Michael Douglas-Interview eine Fälschung

Mit Erfolg wehrte sich der schwer an Krebs erkrankte Hollywoodstar Michael Douglas gegen ein angebliches Interview mit ihm, das in dieser Woche der Berliner Kurier, die Hamburger Morgenpost und der Kölner Express veröffentlichten. Laut Douglas-Sprecher Alan Burry wurde das "Exklusiv-Interview" nie geführt. Gegenüber der dpa gab der Autor des Textes nun zu, nicht mit dem Schauspieler gesprochen zu haben. Erinnerungen an den Fälschungs-Fall Tom Kummer werden dabei wach.

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In dem angeblichen Interview wird Michael Douglas mit sehr persönlichen Aussagen über seine Krebserkrankung sowie Problemen mit seiner Ex-Frau und dem gemeinsamen Sohn zitiert. Auf Anfrage von MEEDIA bestätigte auch der Springer-Verlag, dass Bild.de ebenfalls einzelne Passagen des offenbar getürkten Interviews in einem Artikel zitierten. Diese Story ist inzwischen gelöscht. In der gedruckten Ausgabe erschienen die Aussagen nicht.

Das Interview in der Online-Version von Mopo.de

Der Sprecher von Michael Douglas erklärte Bild, er könne sich nicht erinnern, dass dass Michael Douglas jemals ein Interview mit dem Autoren geführt habe. "Ganz bestimmt hat er aber nie mit irgendjemand eingehend über seinen Krebs, über den Rechtsstreit mit seiner Ex-Frau oder über Probleme mit seinem Sohn Cameron gesprochen." Lediglich zum US-Magazin "People" habe es bezüglich der Krebserkrankung unmittelbar nach der Diagnose im August 2010 Kontakt gegeben.

Danach habe Michael Douglas lediglich Pressekonferenzen zum Kinostart seines aktuellen Kinofilms "Wallstreet: Geld schläft nicht" gegeben. Burry erklärte Bild, es habe kein persönliches Interview mit dem Autoren gegeben. Das Interview sei "komplett zusammengeschustert" (engl. "completely fabricated") worden.

Der Sprecher des Hollywoodstars weiter: "Dieses Interview wurde sorgfältig zusammengesetzt aus Bemerkungen, die Michael Douglas auf verschiedenen Pressekonferenzen und in Interviews im vergangenen Jahr gemacht hat. Aber das meiste ist komplett ausgedacht." Alle betroffenen Zeitungen gehören zur Verlagsgruppe M. Dumont Schauberg, dem viertgrößten deutschen Zeitungsverlag. Jan Schmidt, stellvertretender Chefredakteur des Berliner Kurier, erklärte gegenüber Bild zu den Fälschungsvorwürfen, der Kurier und die Hamburger Morgenpost nähmen die "Vorwürfe" des Sprechers von Michael Douglas "sehr ernst". Schon im "ureigensten Interesse" sei man "um Aufklärung bemüht."
Der Autor des Douglas-Interviews, Jörg B., ist war zuerst für Mediennachfragen nicht zu erreichen, sprach dann allerdings doch mit der Deutschen Presseagentur. Gegenüber der dpa räumte B. ein, dass „das wohl ein Fehler“ war. Der 72-Jährige behauptet das Stück vom Online-Klatsch-Portal "tmz" übernommen zu heben. Er gehe aber nach wie vor davon aus, dass das Interview so stattgefunden habe.
Auf einem leicht obskur wirkenden Promi-Portal wird der Journalist ausgiebig promotet. Unter anderem heißt es dort (in nicht ganz korrektem Deutsch) über seine Referenzen: "Mehr als 1000 Personality-Interviews mit internationalen Persönlichkeiten für Europa’s führende Illustrierten, teilweise weltweit veröffentlicht." Offenbar belieferte der 72-Jährige, der in Kalifornien lebt, auch deutsche Yellows und diente Tageszeitungen Zweitverwertungen an. Aus dem Umfeld der betroffenen Zeitungen heißt es, man habe schon mehrere Jahre mit dem Autor zusammengearbeitet, ohne dass es zu Beanstandungen gekommen sei. Neben Promi-Stories schrieb B. auch Bücher und produzierte Hörbücher für Kinder.
Voraussichtlich morgen wird es aus dem Hause DuMont eine Stellungnahme in der Sache geben. Bis dahin will man dem Autoren die Möglichkeit geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

	
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