Bambi: Was sich künftig noch ändern muss

Bei der diesjährigen Bambi-Verleihung versuchten die Organisatoren das bisherige Konzept aufzubrechen. Statt eines Moderators gab es eine Art Staffelübergabe, es wurde ein klangliches Gesamtkonzept entworfen und neue Kategorien hinzugefügt. Und man zeigte deutlich mehr Mut bei der Auswahl der Show-Elemente. Trotzdem gibt es noch einiges, was sich ändern müsste, soll die Bambi-Verleihung wieder zurück zu altem Glanz und zu einer wirklich gelungenen Unterhaltungs-Show werden.

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Stoppt den Kategorien-Wirrwarr!

Diesmal war es das “Unsere Erde”-Bambi und das “Integrations-Bambi”. Ein anderes mal war es das Bambi für “Courage”. Gefehlt haben diesmal ganz das Klassik-Bambi und das Bambi für den Schauspieler- oder die Schauspielerin International. Die Preis-Kategorien sind frei flottierend. Je nachdem halt, wen man zum Auszeichnen auf die Gästeliste bekommt. Dass sich die Auswahl der Preise eher nach der Verfügbarkeit der Auszuzeichnenden richtet, anstatt umgekehrt, dürfte mittlerweile auch unbedarften Zuschauern auffallen. Warum kein fester Stamm an Kategorien, bei dem die Auszeichnungen durchgezogen werden, egal ob der Preisträger kommt oder nicht, und eine Reihe von Sonder-Bambis, die sich von Jahr zu Jahr ändern können? Das wäre authentischer und nachvollziehbarer.

Weniger Betroffenheit, mehr Unterhaltung!

Charity ist gut und schön und richtig und wichtig. Von allem gibt es aber auch eine Überdosierung. Beim Bambi 2010 kippte der gute Zweck zeitweise in aufdringliche Betroffenheit. Bunte-Chefin Patricia Riekel würdigte ausführlich die “stillen Helfer”, dann kamen noch die Fürsprecher amputierter Kinder zu Wort, Orlando Bloom drückte für die armen Kinder aus Drittwelt-Ländern auf die Tränendrüse, Jane Goodall hatte ihr Herz an die armen Schimpansen verschenkt und sogar Komiker Michael Mittermeier brach eine Lanze für die armen, unterdrückten Komiker in Burma – kein Witz. Charity – ja bitte! Aber bitte auch nur in erträglicher Dosierung. Es geht nicht nur um die Weltenrettung, sondern auch um gute Unterhaltung.

Wenn Überraschungen, dann bitte echte!

Leider gar kein Höhepunkt war der “Überraschungs”-Bambi für “Sex and the City”-Darstellerin Sarah Jessica Parker. Im Gegenteil: Man wäre positiv überrascht gewesen, hätte sie keinen (!) Bambi erhalten. Dann hätten die Veranstalter mit der alten Regel, wenn US-Prominenz kommt, kriegt sie auch einen Preis, mal gebrochen. Stattdessen gab es geheuchelte Begeisterung bei Frau Parker und unbeholfenes laudatieren von Franziska van Almsick. Darauf kann man verzichten.

An die TV-Zuschauer denken!

Viele Leute im Saal fanden die Bambi-Verleihung amüsant und gelungen. Am heimischen TV-Bildschirm kam davon kaum etwas rüber. Die Musik-Auftritte von Beth Ditto, Shakira und der britischen Band Hurts waren gut gewählt und mitreißend. Die Bildregie zeigte aber stets nur gelangweilt dreinschauende Promis und Entscheidungsträger aus Politik und Medien. Die Bilder der müden Augen und miesepetrig dreinschauenden Großkopferten könnte man zu einer vernichtenden Bild-Collage zusammenmontieren.  Wenn der Funke im Saal besser überspringt als daheim vor dem Fernseher, hat die Bildregie etwas falsch gemacht. Normalerweise ist es nämlich umgekehrt.

Selbstironie muss her!

Was dem Bambi vor allem anderen dringend fehlt, ist ein Hauch von Selbstironie. Während sich der Oscar ständig über sich selbst, die Academy und die Hollywood-Meschpoke lustig macht, ist die Bambi-Clique erstarrt in Ehrfurcht vor der selbst herbeigeredeten, eigenen Bedeutung. Warum nicht mal ein Witzchen über das immergleiche Bambi-Personal (Lagerfeld, Uschi Glas, Maffay, Maximilian Schell und Konsorten)? Warum nicht ein Scherz über die nächste frei erfundene Kategorie? Man sollte sein Publikum nicht mit zuviel Bierernst behelligen. Außerdem: Wer den Mut hat, sich über sich selbst lustig zu machen, zeigt Größe und Souveränität.

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