Der Medien-Kult um die 80er Jahre

Die 80er Jahre scheinen ein ganz besonderes Jahrzehnt gewesen zu sein. Im Internet und in zahlreichen Medien wimmelt es derzeit wieder von nostalgischen Rückbetrachtungen an die “guten, alten 80er Jahre”. Ganz egal ob in Zeitschriften, im TV oder im Rundfunk. Dabei geht es meist um technische Gimmicks wie das Vor-Internet Btx, stilprägende Filme wie “Zurück in die Zukunft” oder Mode-Sünden wie das berühmte Schulterpolster oder die Föhn-Frisur. MEEDIA hat analysiert was dran ist am Medien-Kult um die 80er.

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Die Websites, die sich mit dem “Kult der 80er” befassen, lassen sich kaum noch zählen. Da gibt es die welt-der-80er.de, 80er-mode.de, die-80er-jahre.de, achtziger.de, achtzigerforum.de und so weiter. Das Weblog Medienzeitmaschine befasst sich sogar ausschließlich mit Medien- und Technik-Phänomenen der 80er Jahre. Bei Facebook ist die ebenfalls auf die 80er-Jahre konzentrierte Fangruppe der berühmten Gimmick-Zeitschrift Yps in kurzer Zeit auf mittlerweile fast 20.000 Fans angewachsen. Der Radiosender SWR1 veranstaltet im Rahmen seiner Hörer-Hitparade täglich ein 80er-Quiz, Im TV laufen 80er-Jahre-Rückblicke oder Wiederholungen von Ausschnitten aus der 80er-Jahre-Musik-Show “Formel 1”.

Woher kommt diese Faszination für die 80er. Ein paar Anhaltspunkte:

Die 80er waren das letzte analoge Jahrzehnt

In den 80er Jahren steckten Internet und Digitaltechnik noch in den Kinderschuhen. Es gab zwar Internet-Vorläufer, wie den von der Post entwickelten Bildschirmtext (Btx). Verglichen mit dem heutigen Web, wirkt dies aber schon rührend rückständig. Die 80er Jahre waren technisch betrachtet eine Zwischenzeit. Neue Erfindungen wie der Walkman von Sony bereiteten dem iPod den Weg, die CD startete ihren Siegeszug. Aber alles war noch in klobige Geräte mit großen Tasten verpackt. Die Technik war weniger komplex und verständlicher als dies bei dem unüberschaubaren Angebot heute der Fall ist. Nicht umsonst ist auch der Commodore 64 eine der Technik-Ikonen der 80er-Jahre. Das war zwar ein vollwertiger Heimcomputer, der aber immer noch den Charme des Analogen verströmte. Beim C64 wurde ein Systemreset noch mit einer zurechtgebogenen Büroklammer ausgelöst, genauso wie man vielleicht ein Moped oder einen kaputten Kassettenrekorder repariert hätte.

Die 80er Jahre boten ein klares politisches Feindbild

In den 80er herrschte der Kalte Krieg und mit dem Ostblock gab es ein klares Feindbild. Die klare Abgrenzung zwischen hüben und drüben vom Eisernen Vorhang war auch in der alten Bundesrepublik Westdeutschlands identitätsstiftend. Die Sortierung der Welt in West und Ost ermöglichte es, sich in Friedensbewegungen zusammenzufinden und Popmusiker konnten in Liedern besingen, dass Russen auch Menschen sind (Sting in “Russians”, Elton John in “Nikita”). Nach dem Fall der Berliner Mauer, der gleichzeitig das Ende der 80er Jahre markierte, wurde die Welt in jeder Beziehung deutlich komplizierter.

Die 80er Jahre waren modisch bizarr

Auch die 60er und 70er Jahre haben einiges an modischen Irrungen und Wirrungen auf dem Kerbholz. In den 80ern erreichte das Bemühen der Jugend, sich klamottentechnisch vom Elternhaus abzugrenzen aber einen stilistisch traurigen Höhepunkt. Unvergessen sind schmale Lederkrawatten, breite Schulterpolstern, enge Karottenhosen (noch schlimmer: Latzhosen) und abenteuerlich aufgefönte Frisuren. Während die 60er und 70er einen einigermaßen einheitlichen Stil hervorbrachten, ging es in den 80ern wild durcheinander. Darum macht es besonders großen Spaß, sich die zahlreichen Modesünden dieses Jahrzehnts in Erinnerung zu rufen.

In den 80ern war die Welt (scheinbar) noch in Ordnung

Zwar gab es den Kalten Krieg und die Nachrüstung. Aber Arbeitslosigkeit, Aids, Nichtraucherschutz, Erderwärmung und was uns sonst heute so den Tag vermiest, war alles noch weitgehend unbekannt. Man muss sich nur mal einen Werbespot des Zigaretten-Herstellers Peter Stuyvesant aus den 80er Jahren anschauen – das wirkt wie eine Botschaft aus einer anderen Welt.

Die Kinder der 80er sitzen heute am Drücker

Mit ein Grund für die dauernden 80er-Jahre-Revival dürfte sein, dass Jugendliche, die in diesem Jahrzehnt sozialisiert wurden, heute zu den Entscheidungsträgern in den Medien zählen. Wer in den 80ern Jugendlicher war, ist heute zwischen 30 und 40 Jahre alt, Chefredakteur oder Ressortleiter und kann in Medien Themen setzen. Ein Alter, in dem man anfängt, gerne in Jugend-Erinnerungen zu schwelgen. Die 80er Jahre werden uns medial also noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

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