Kein Ende der Print-Todesspirale

Die Medienbranche weltweit hofft bei anziehender Konjunktur auf einen nachhaltigen Aufschwung für sich – und ist womöglich zu optimistisch. Für die USA stellt das renommierte Poynter Institute eine skeptische Prognose: Stagnierende Einnahmen, nur vorübergehende Spareffekte, Qualitätseinbußen und hohe Schulden gefährden eine Erholung. Viele der Argumente treffen auch für deutsche Verlage zu.

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Das Poynter Institute aus St. Peterburg in Florida ist mit der St. Petersburg Times verbunden und schon deshalb mit der Zeitungskrise der USA aus direkter Anschauung vertraut. Die Ausführungen des "Media Business Analyst" Rick Edmonds zur Lage der Branche sind von bemerkenswerter Offenheit. Sein Fazit, dem der Guardian-Medienkolumnist Roy Greenslade aus europäischer Perspektive zustimmt: Auch wenn viele Verlage wieder in der Gewinnzone sind, ist die Krise keineswegs ausgestanden.

Edmonds zählt sieben Argumente auf: 1. Die Werbeerlöse (über alle Mediengattungen betrachtet) fallen weiterhin, wenn auch nicht mehr so stark. 2. Wachsende Erlöse im Online-Sektor fangen die Verluste in allen anderen Bereichen bei weitem nicht auf. 3. Die Herstellungs-Kosten für Print steigen wieder. 4. Viele Sparmaßnahmen des Jahres 2009 – darunter Zwangs-Urlaube und Kurzarbeit – greifen nicht mehr. 5. Vertriebseinnahmen steigen nicht mehr, der Effekt von Preisanhebungen ist verpufft. 6. Die "Todesspirale" mit sinkenden Auflagen, Einnahmen und nachlassender Qualität des journalistischen Produkts setzt sich fort. 7. Die hohe Verschuldung vieler Verlage verhindert nötige Investitionen.

Eine nachhaltige Wende zum Positiven sieht Edwards nur dann, wenn das Wirtschaftswachstum sich noch einmal beschleunigt – eine recht vage Hoffnung.

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