Gabor, Mathias und immer wieder Konstantin

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat in dieser Woche einen neuen Fan gefunden: Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart. Die beiden marschierten diese Woche rein thesenmäßig Seite an Seite durchs Handelsblatt und Horizont. Der Mobilfunkanbieter Base ruft einen Preis für Boulevardjournalisten ins Leben und der Irrsinn um Konstantin Neven DuMont geht immer noch weiter. Jetzt zerschießt der Verlags-Erbe ausgerechnet via Bild Köln die mühsam gefundene Sprachregelung seines Hauses.

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Der Titel-Themenschwerpunkt zu Paid Content (“Die Rückkehr zur Normalität”) Anfang der Woche hat dem Handelsblatt eine Menge Netz-Öffentlichkeit beschert. Ob sich Chefredakteur Gabor Steingart darüber sehr gefreut hat, weiß ich nicht. Man kann es aber bezweifeln. Ex-Handelsblatt-Redakteur und Jetzt-Medienberater Thomas Knüwer haute ihm und seiner Zeitung in einem langen Blog-Beitrag eine Menge an Ungereimtheiten um die Ohren. Inklusive dem Interview, das Steingart himself mit Axel Springers großem Vorsitzendem Mathias Döpfner ein bisschen nach der Devise “Zwei Stühle, eine Meinung” geführt hat. Das dazugehörige Bild, das zeigt, wie Steingart sich von Big D. die Welt erklären lässt, spricht für sich.

Zwei Tage später meldete sich Der Handelsblatt-Chef dann in der Fachzeitschrift Horizont selbst zu Wort. Und es wirkte fast, als habe er die Wort des Springer-Chefs schon sehr verinnerlicht. Genau wie Döpfner zuvor im Handelsblatt, forderte auch Steingart in der Horizont eine wahlweise Crossmedia- oder Multimedia-Reichweite genannte neue Reichweiten-Währung. Eine solche Multimedia-Reichweite ist freilich Nonsens-Schmonzens. Die letzte halbwegs harte Methode zur Messung von Medien-Reichweiten, Einzelverkauf und (eingeschränkt) Abos bei Print-Titeln, würde damit auch noch aufgeweicht zu Gunsten einer Lirum-, Larum-, Löffelstiel- Fantasy-Reichweite – das kann kein Werbetreibender und eigentlich auch kein Chefredakteur im Ernst wollen. Die Horizont gab dem ganzen Wortgeklingel dann noch eine ganz besondere Note, indem, absichtlich oder per Zufall, eine freche Anzeige des Handelsblatt-Konkurrenten Financial Times Deutschland direkt neben die Steingart’schen Erkenntnisse platziert wurde.

Jetzt haben auch die gerne mal übersehenen Boulevardmedien einen von der Industrie gestifteten Medienpreis. Der Handy-Billigheimer Base (gehört zu E-Plus) hat den Base Boulevard Award ins Leben gerufen. Verliehen wird der Preis passenderweise bei der Promi- und Journalisten-Sause “Movie meets Media” am 3. Dezember im Hamburger Hotel Atlantic Kempinski. Dabei gibt es die zwei Kategorien Bester Boulevard-Kolumnist und Beste Boulevard-Publikation (Tagespresse und wöchentliche Magazine). Abstimmen darf jeder im Internet, die Nominierten gibt es hier. Sehr praktisch: Die Preisträger können gleich von ihrer eigenen Preisverleihung berichten.

Konstantin und kein Ende. Die Kölner Posse um den mitteilungswütigen Verlags-Erben Konstantin Neven DuMont wird immer irrer. Gerade wollte das Zeitungshaus (Express, Kölner Stadt-Anzeiger, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Hamburger Morgenpost) Ruhe in die hochnotpeinliche Angelegenheit bringen, indem man Konstantin “freiwillig” in Dauer-Urlaub schickte. Das Kalkül: Als Urlauber müsste er seine Ämter als Vorstand und Herausgeber von Express und FR ruhen lassen. So wurde es am Donnerstag auch in leicht genervtem Tonfall vom Verlag kommuniziert, nachdem die Vogel-Strauß-Taktik offiziell gar nix zu sagen, nicht fruchtete. Jetzt macht Konstantin seinem Verlag schon wieder einen Strich durch die Rechnung. In Bild Köln, schärfster Konkurrent von DuMont in der Domstadt, verkündet er, dass er keineswegs gedenkt, seine Ämter ruhen zu lassen. KND wörtlich: “Die können mich nicht so einfach abschießen.”  Das klingt ganz und gar nicht nach einem guten Ende, sondern nach einer unguten Fortsetzung in der kommenden Woche.

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