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BamS-Chef Mayer bangt um seine Reporter

Die Lage für die vor Wochen im Iran festgenommenen Journalisten verschärft sich. Die Regierung wirft den beiden Reportern nun offiziell Spionage vor. Darauf stehen im Iran unter Umständen die Todesstrafe. Im Fernsehen wurden die beiden nun vorgeführt. Dort behaupten sie, angeblich von der Menschenrechtlerin Mina Ahadi hereingelegt worden zu sein und räumen Fehler ein. Die Aussagen sind allerdings umstritten. BamS-Chef Walter Mayer gab an, alles zu tun, um den Kollegen und ihren Angehörigen zu helfen.

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Für die beiden vor zwei Wochen im Iran inhaftierten deutschen Journalisten könnte sich die Situation verschlechtern. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstagmorgen vermeldete, wird gegen die Reporter offiziell der Vorwurf der Spionage erhoben. Der Justizchef der Provinz Ost-Aserbaidschan, Malekadschdar Scharifi, bestätigte den Vorwurf auf Anfrage der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. "Die Strafe für ein solches Vergehen kann zwischen drei Jahren Gefängnis und einem Todesurteil liegen", erklärte eine Sprecherin von "Reporter ohne Grenzen" auf Anfrage von MEEDIA. "Bei Ausländern fallen die Strafen jedoch etwas milder aus. Es kommt auf die Schwere des Vorwurfes an. Die Frage, ob es sich um politische oder militärisch Spionage handelt" Die festgenommenen Journalisten wurden am Montagabend im iranischen Fernsehen vorgeführt.

DJV fordert Freilassung
Angeblich räumten sie in dem TV-Auftritt ein, Fehler gemacht zu haben. Was sie genau gesagt haben, ist allerdings nicht überliefert. Eine Sprecherstimme überlagerte ihre Worte vollständig. Zum Hintergrund: Die Journalisten waren eingereist, um die Familie von Sakineh Mohammadi Aschtiani zu interviewen. Aschtiani war zuvor wegen Ehebruchs zur Steinigung verurteilt worden. Vor rund einem Monat wurden die Journalisten verhaftet. Die iranische Regierung wirft den beiden Männern vor, mit Touristenvisa eingereist zu sein und sich nicht sofort als Journalisten ausgegeben zu haben. Es handelt sich um einen Fotografen und einen Reporter, die für die Bild am Sonntag unterwegs waren. Walter Mayer, Chefredakteur der Bild am Sonntag dazu: "Seit über einem Monat bangen wir um zwei Reporter von Bild am Sonntag, die im Iran inhaftiert sind. Wir tun alles in unserer Macht stehende, um den Kollegen und ihren Angehörigen zu helfen. Zu ihrem Schutz werden wir uns zu weiteren Einzelheiten noch nicht äußern."

Laut Reuters machen die Gefangenen die in Deutschland lebende Sprecherin des Komitees gegen die Steinigung, Mina Ahadi, für ihre Inhaftierung verantwortlich. "Ich hatte keine Informationen über den Fall, aber Frau Ahadi wusste Bescheid und hat mich nach Iran geschickt, da meine Festnahme ihr zu Bekanntheit verhelfen sollte", soll einer der Deutschen gesagt haben. Die Worte des zweiten Gefangenen werden wie folgt übersetzt: "Ich gebe zu, dass ich einen Fehler gemacht habe, da ich keine Informationen über den Fall hatte und von Frau Ahadi ausgenutzt wurde."

Der Deutsche Journalisten-Verband hat seine Forderung nach sofortiger Freilassung der beiden deutschen Journalisten bekräftigt. Die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser nannte den Spionagevorwurf abstrus: "Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen ist keine Spionage, sondern notwendige Information." Kaiser forderte das Auswärtige Amt auf, seine Bemühungen um die Freilassung der beiden Kollegen zu verstärken. Die deutschen Journalisten dürften nicht für eine Tat bestraft werden, die sie nicht begangen hätten.

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