„Social Media: Das ist ein Puzzle“

Millionenfach ausgelieferte Streams, eine enge Bindung zwischen Publkum und Fernsehmachern: CNN macht im englischsprachigen Raum vor, wie Journalismus in Zeiten von Facebook und Co. noch besser funktionieren kann. Im Interview mit MEEDIA erklärt Katherine Greene, Programmchefin für das internationale Geschäft, wie wichtig Deutschland für CNN ist, warum Facebook kein Konkurrent, sondern eine Chance ist und wie sich mit Social Media für Medienunternehmen Geld verdienen lässt.

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Frau Greene, schauen Sie deutsche Nachrichten?
Leider viel zu wenig. Durch meinen turbulenten Beruf schaffe es nicht oft, meine Kollegen in Deutschland zu besuchen. Aber wenn ich es dann doch schaffe, schaue ich so viele deutsches Fernsehen, wie ich nur kann. Sie haben hier sehr gute Ideen, sind kreativ. Und es ist immer wieder interessant, zu beobachten, dass viele News, die hier auf lokaler Ebene stattfinden, Auswirkungen auf globaler Ebene haben.

Wie wichtig ist Deutschland für Ihr Geschäft?
Sehr wichtig. Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. In meinen Augen ist Deutschland ein Mekka für Fortschritt. Es spielt einen finanzielle, kulturelle, politische Rolle und ist deswegen für CNN eine bedeutende Location.

In Deutschland erkennen immer mehr Medienunternehmen das Potenzial von Social Media. Wie steht es darum bei CNN?
Social Media sind sehr interessant für uns. Das ist gerade eine sehr aufregende Zeit. Ich fühl mich ein wenig in die Zeit zurückversetzt, als der PC massentauglich wurde. Genau wie damals sind wir gerade im Begriff, zu lernen, wie diese neuen Werkzeuge funktionieren und wie wir damit arbeiten sollen. Das kann teilweise wirklich überwältigend sein. Es kann aber auch enorm wichtig sein, um an wichtige Informationen zu kommen und Neuigkeiten an unser Publikum heranzutragen.

Wir versuchen immer noch, diese Entwicklungen sinnvoll für uns zu nutzen. Das ist gar nicht so einfach. Schauen Sie sich an, wie viele Menschen twittern. Da wird es umso schwerer für jeden, die für ihn relevanten Informationen herauszufiltern. Deswegen haben wir beispielsweise ein Tool entwickelt, dass es uns ermöglicht, den CEOs dieser Welt zu folgen.

Haben Sie spezielle Facebook- und Twitter-Teams?

Nein. Facebook und Twitter mögen sich ändern. Für uns ist es in dem Fall wichtig, mit solchen Netzwerken arbeiten zu können und mit neuen Menschen in Kontakt treten zu können. Da gibt es User, die mögen Twitter und Menschen, die Facebook bevorzugen. Für diese Fans haben wir im Programm eigens eine Sendung namens “Backstory” eingerichtet. “Backstory” hat eine sehr enge Verbindung zwischen den Redakteuren und seinen rund 18.000 Facebook-Fans. Die nehmen im Laufe der Sendung sehr aktiv am Geschehen teil. Für uns als Fernsehmacher ist es auch ein sehr ungewöhnliches Projekt, da Fernsehen ja eigentlich dafür bekannt ist, nur in eine Richtung zu senden.

Sie haben vor einiger Zeit ein weiteres Format gelauncht, das in eine ähnliche Richtung geht: iReport.
iReport ist eine Webseite. Und eine Fernsehsendung. Das ist für unsere Zuschauer die Möglichkeit, aktiv an unserer Arbeit teilzunehmen und sie zu beeinflussen. User können Bilder und Videos hochladen, Geschehnisse kommentieren und Informationen an uns weitergeben. Das ist ganz klar eine News-Community. Bestehend aus Menschen, die sich sehr für Nachrichten interessieren. Gleichzeitig ist es ein großartiger Querschnitt durch verschiedenste Themen aus den Bereichen Politik, Religion und Kultur. Aus dem Content, der auf der Seite aufläuft, erstellen wir dann eine Show. Die Community wächst stetig. Die steigende Anzahl an Smartphones mit der Möglichkeit, mobil Bilder und Videos zu verschicken, werden das Projekt weiter nach vorne bringen.

Ihr ehemaliger Senderkollege Jonathan Klein (US-Senderchef CNN) sagte einmal im Interview, er sehe Facebook als Hauptkonkurrent. Teilen Sie seine Meinung?
Facebook ist nicht unbedingt ein Konkurrent. Tatsache ist jedoch, dass die Menschen eine Menge Zeit auf Seiten wie Facebook verbringen und Ihnen dabei ihre Aufmerksamkeit schenken. Anstatt beispielsweise fernzusehen. Facebook könnte hier ergänzend wirken. Viele Menschen schauen fern und sind nebenbei im Internet. Das ist eine neue Arena, die wir hier betreten.

CNN muss als Medienunternehmen nun einmal Geld verdienen. Facebook ist erst einmal nur ein Social Network. Wie wollen Sie mit Social Media Geld verdienen?
Das ist ein wichtiger Punkt. Das ist ein Puzzle. Ich glaube aber, dass sich im Selbstverständnis der Menschen eine Wendung vollzieht. Sie wollen durchaus für Content im Web bezahlen. Deswegen glaube ich, dass wir irgendwann aus dem Vertrieb über Social Media Geld verdienen könnten.

Haben Sie bestimmte Pläne?
Online warten so viele Möglichkeiten. Es wäre für uns ideal, in der Zukunft ein Produkt zu entwickeln, dass die Synergien aus TV und Web nutzt.

Ihr wohl erfolgreichstes Online-Projekt war das Livestreaming der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama.
Über 21 Millionen ausgelieferte Videostreams. Davon waren wir absolut überwältigt. Was aber das wirklich Großartige war, war die Möglichkeit, dass Menschen via Facebook tatsächlich daran teilnehmen konnten. Sie wurden ein Tei des Ganzen. Das war tatsächliche Interaktion.

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