsende" erwartet der beurlaubte Vorstand eine Reaktion seines Vaters. Ansonsten "mache ich ein eigenes Medienunternehmen auf". Bislang schweigt der 83-Jährige Patriarch jedoch noch immer beharrlich.

16. November (Morgens)
Das Image der Kölner Verlagsgruppe beginnt ernsthaften Schaden zu nehmen. Die Medienjournalisten der großen Print-Zeitungen sprechen mittlerweile von "Posse" (FAZ). Alle warten auf das längst überfällige Machtwort von Altverleger Alfred Neven DuMont.

16. November (Nachmittag)
Der Druck wurde wohl zu hoch. Nachdem es den ganzen Vormittag bereits Gerüchte gab, dass Alfred Neven DuMont seine Top-Manager zu einer Krisensitzung einbestellt habe, geht am Nachmittag endlich eine "Depesche" an alle Mitarbeiter von M. DuMont Schauberg. In dem Brief schreibt Alfred: "Wir, alle Mitarbeiter des Hauses, die Chefredakteure, Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder und Verleger sind völlig unvorbereitet und ohne eigenes Hinzutun durch meinen Sohn Konstantin Neven DuMont, der seit mehreren Tagen beurlaubt ist und dessen Ämter und Funktionen ruhen, in eine misshellige Situation geraten." Der Brief endet mit dem klaren Hinweis an den Sohn, der den Vater zum Rückzug aufgefordert hatte: "Nicht ohne Humor möchte ich abschließend feststellen, dass Sie mich noch eine Zeit lang ertragen müssen."

16. November (Abends)
Konstantin kommentiert bei Spiegel Online für seine Verhältnisse fast schon Kleinlaut den Brief des Altverlegers mit dem Satz: "Mein Vater ist wohl ziemlich sauer“.

17. November
Bereits einen Tag nach der "Depesche" des Altverlegers steht Konstantin Neven DuMont nicht mehr als Herausgeber im Impressum der Frankfurter Rundschau.

18. November
Via Bild Köln fordert Konstantin eine schriftliche Begründung für seine Beurlaubung und eine schnelle Auszahlung seines Erbteils. Über den Wert des Sieben-Prozent-Anteils des 41-Jährigen an dem Verlagshaus gibt es unterschiedliche Angaben. Sie variieren zwischen 16 und 50 Millionen Euro.

22. November
Die nächste Wendung in der Affäre. Jetzt geht M. DuMont Schauberg auf Springer los. In einem Artikel im Kölner Express kündigt der Verlag an, juristische Schritte gegen Axel Springer einzuleiten und den Presserat anzurufen. Grund: DuMont sieht in der fortgesetzten Berichterstattung vor allem in der Bild Köln eine Kampagne gegen die Konkurrenz. Im Express und im Kölner Stadt-Anzeiger erscheinen am Wochenende große Artikel zum Kampagnen-Vorwurf, die teilweise auch unter die Gürtellinie zielen.

23. November
Das aus Unternehmenssicht wohl finale Kapitel: in der heutigen Ausgabe der Zeitungen des viertgrößten Zeitungsverlags Deutschlands teilt der Konzern mit, dass der Aufsichtsrat Konstantin Neven DuMont von den noch verbliebenen Herausgeberämtern entbunden hat. Begründet wird dies mit Äußerungen in "geschäftsschädigender Weise". Aus Sicht des Kontrollgremiums war dies nötig, um Schaden von der Mediengruppe abzuwenden. Zeitgleich wehrt sich die Bild auf ihre weise und bringt die Story: "Neuer Tiefpunkt im DuMont-Streit. Angriff auf Springer-Verlag.

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