Das böse Erwachen im Haus DuMont

Die Affäre um Konstantin Neven DuMont hat einen offiziellen Schlusspunkt gefunden. Der Aufsichtsrat mit Alfred Neven DuMont als Vorsitzendem hat den Junior von seinen Ämtern als Herausgeber enthoben - wegen geschäftsschädigenden Verhaltens. Konstantins Kommunikationsgebaren ist aber nur ein Symptom für die eigentlichen Probleme des Hauses. Der Verlag hat sich jahrelang in einen Kokon der verzerrten Selbstwahrnehmung eingesponnen. Zentrum der Realitätsverweigerung ist der Verleger selbst.

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Die Affäre um Konstantin Neven DuMont hat einen offiziellen Schlusspunkt gefunden. Der Aufsichtsrat mit Alfred Neven DuMont als Vorsitzendem hat den Junior von seinen Ämtern als Herausgeber enthoben – wegen geschäftsschädigenden Verhaltens. Konstantins Kommunikationsgebaren ist aber nur ein Symptom für die eigentlichen Probleme des Hauses. Der Verlag hat sich jahrelang in einen Kokon der verzerrten Selbstwahrnehmung eingesponnen. Zentrum der Realitätsverweigerung ist der Verleger selbst.

Ein sichtbares Zeichen, wie Kommunikation bei DuMont funktioniert, waren die beiden seltsam wortähnlichen Kommentierungen in Kölner Stadt-Anzeiger und Express vom Wochenende, in denen dem Axel Springer Verlag eine Kampagne vorgeworfen wurde. Der Express schreckte sogar davor nicht zurück, Günter Wallraff reichlich krude Parallelen zum Selbstmord des Sohnes von Axel Springer ziehen zu lassen und quasi im gleichen Atemzug lauthals "Empörung" zu schreien.

Dass die beiden Artikel mit der Realität der Ereignisse wenig bis gar nichts zu tun haben, wurde in diversen Beiträgen bereits ausführlich analysiert und dürfte auch den Mitarbeitern bei DuMont nicht verborgen geblieben sein. Wahrscheinlich wissen sogar die Verfasser selbst, Stadt-Anzeiger-Chefredakteur Peter Pauls und Express-Vize Berndt Thiel, dass sie hier lediglich als Sprachrohre des Verlegers funktioniert haben. Aber so läuft das im Haus DuMont eben.

Über die seltsam wirren Ansichten und Äußerungen des Verleger-Sohnes wurde in Köln und anderswo hinter vorgehaltener Hand schon lange gespottet und gelächelt. Trotzdem hatte Konstantin freie Bahn, seine Thesen in Artikeln und TV-Sendungen zu verbreiten – immer schön in den eigenen Blättern oder in Medien im Kölner Dunstkreis. Um Konstantin herum wurde eine Art Management-Bypass gelegt, der sicherstellte, dass er nicht zuviel Schaden anrichten konnte, man ihn aber nominell an der Spitze stehen lassen konnte. Er ist halt der Sohn vom Alten – kann man nix machen. Dass seine Worte erstaunlich wenig Niederschlag im operativen Geschäft des Hauses fanden, fiel irgendwann dann sogar Konstantin auf. Im Interview mit dem Focus sagte er:  "Ich gebe zu, dass ich mich mit meinen Strategien nicht immer durchsetzten konnte, sie wurden zum Teil unterwandert"“ Die “Unterwanderung”, wie er sich ausdrückte, hatte durchaus Methode.

Wie es um die Machtverhältnisse im Hause bestellt war, merkte man alleine an der Art, wie über die beiden DuMonts geredet wurde. Kam die Sprache auf den jungen DuMont, wurden die Augen schon mal verdreht und wegwerfende Handbewegungen gemacht. Beim Alten schlichen Ehrfurcht und auch Angst in die Stimmen von gestandenen Journalisten. Was sollen sie auch machen? Wenn sie in Köln wohnen wollen und bei einer Zeitung arbeiten führt an DuMont als Arbeitgeber kaum ein Weg vorbei. Also denken und dachten viele: Augen zu und durch. Et hätt noch immer joot jejange.

Als Stefan Niggemeier das seltsame Kommunikationsgebaren des DuMont Juniors in den Kommentarspalten seines Blogs öffentlich machte, war das, als habe jemand den Schleier des permanenten Selbstbetrugs abrupt weggezogen. Plötzlich war da ein Konzern im grellen Licht der Öffentlichkeit zu sehen, der mit sich und seinem Führungspersonal alles andere als im Reinen ist. Wie verzweifelt man bei DuMont sein muss erkennt man auch daran, dass sogar der Presserat wegen der vermeintlichen Springer-Kampagne angerufen werden soll – ein Gremium, in dem Konstantin Neven DuMont selbst sitzt.

Es gibt eine Anekdote, die wie keine andere illustriert, wo die Probleme des Hauses DuMont in Wahrheit liegen. Schon vor längerer Zeit wurde im Verlag erzählt, dass von den internen Pressespiegeln immer zwei Exemplare angefertigt werden. Eines für die normalen Empfänger und eines speziell für den Verleger Alfred Neven DuMont. In der Alfred-Sonderausgabe würden dann die kritischen oder unangenehmen Artikel schlicht fehlen – man wollte sich nicht den Zorn des Alten zuziehen, der nach alter Herrscher-Sitte offenbar auch den Überbringer einer schlechten Nachricht gerne mal einen Kopf kürzer macht. Ob die Geschichte wirklich stimmt, lässt sich nicht nachprüfen aber ihr Kern dürfte der Wahrheit entsprechen. Bei DuMont hat man sich jahrelang ein eigenes Traumbild erschaffen. Nun gab es das böse Erwachen.

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