Die Medien-Taufe des Innenministers

Lange Zeit galt der Bundesinnenminister, der CDU-Politiker Thomas de Maizière, als blasse Figur im Kabinett. Gegenüber den Vorgängern Otto Schily und Wolfgang Schäuble schien dem ehemaligen Chef des Bundeskanzleramtes das Format zu fehlen. Während der Diskussion um einen möglichen Terror-Anschlag in Deutschland zeigt sich ein anderer de Maizière. Der Minister zieht unermüdlich von Talkshow zu Talkshow, klärt besonnen auf und findet dabei genau den richtigen Tonfall zwischen Ernst und Gelassenheit.

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Wenn Thomas de Maizière bei “Anne Will”, bei “Beckmann” oder bei “Was nun…?” im ZDF spricht, verströmt er stets eine beruhigende Seriosität. Hysterie liegt dem Mann nicht, aber er zaudert auch nicht. Mit klaren Worten rechtfertigt er immer wieder seine Entscheidung, gerade jetzt vor einem möglichen terroristischen Anschlag zu warnen. Er erklärt auch zum gefühlt 100. Mal, warum deutsche Sprengstoffexperten 27 Stunden brauchten, um den verdächtigen Koffer in Windhuk als Bombenattrappe zu erkennen. Er hört aber auch zu und kann schweigen, wenn es notwendig ist – eine seltene Gabe für einen Berufspolitiker.

Es ist nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass die sonst gerne in wolkige Phrasendrescherei ausartende Talkshow von Anne Will am vergangenen Sonntag erstaunlich aufgeräumt und zielgerichtet wirkte. Es ist wie so oft mit Politikern: Erst wenn es ernst wird, zeigt sich, wer aus welchem Holz geschnitzt ist. Der frühere SPD-Innenminister Otto Schily etablierte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York in Deutschland den so genannten “Otto-Katalog” – eine bis dato unvorstellbare Verschärfung von Sicherheitsbestimmungen.

Thomas de Maizière ist kein Hardliner wie Schily und er ist auch kein Technokrat wie Schäuble. De Maizière wirkt freundlich konsequent, er ist verbindlich, benennt Schwachpunkte und gaukelt der Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt hundertprozentige Sicherheit vor. Gerade das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Wenn er sich in zahllosen Interviews und Talkrunden immer wieder zu dem Thema äußert, so wirkt das nicht wie die übliche Medien-Tingelei. Es ist seine Aufgabe als Innenminister, die Anschlagswarnungen zu erklären und zu kommunizieren – das gelingt ihm vorbildlich.

Thomas de Maizière hat in dieser von Unsicherheit geprägten Vor-Adventszeit gezeigt, dass mehr in ihm steckt, als ihm viele zugetraut hätten. Die CDU/FDP-Regierung könnte sich glücklich schätzen, mehr von seinem Format in ihren Reihen zu wissen.

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