US-Community Path: das Anti-Facebook

In den USA ist ein neues soziales Netzwerk namens Path gestartet, das eine Art Anti-Facebook sein will. Statt, wie bei Facebook, möglichst viele Kontakte zu sammeln, beschränkt Path die Anzahl virtueller Kontakte auf 50. Nur echte Freunde und Familienangehörige sollen ins eigene Path-Netz aufgenommen werden. Hinter Path stehen ein ehemaliger Top-Manager von Facebook und der Napster-Gründer Shawn Fanning. Finanziert wird Path u.a. von Hollywood-Star und Twitter-König Ashton Kutcher.

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Path-Gründer Dave Morin war bei Facebook verantwortlich für das Einbinden von Apps von Drittanbietern – kein unwichtiger Job bei dem weltgrößten Social Network. Bei Path ließ er sich von den Ideen des Oxforder Evolutions-Psychologen Robin Dunbar inspirieren. Der vertritt die These, dass das menschliche Gehirn höchstens 150 soziale Kontakte gleichzeitig verarbeiten kann. Die Zahl wurde in der Evolutionspsychologie bekannt als “Dunbar’s Number”. Laut Dunbar besteht der Zirkel der engsten Freunde in der Regel aus ca. fünf Personen. Mit ungefähr 20 Personen pflege man regelmäßigen Kontakt, 50 Personen markiere normalerweise die äußere Grenze des persönlichen Umfeldes. Darum haben die Macher von Path diese Zahl als Grenze gewählt.

Morin und Fanning sagen aber auch, dass die Zahl 50 nicht in Stein gemeißelt sei. Sie können sich vorstellen, künftig die Zahl der möglichen Path-Kontakte zu erweitern aber niemals über “Dunbar’s Number” 150 hinaus. Die Beschränkung der Anzahl von Kontakten hat eine direkte Auswirkung auf den Charakter des Netzwerks. Bei Path gibt es kein Following und keine “Like”-Knopf wie bei Twitter oder Facebook. Alles, was bei Path veröffentlicht wird, steht automatisch dem ganzen Netzwerk zur Verfügung. Aber das ist im Prinzip ja auch Sinn der Sache, da das Path-Netzwerk ohnehin nur aus guten Bekannten, Verwandten und Freunden besteht. Auf diese Weise muss man sich auch automatisch keine Sorgen machen, dass zu persönliche Inhalte von den falschen Leuten gesehen werden und es besteht kein Grund zum digitalen Prahlhans zu mutieren.

Eine weitere Beschränkung bei Path ist, dass man zumindest derzeit nur Fotos veröffentlichen kann. Die Idee ist, dass Erinnerungen als Fotos mit guten Freunden und Verwandten geteilt werden. Später sollen eventuell Möglichkeiten dazukommen, auch Texte innerhalb von Path zu veröffentlichen. Kurz nach dem Start steht Path aktuell nur als iPhone-App zur Verfügung und das auch nur innerhalb der USA. Erweiterungen ins Web sowie für andere Smartphones und Länder sind geplant.

Path stellt die unendlichen Möglichkeiten des Internets auf den Kopf und versucht ein radikales “Weniger ist Mehr”-Prinzip: Weniger Kontakte, weniger Plattformen, weniger Veröffentlichungsmöglichkeiten. Der Ansatz hat eine Reihe äußerst prominenter Investoren überzeugt. Zu den Path-Investoren gehören der Hollywood-Schauspieler und Twitter-König Ashton Kutcher, die Silicon-Valley-Größen Ron Conway und Tim Drape, Salesforce-Chef Mark Benioff und Dustin Moskovitz. Der war ein Zimmer-Genosse von Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Harvard und gilt als einer derjenigen, die geholfen haben, Facebook zu entwickeln.

Path bietet einige interessante Ansätze und Ideen. Eine Vermarktung soll nicht über Werbung sondern über später hinzuzufügende Premium-Services erfolgen. Die Gretchen-Frage wird allerdings sein, ob Path genügend Menschen für sich begeistern kann. Denn nur wenn man seine ganzen Freunde und Verwandten auch wirklich bei Path findet, ergibt das Konzept Sinn. Und auch die Frage nach der Privatsphäre ist eine zweischneidige Sache. Path wirbt damit, dass man hier seine persönlichsten Bilder und Erinnerungen gefahrlos austauschen kann – es bekommen ja nur die engsten Freunde mit. Und eben die Macher von Path, auf deren Rechnern die ganzen persönlichen Daten gespeichert werden.

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