„Die Ängste vor Google sind diffus“

Google Street View ist gestern in Deutschland gestartet – und erntet weiter Kritik. Die FAZ hält den Dienst für ein ideales Werkzeug für Einbrecher: "Endlich kann man erforschen, ob Fenster vergittert sind, welche Beschläge die Türen haben." Über die Verpixelung der Konzern-Zentrale in München lästert die SZ: "Auch Google selbst scheint komplette Transparenz nicht gern zu haben." Von der diebischen Freude, selbst die kleinsten Fehler zu finden, ist die weitere Berichterstattung geprägt.

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FAZ, Seite 10: "Endlich kann man – ohne sich selbst blicken lassen zu müssen – erforschen, ob Fenster vergittert sind, welche Beschläge die Türen haben und wo man mit einem Bewegungsmelder zu rechnen hat, am Ende gar mit einem vierbeinigen. Straßenzug für Straßenzug lässt sich so erkunden, und das alles bequem vom Sofa aus, selbst noch im fernen, sagen wir: Rumänien. Nicht nur die Briefträger werden Google für diesen Dienst auf ewig dankbar sein."
SZ, Seite 12: "Auch Google selbst scheint komplette Transparenz nicht gern zu haben. Wer die Filiale des mächtigen Internetkonzerns in München per Street View besichtigen will, der wird enttäuscht. Das komplette Gebäude ist gepixelt. Welcher Mitarbeiter dafür gesorgt hat, ist unbekannt."
Bild, Seite 7: "Wie in der Parkallee in Harvestehude haben viele Hamburger ihr Haus von Google verdecken lassen, so dass nichts zu erkennen ist. Dagegen kann man bei den meisten Häusern bis fast auf den Küchentisch schauen."
Welt, Seite 6: "Freiheit und absolute Sicherheit sind selten zusammen zu bekommen. Und ein kleiner Teil der Deutschen entscheidet sich im Zweifelsfall eben eher für die Sicherheit. Auch wenn die Ängste vor Google eher diffus sind."
Handelsblatt: "Die nun im Netz stehenden Straßenpanoramas deutscher Städte sind teilweise zwei Jahre alt. Das führt zu einigen Kuriositäten: So ist auf Street View noch das Kölner Stadtarchiv zu sehen. Die Aufnahme stammt vom August 2008 – ein halbes Jahr später ist das Gebäude eingestürzt."
Spiegel.de: "Bei Google selbst wünscht man sich wohl sehnlichst mehr positive Resonanz auf den kostspielig hergestellten Fotoatlas. Auf dem Bild von der Google-Zentrale in Hamburg sind Mitarbeiter des Hauses zu sehen, die winkend und zum Teil kostümiert das Fotoauto begrüßen – so enthusiastisch waren die Reaktionen andernorts eher nicht."
taz.de: "Neben der fehlenden Aktualität hat Street View noch ein weiteres Manko. Es zeigt Berlin ausschließlich aus der Perspektive eines Autofahrers. Wichtige Areale wie etwa der Alexanderplatz, der komplett Fußgängerzone ist, waren für die Kamerafahrzeuge von Google unerreichbar – und fehlen nun im Netz."
n-tv.de: "Leider haben hysterische deutsche Politiker und die Zeitung mit den großen Buchstaben Google dazu genötigt, den Dienst zu kastrieren. Und so tun sich in den Straßenzügen Lücken auf: Einzelne Fassaden sind hinter einem Pixelbrei versteckt. Das sieht nicht nur hässlich aus, sondern sorgt auch für Streit. Denn die Verpixelung darf jeder beantragen, der in einem Haus wohnt."
DerWesten.de: "Man verspreche sich sowieso keine signifikanten Einnahmen durch Street View, so Google. Ungewohnt leise Töne eines Unternehmens, das in den letzten Jahren vor allem als Datenkrake von sich hören machte."

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