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Memoiren: Bushs geborgte Erinnerungen

Ein Liebling der Presse war der ehemalige US-Präsident George W. Bush nie. Seine Memoiren “Decision Points” sollten das ändern. Doch nach dem durchchoreographierten Medienrummel wurde es schnell wieder still um ihn. Das ändert sich nun. Wie die HuffingtonPost herausgefunden hat, haben sich Bush und seine Ghostwriter in großen Teilen aus anderen Büchern und Zeitungsinterviews Wort für Wort bedient. Teilweise würden Ereignisse zitiert, an denen Bush gar nicht teilgenommen hat.

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Die Memoiren von George W. Bush wurden angekündigt wie ein Polit-Thriller zur Primetime. “Decision Points” sollte den Leser “an Bord der Air Force One” holen und tiefe Einblicke in die Momente kurz vor dem Einmarsch in den Irak bieten. Begleitet wurde der Buchstart von einem perfekt durchchoreographierten Werberummel. Jetzt mehren sich die Indizien dafür, dass Bush und seine Ghostwriter abgeschrieben haben sollen.

Aufgefallen war das zunächst der HuffingtonPost. Das Buch zitiere eine Andekdote aus der Amtseinführung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. Der soll in Kabul von einigen Warlords gefragt worden sein, wo seine Gefolgschaft sei. Karzai habe geantwortet, dass sie seine Gefolgschaft seien. Diese Szene ist – etwas ausführlicher – in dem Buch “The Mess in Afghanistan” von Amid Rashai in der New York Times erschienen. Warum ist das so verwerflich? Ganz einfach: Bush war bei der Amtseinführung Karzais gar nicht anwesend.

Beinahe 1:1 aus Generals-Memoiren kopiert
Für Bush ist das doppelt peinlich. Hatte er zuvor doch mehrfach beteuert, große Teile des Buchs selbst geschrieben zu haben. Gerüchte machen die Runde, dass sein Ghostwriter Peter Rough nicht nur in Archiven recherchiert, sondern auch kräftig gegoogelt hat. Auf Fragen von Journalisten bevor das Buch erschienen war, erklärte Bush: “Peter hat die vergangenen 18 Monate damit verbracht, sich durch Archive zu wühlen, das Internet zu durchsuchen und stapelweise Papiere zu durchforsten.”

Die HuffingtonPost wirft Bush nun vor, keine wirklichen Memoiren vorgelegt zu haben. Vielmehr sei es zu großen Teilen eine wortwörtliche Zusammentragung von Erinnerungsfetzen aus anderen Werken. Damit biete er keinerlei Einblick in seine damalige Sichtweise der Dinge. Als fast schon bitter ironisch entlarvt die HuffingtonPost frappierende Übereinstimmungen mit Büchern von Bob Woodward (Watergate-Affäre) und Robert Drapers “Dead Certain”.  Und das obwohl das Weiße Haus die Werke kurz nach ihrem Erscheinen als ungenau abstempelte.

Beinahe 1:1 taucht eine Passage aus den Memoiren von General Tommy Franks auch in Bushs “Decision Points” auf. Franks war als Kommandeur zuständig für die Planung und Durchführung der Invasion der US-Truppen im Irak. In “American Soldier” schreibt dieser: "’For example, if we have multiple, highly skilled Special Operations forces identifying targets for precision-guided munitions, we will need fewer conventional ground forces. That’s an important lesson learned from Afghanistan.‚ President Bush’s questions continued throughout the briefing…. Before the VTC ended, President Bush addressed us all. ‚We should remain optimistic that diplomacy and international pressure will succeed in disarming the regime.‚ … The President paused. ‚Protecting the security of the United States is my responsibility,‘ he continued. ‚But we cannot allow weapons of mass destruction to fall into the hands of terrorists.‘ He shook his head. ‚I will not allow that to happen.‚"

Bush selbst schrieb folgendes: "Tommy told the national security team that he was working to apply the same concept of a light footprint to Iraq… ‚If we have multiple, highly skilled Special Operations forces identifying targets for precision-guided munitions, we will need fewer conventional grounds forces,‘ he said. ‚That’s an important lesson learned from Afghanistan.‚ I had a lot of concerns. … I asked the team to keep working on the plan. ‚We should remain optimistic that diplomacy and international pressure will succeed in disarming the regime,‘ I said at the end of the meeting. ‚But we cannot allow weapons of mass destruction to fall into the hands of terrorists. I will not allow that to happen.‚"

Verlag dementiert Plagiatsvorwürfe
Damit nicht genug. Auch aus einem Zeitungsinterview mit Vizepräsident John McCain sollen sich Bushs Schreiber bedient haben. In der Washington Post hatte der 2007 behauptet: ‚I cannot guarantee success, but I can guarantee failure if we don’t adopt this new strategy.‚ In “Decision Points” wird McCain zitiert, als würde er sich mit Bush direkt unterhalten: "’I cannot guarantee success. But I can guarantee failure if we don’t adopt this new strategy.’"

Verantwortliche des Crown-Verlages streiten unterdessen ab, dass Bush etwas Unangebrachtes getan hätte. Die Übereinstimmungen zeugten vielmehr von der Genauigkeit seiner Memoiren.

Es stellt sich allerdings die Frage, inwiefern dieser Fauxpas noch für einen handfesten Skandal in den USA sorgen wird. Denn kurz nach dem Werbemarathon wurde es schnell wieder still um den Ex-Präsidenten. Für erneuten Medienrummel sorgte in anderen Teilen der Welt nur sein Bekenntnis zu einigen Foltermethoden. Im Buch erinnert sich Bush auf die Anfrage der CIA, ob sie Khalid Sheik Mohammed, einen angeblichen Anführer des Terroranschlags vom 11. September, der Wasserfolter unterziehen solle, geantwortet zu haben: „Verdammt noch mal, ja!“ Des Weiteren erklärte er, dass er die gleiche Entscheidung auch wieder treffen würde, um “Leben zu retten”.

"Decision Points" ist für 18,95 Euro im Handel erhältlich.

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