SWR: Neue Multimedia-Serie „Alpha 0.7“

Der Südwestrundfunk sprengt die Form der TV-Serie: Mit "Alpha 0.7" bringt der Sender einen Zukunfts-Thriller heraus, dessen Story gleichzeitig im Fernsehen, Radio und Internet erzählt wird. Während die erste Folge des TV-Sechsteilers ästhetisch nichts Neues bringt, überzeugt der Thriller als multimediales Projekt. Co-Autor Sebastian Büttner erklärt gegenüber Meedia, warum das öffentlich-rechtliche Experiment für ihn zugleich Achterbahn und Geisterbahn ist.

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"Alpha 0.7" ist kein Science Fiction, der eine ferne Zukunftsvision schildert: 2017 kommen in Stuttgart die EU-Innenminister zusammen, um über den weitreichenden Einsatz von Gehirn-Scannern zu entscheiden. Mit den Durchleuchtungsgeräten lässt sich feststellen, ob ein Mensch eine Straftat begehen wird, noch bevor dieser selbst sich darüber klar ist – für den Staat die Lösung aller Probleme der inneren Sicherheit.

Doch so einfach geht es nicht. Die Aktivistengruppe Apollon kämpft gegen die geplante Totalkontrolle durch den Überwachungsstaat, während die undurchsichtige Sicherheitsfirma Protecta Society hinter dem Tod und dem Verschwinden mehrerer Menschen zu stehen scheint. Die Geschichte verästelt und verzweigt sich auch in die verschiedenen medialen Kanäle. Bevor die erste Fernsehfolge das Thema präsentiert, haben die Geschehnisse im Internet bereits begonnen, mit Podcasts und allerlei Fragmenten, die die handelnden Figuren vorbereiten. In Radiohörspielen wird "Alpha 0.7" weiter vertieft. Eine Band namens crash:conspiracy schafft mit Live-Auftritten den Bogen zurück ins Jahr 2010.

Erarbeitet wurde das Format von dem jungen Autoren-Team Sebastian Büttner – Oliver Hohengarten ("112 – Sie retten dein Leben", RTL) und der
Produktionsfirma Zeitsprung (u. a. "Das Wunder von Lengede").

Meedia hat mit Co-Autor Büttner gesprochen.

Ist für Sie "Alpha 0.7" ein Experiment?
Ich empfinde das persönlich nicht wirklich als Experiment. Wir sind eine jüngere Generation von Erzählern und Mediennutzern. Für mich ist es ganz normal, Hypertextverbindungen zu folgen. Ich bin Mitte dreißig und nutze das Internet schon sehr lange. Dadurch verändert sich die Art und Weise, wie man sich einem Thema nähert. Wenn ich  fernsehe, recherchiere ich immer gleichzeitig bei Wikipedia. Ein Experiment ist ‚Alpha 0.7‘ aber insofern, als so etwas in diesem großen Rahmen im deutschen Fernsehen bisher nicht gemacht wurde.

Ist die multimediale Schilderung einer Geschichte die Zukunft, hat normales Fernsehen ausgedient?
Die verschiedenen Medien werden auch weiterhin friedlich nebeneinander existieren können. Aber ich glaube, dass diese multimedial erzählten Geschichten für den Zuschauer eine ganz neue Form des Abenteuers darstellen. Ich habe das als ‚Vergnügungspark‘ beschrieben: Wenn man fernsieht, ist das wie die Achterbahn, daneben steht aber noch eine Geisterbahn. Man kann Geschichten aus mehreren Perspektiven erzählen und hat damit ein viel breiteres Entertainment-Angebot.

Muss der Zuschauer sämtliche Kanäle zu kennen?
Man kann in jedem Medium einen Teil der Geschichte verfolgen. Das Fernsehen ist eingebettet in eine breite mediale Struktur. Vom Erzählerischen hat das Fernsehen einen großen Anteil, es ist ein Herzstück mit dem Radiohörspiel, allein weil hier der größte Teil der Geschichte im Stück läuft. Aber das ganze Bild ergeben erst alle Kanäle zusammen.

Wie wirkt sich die kurze Spielzeit von 25 Minuten pro TV-Folge aus?
Für die Erzählung ist das gut, man muss sehr viel sehr verdichtet erzählen, dadurch wird es schneller, dadurch auch jünger und amerikanischer. Im deutschen Fernsehen neigen viele dazu, zuviel erklären zu wollen. Aus der Angst, der Zuschauer würde es nicht mehr verstehen.

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