iTunes: Jobs beendet die Beatles-Fehde

Musikalischer Schulterschluss: Seit Montag wurde spekuliert, jetzt steht es fest. Die Beatles und Apple haben ihren jahrzehntelangen Disput endgültig beendet. Alle Alben sind in iTunes verfügbar. Seit den Achtzigern lieferten sich beide immer wieder kostspielige Prozessorgien. Apple zahlte Millionen. Stein des Anstoßes: das Apple-Logo, das die Beatles für sich beanspruchen. Dabei braucht die Beatles-Plattenfirma EMI dringend Geld. Gläubiger und Schuldner streiten um die Vorherrschaft im Unternehmen.

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Bis heute Nachmittag ließ Apple seine Fans rätseln. In Großbuchstaben stand geschrieben: “Morgen ist ein ganz normaler Tag. Den Du nie vergessen wirst.” Und weiter: “Komm morgen vorbei und erlebe eine große Ankündigung von iTunes.” In der Tech-Szene wurde munter diskutiert. Ein Streaming-Service für iTunes? Jetzt steht fest: Apple beendet offiziell seine jahrelange Fehde mit den Beatles. Alle 13 original Studioalben der "Fab Four" sind ab sofort in iTunes verfügbar. Begleitet wird der Einzug in den digitalen Musikhandel mit vier Werbespots. Der Slogan: "The band, that changed everything. Now on iTunes."

EMI ist hoch verschuldet
EMI, musikalische Heimat der Beatles, kann die Mehreinnahmen gut gebrauchen. Immerhin ist iTunes der größte Musikhändler weltweit. Und EMI, ehemals einer der größten Musikkonzerne, ist hoch verschuldet und in der Hand einer Holdinggesellschaft. Begonnen hat das Drama im Juli 2007: Für rund vier Milliarden Pfund kaufte damals die von Guy Hands gegründete Finanzgruppe Terra Firma EMI. Doch der Brite kannte sich nicht aus im Musikgeschäft, nahm einen riesigen Kredit auf und lastet EMI die Schulden auf. Hands behauptet inzwischen, von der amerikanischen Großbank Citigroup getäuscht worden zu sein. Die hatte den Verkauf organisiert. Hands hat die Citigroup unterdessen verklagt. Mittlerweile kämpfen Schuldner und Gläubiger um die Vorherrschaft im Unternehmen.

Aber warum ist der Deal zwischen Apple und den Beatles eine so große Sache? Ganz einfach: Nach all den Jahren gehören die “Fab Four” noch immer zu den Cash Cows der Musikbranche. 2009 landeten sie auf Platz 3 der meistverkauften Alben in den USA. Und das ganze 39 Jahre nach ihrer Trennung. Die Beatles sind aber nicht die einzigen, die sich lange Zeit von iTunes fernhielten, wie das Wall Street Journal berichtet. Auch AC/DC, Bob Seger und Kid Rock würden den iTunes-Store meiden. Andere Top-Acts wie Metallica und Led Zeppelin haben erst vor Jahren nachgegeben.

Ende des 29-jährigen Kriegs
Warum hat das solange gedauert? Diese Frage dürften sich viele Beatles-Fans über die Jahre gestellt haben. Apple und die Beatles lieferten sich eine jahrzehntelange Fehde um Vermarktungsrechte. So stritten beide Seiten seit Beginn der Achtziger auch um den Namen Apple. Hintergrund des “Apfel-Kriegs”: Die Beatles wollten ihr Apfel-Logo und den Namen ihrer 1968 gegründeten Plattenfirma Apple Corps Ltd. schützen. Dort nahmen sie einige der bekanntesten Songs auf. Der fast seit Gründung von Apple schwelende Namensstreit war 1991 mit einem Kompromiss beigelegt worden. Apple verpflichtete sich seinerzeit, das Apfel-Logo nicht für Unternehmungen im Musikgeschäft einzusetzen. Der Konzern hatte für den Rechtsstreit angeblich rund 29 Millionen Dollar zur Seite gelegt.

Apple schwenkt die weiße Fahne
Und schon 1981 soll das Unternehmen den Beatles eine nicht genannte Summe gezahlt haben, um den Namen “Apple” überhaupt verwenden zu dürfen. Etliche Jahre später, genauer 2003, ging dann der iTunes-Store an den Start. Für die Beatles ein erneuter Verstoß gegen die Auflagen. 2006 entschied ein Gericht wiederum, dass das Apple-Logo nicht in Verbindung zu bringen sei mit dem Verkauf von Musik, sondern lediglich als Symbol für den Computerhersteller stehe. 2007 kündigten dann beide Seiten an, dass dem Computerhersteller alle Markenzeichen, die sich auf “Apple” beziehen, zufallen. Und dieser im Gegenzug einige Lizenzen zurückgibt an Apple Corp.

Eine endgültige Beilegung der Differenzen kommt aus rechtlicher Sicht beinahe schon dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gleich. Immerhin sind Apple und die Beatles in ihren Branchen absolute Großmächte. Kapituliert hätte nach all den Jahren keiner der beiden. Die groß angelegte Ankündigung mit der Aufschrift "Morgen ist ein ganz normaler Tag" wirkte trotzdem wie das weltweite Schwenken einer weiße Fahne.

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