Die iPad-Hochpreis-Strategie des Economist

Der britische Economist ist eine der wenigen lupenreinen Print-Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre: Das Magazin konnte selbst während der Krise mit steigender Auflage aufwarten. Jetzt ist das Vorzeige-Medium für Intellektuelle auf iPad und iPhone angekommen. Der Economist bleibt sich auch in seinen Digital-Ausgaben treu: reduzierte Optik, kein Schnickschnack, hoher Preis. Videos und andere Multimedia-Spielereien sucht man vergebens. Dafür wollen die Briten von Anfang an ordentlich Geld sehen.

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Die gängige Methode, eine Test-Ausgabe gratis zur Verfügung zu stellen oder die App 30 Tage komplett zu öffnen ist nichts für den Economist. Die Briten wollen von Anfang an Geld sehen, und das nicht zu knapp. Zunächst muss man sich registrieren, bevor man überhaupt die App starten kann. Danach darf man sogleich den virtuellen Geldbeutel öffnen. Eine Einzelausgabe des Economist auf dem iPad oder iPhone kostet stolze 4,99 Euro und ist damit fast so teuer wie eine gedruckte Kiosk-Ausgabe, die mit 5,50 Euro zu Buche schlägt.

Etwas günstiger wird’s im Abo. Hier hat iPad- oder iPhone Leser die Wahl zwischen einem Drei-Monats-Abo für 30 Euro, das sich automatisch erneuert oder einem Jahresabo für 110 Euro. Inklusive ist jeweils auch der uneingeschränkte Zugang zur Website Economist.com, wo auch einige Artikel hinter einer Bezahlschranke liegen. Da ist der Sprung zum Print-Abo sehr gering. Eine volles Print-Abo des Economist kostet für drei Monate 36 Euro und für ein Jahr ab 122 Euro. Für ein paar Euros mehr bekommt man also auch noch das Heft gedruckt ins Haus geschickt und die Zugänge zu iPhone, iPad und Web sind da auch schon mit dabei. Dazwischen gibt es nix – take it or leave it. Der Economist hat es ganz offenbar nicht nötig, seine Inhalte zu verschleudern. Oscar Grut, der Digital-Chef beim Economist wird beim FAZ-Netzökonomen mit den Worten zitiert: „In drei Jahren erwarte ich eine Million Menschen, die dafür zahlen, uns im Internet lesen zu können." Abwarten und (englischen) Tee trinken.

Auf iPad und iPhone bleibt der Economist jedenfalls seinem britischen Understatement treu. Es gibt in erster Linie die Texte aus der gedruckten Ausgabe im gewohnten Minimal-Layout zu lesen – nothing else. Das ist lesefreundlich und die Texte sind halt die vom Economist – also hervorragend geschriebene, fundierte Analysen. Multimedia-Elemente, Videos oder wenigsten große Bilder und eine Grafik zum groß klicken – no Sir! Man kann sich allerdings alle Artikel auch als Audio-Datei runterladen. Ob einem das sparsame Economist-Paket den hohen Preis wert ist, kann jeder selbst entscheiden.

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