William macht „Waity Katy“ zur Prinzessin

Den Verlobungsring hat Kate Middleton sich auch verdient – acht Jahre lange war sie mit Prinz William zusammen, bis er endlich den Ring seiner Mutter präsentierte und um ihre Hand anhielt. Jetzt wird aus "Waity Katy" endlich Prinzessin Catherine. Zudem hat sich "Big Willies" seine Baby-Mama gesichert. Wer könnte sich also mehr freuen als die Presse? Die BBC, die königlichste unserer Fernsehstationen, konnte sich gar nicht beruhigen ob des Märchencharakters ihres Hauptprogrammpunktes für 2011.

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Den Verlobungsring hat Kate Middleton sich auch verdient – acht Jahre lange war sie mit Prinz William zusammen, bis er endlich den Ring seiner Mutter präsentierte und um ihre Hand anhielt. Jetzt wird aus "Waity Katy" endlich Prinzessin Catherine. Zudem hat sich "Big Willies" seine Baby-Mama gesichert. Wer könnte sich also mehr freuen als die Presse? Die BBC, die königlichste unserer Fernsehstationen, konnte sich gar nicht beruhigen ob des Märchencharakters ihres Hauptprogrammpunktes für 2011.

Nein, wie schön! Eine bürgerliche wird zur Prinzessin. Daher schickte die BBC auch schon mal einen Helikopter, der gestern für Stunden über dem Buckingham Palace kreiste. Leider passierte dort herzlich wenig, aber ein bisschen Übung schadet keinem Piloten. Denn vor dem Palast standen mehr TV-Teams als Fans der Monarchie. Die wenigen Passanten wurden von "Vox Pops"-Crews belagert, um die Meinung des Volkes einzufangen.

Ob irgendein Reporter tatsächlich auf kontroverse Antworten hoffte, ist fraglich. Die Verlobung wurde seit Jahren erwartet – Woolworth hatte schon 2006 Gedenk-Teller für die zweifellos unmittelbar bevorstehende Hochzeit designt. Die wurden dann erstmal eingestampft, als Kate und William sich kurz danach für ein paar Monate trennten. Woolworth UK ist inzwischen pleite. Aber Politiker, royale Experten, die Royals selber, die Bürgerlichen, Kirchenvolk, Souvenirhersteller, Partyausstatter, Hochzeitskleiddesigner hatten selbstverständlich alle nur die allerbesten Glückwünsche.

Ok, fast alle – irgendeine fanatische Randgruppe empörte sich über die Möglichkeit, dass in Zeiten der Sparsamkeit der Staat auch nur einen Penny zur der königlichen Hochzeit beisteuern könnte. Londons Bürgermeister Boris Johnson bot daher die City Hall – seinen scheußlich neumodischen Amtssitz nahe der Tower Bridge – als "cut-price" Veranstaltungsort für die Hochzeit an. Nicht dass die Trauung billig sein sollte, eher eine "kosten-effektive Hochzeit in unseren kosten-effektiven Zeiten". Offenbar lebt die BBC in anderen Zeiten, und so werden Kamerapositionen vor St. Pauls Cathedral und Westminster Abbey wahrscheinlich jetzt schon bemannt.
Über diese Miesepeter-Gruppe erfuhr ich gestern übrigens erst aus dem deutschen Fernsehen, denn außer den Briten sind die Deutschen offenbar die größten Fans der hiesigen Monarchie. Ich kann’s gut verstehen – Prinz Philip ist unser feinster Export.
Während die meisten anderen Reporter vor dem Palast über Kleider, Clans und Kirche spekulierten, wurde die Frage danach, ob das Volk einen staatlichen Scheck an das junge Paar unterstützen, nur im deutschen TV angesprochen. Aus Gründen der Konsistenz (oder Faulheit?) recycle ich meine Einschätzung, die ich gestern im TV gab: Natürlich steht das Volk dahinter! Königliche Hochzeiten sind gut fürs Gemüt, wir haben sonst herzlich wenig zu feiern, außerdem bringt es Umsatz (Gedenkteller, vielleicht sogar die passende Tasse) und Touristen. Der Besuch des Papstes im September dagegen wurde nicht unterstützt. Der kostete den Staat insgesamt 14.5 Millionen Pfund und war für die meisten kein Grund zum feiern. Aber wenn eine bürgerliche ihren Prinzen heiratet, dann freut sich mit der BBC auch OK!, die Porzellanindustrie und das ganze Land.
MEEDIA-Bloggerin Nina May lebt in London und arbeitet auch als TV-Korrespondentin

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