Street View-Start: Googles Meisterstück

Das US-Unternehmen hat es geschafft: Für die 20 größten deutsche Städte ist Street View online. Damit erweitert Google seinen Kartendienst nicht nur um ein Panorama-Tool, sondern setzte sich gegen eine kritische Öffentlichkeit, die Datenschützer-Bedenken und vor allem gegen eine Vielzahl von Politiker-Forderungen durch. Viele große Industrie-Konzerne wären unter dem Druck eingeknickt, nicht so die Amerikaner: Mit Street View legen sie in der europäischen Business-Welt ihr Meisterstück hin.

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Das US-Unternehmen hat es geschafft: Für die 20 größten deutsche Städte ist Street View online. Damit erweitert Google seinen Kartendienst nicht nur um ein Panorama-Tool, sondern setzte sich gegen eine kritische Öffentlichkeit, die Datenschützer-Bedenken und vor allem gegen eine Vielzahl von Politiker-Forderungen durch. Viele große Industrie-Konzerne wären unter dem Druck eingeknickt, nicht so die Amerikaner: Mit Street View legen sie in der europäischen Business-Welt ihr Meisterstück hin. 
PK-Bühne der Google-Pressekonferenz

Seit zwei Jahren arbeitete das Team um den deutschen Produktmanager Andreas Türk auf den heutigen Tag hin. Mit sichtlichem Stolz stand er nun bei der Produkt-Präsentation im Hamburger Hafen vor der versammelten Presse und durfte dann doch nicht hemmungslos sein Produkt feiern. Stattdessen erklärte er, wie man falsche Verpixelungen meldet. Immerhin war Türk einer der wenigen Googler auf dem Event, der eine Jeans, die inoffizielle Uniform aller US-Web-Companys, trug. Die meisten anderen Angestellten der Suchmaschine trugen dunkle Anzüge. In der Kulisse des bayerischen Dorfes Oberstaufen waren alle Mitarbeiter des US-Unternehmens bestrebt, einen möglichst seriösen Eindruck zu hinterlassen. 

Wie bei Türk herrscht auch bei den anderen Googlern nur eine gedämpfte Freude. Denn das Gebot der Stunde für die Web-Worker lautet noch immer: Vertrauenswürdig wirken und vor allem jedem das Gefühl geben, alle Ängste und Sorgen ernst zu nehmen
So erklärte der Datenschutzbeauftragte des Konzerns, wie ernst man die Einsprüche nehme, dass extra 200 weitere Mitarbeiter eingestellt worden seien, um den Ansturm der Verpixelungs-Anträge Herr zu werden. Natürlich waren auch am Starttag nicht alle Häuser und Gebäude richtig versteckt. Vereinzelt kam es zu Pannen. Doch wer das Unternehmen kennt, weiß: Diese Probleme werden auch noch behoben. Denn um überhaupt am heutigen Donnerstag Street View starten zu können, war es ein so langer und hindernisreicher Weg, dass die Google-Jungs auch die letzten Meter noch schaffen.
Die ersten deutschen Aufnahmen für Street View wurden bereits im August 2008 gemacht. Die letzten Fotos kamen im Frühjahr 2010 dazu. Google zeigt extra ältere Bilder, damit erst gar nicht der Eindruck entsteht, dass es sich um einen Live-Feed handelt. 
Während für fast zwei Jahre die Autos durch die Republik rollten, filmten, fotografierten und nebenbei noch die W-Lan-Daten ungefragt mitschnitten, redeten und redeten die Manager mit Datenschützern, Politikern, Journalisten, Nutzern und Verbänden, um gegen die unzähligen Ressentiments und Widerstände anzukämpfen. "Wir haben in Deutschland so viele Zugeständnisse gemacht wie in keinem anderen Land", sagte Europa-Boss Philip Schindler auf der heutigen Präsentation. 
Der Grund dafür ist einfach: Deutschland ist ein Schlüsselland. Ein riesiger Markt mit einer extrem Datenschutz-affinen Öffentlichkeit. Irgendwann muss Google klar geworden sein: Wenn wir Street View in Berlin, Hamburg oder Mannheim durchsetzen, dann schaffen wir es überall. Die Zielstrebigkeit und Zähigkeit, mit der das US-Unternehmen dieses Projekt anpackte und durchzog, ist beeindruckend. Ob bewusst oder nicht, hat Google damit bewiesen, dass es längst mehr als nur eine Suchmaschine ist. 
Wie groß der Druck und Arbeitsaufwand bis zuletzt waren, verdeutlichte Philip Schindler in einer kurzen Bemerkung. Auf der Pressekonferenz wurde er mit dem Hinweis vorgestellt, dass der Europachef gerade erst aus New York gekommen sei und möglicherweise schon unter einem Jetlag leide. Schindlers Antwort: "Ich bin nicht gejatlaged, ich habe nur seit Tagen nicht mehr geschlafen."
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