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„Ich habe einen Hang zu Alphatieren“

Matze Knop hat viele Gesichter: Der Comedian schlüpft regelmäßig für TV und Internet in die Rollen von Franz Beckenbauer, Dieter Bohlen & Co. Dabei ist der 35-Jährige, der mit "Supa Richie" bekannt wurde, gelernter Hörfunkjournalist. Als Buchautor gibt Knop seit Neuestem auch Tipps zur "erfolgreichen Berufswahl". Im MEEDIA-Interview verrät er, warum man lieber Politesse anstatt Journalistin werden sollte, welchen Chefredakteur er nachäffen würde und ob er sich eine Rückkehr zum Radio vorstellen kann.

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Wenn man Journalistin als Traumberuf hat, sollte man Ihrer Meinung nach die sichere Variante wählen und Politesse werden. Wo ist der Zusammenhang?
Beide Berufe haben etwas mit Schreiben zu tun. Als Politesse verfasst man überwiegend kurze, prägnante Sätze und verdient womöglich auch mehr Geld pro Zeile, als als Journalist. Ich weiß gar nicht, ob die Politessen auch in den Verdienst von Blitzanlagen involviert sind. Wenn das so ist, verdienen sie da für ein Foto ebenfalls mehr als ein Journalist. Das lohnt sich dann schon.
In Ihrem neuen Buch "Wer ich bin – und das sind viele" geben Sie nicht nur solche Tipps zur Berufswahl, sondern analysieren auch das Erfolgsrezept von Promis wie Jürgen Klinsmann, Daniela Katzenberger oder Victoria Beckham. War es schwer, Comedy zu Papier zu bringen, wenn man sie sonst nur für den Bildschirm macht?
Jein. Der Grundtenor meines Buches ist ja nicht nur Comedy, sondern auch ernst. Der Arbeitstitel war "Der kopierte Erfolg". Es geht darum, was man von den Personen lernen kann, die ich parodiere – von Franz Beckenbauer bis Cristiano Ronaldo. Aber auch Daniela Katzenberger, Paris Hilton und Britney Spears kommen in dem Buch vor. Es gibt immer einen Grund, warum diese Personen Erfolg haben. Das habe ich analysiert und aufgeschrieben, wie bestimmte Berufsgruppen das für sich umsetzen können.
Verraten Sie mir Ihr Erfolgsrezept?
Das setzt sich ja meistens aus verschiedenen Sachen zusammen. Ein gewisses Talent mitzubringen, ist nie verkehrt, wobei man das von sich immer schlecht einschätzen kann. Fleiß und Disziplin gehört auch dazu, was man von einem Comedian wie mir sicher nicht erwarten würde. Es soll ja so aussehen, als würde mir das alles leicht von der Hand gehen. Die Leute sollen sich gut unterhalten fühlen. Man muss aber auch stets an sich arbeiten. Mittlerweile habe ich einen gewissen Blick für andere Personen und ihre Eigenarten und kann das auch recht schnell umsetzen.
Sind Ihre Parodien auch als Medienkritik zu verstehen?
Dass unsere Medien durchaus auch mal kritikwürdig sind, finde ich zwar schon, aber was meine Figuren angeht, trifft das nicht zu. Viele Leute sitzen in meinem Programm und erwarten, dass ich auch mal etwas Sozialkritisches und Gesellschaftskritisches bringe oder etwas hinterfrage. Nicht, dass ich das privat nicht auch tun würde, aber das ist nicht meine Intention. Meine Zuschauer wollen unterhalten und abgelenkt werden von ihren Problemen. Das ist mein Job. Wenn Sie Spaß und Freude an meinem Programm haben, dann habe ich das erreicht, was ich wollte.
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Sie sind ausgebildeter Hörfunkjournalist. Über eine Comedy-Sendung wurden Sie bekannt als "Supa Richie".
Das war natürlich sehr gesellschaftskritisch, das war auch eine ganz klare Kritik an den Medien – nein, natürlich nicht. Das war eher eine Blödsinnsaktion. Ich hab relativ schnell während meiner Ausbildung beim Radio gemerkt, wo ich vom Kulturausschuss bis zur Lokalpolitik über fast alles berichtet habe, dass ich ein Faible für humorvolle Sachen habe. "Supa Richie" war dann eine Figur, die bei einer Radio-Comedy aufgetaucht ist. Ich hatte sie aus drei Personen aus meinem Umfeld zusammengesetzt. Am Anfang war es nur so eine Parodie, die sich dann verselbständigte mit eigenem Charakter und eigene Sprache. Das hat damals den Zeitgeist getroffen, die Figur war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich hatte als "Supa Richie" auch immer die Kappe und die Brille auf, vielleicht war das auch eine unbewusste Wahl, weil ich dachte, wenn das nichts wird, kann ich auch immer noch als Journalist arbeiten.
Wenn Sie sagen, dass "Supa Richie" damals den Zeitgeist getroffen hat. Wie sähe eine solche Figur heute aus?
Wenn ich das wüsste, gäbe es die Figur schon. Es war nicht geplant, dass ich mit "Supa Richie" berühmt werde. Es gab Leute, die fanden das toll, dann aber auch solche, die mich dafür sehr kritisiert haben. Diese ambivalente Reaktion hat mir gezeigt, dass die Figur irgendwas hat.
Arbeiten Sie an einer neuen Figur à la Richie?
Man arbeitet immer an irgendwelchen Figuren. Wenn mir irgendwer vor drei Jahren gesagt hätte, dass die Katzenberger mal groß rauskommt, dann hätte da niemand wirklich dran geglaubt. Man kann so etwas nicht planen, obwohl man das immer versucht. Es ist aber eher so, dass ich die Personen danach aussuche, an denen ich Spaß habe.
Wann ist eine Figur parodierbar?
Sie muss mich persönlich ansprechen, in welcher Form auch immer. Es gibt natürlich auch Leute, die in den Medien sehr plakativ dargestellt werden, die mich aber trotzdem nicht interessieren. Ich denke schon – daher heißt mein Programm auch "Operation Testosteron" – dass ich so einen Hang zu gewissen Alphatieren habe, was die Parodien angeht…
…worunter vor allem Männer sind.
Ja, das stimmt. Für das Buch habe ich auch mal Lady Gaga gemacht, wobei die ja auch aufgrund ihrer Extrovertiertheit theoretisch alles sein könnte. Frauen zu parodieren, ist durchaus machbar, aber es wirkt schnell tuntig. Ich will nicht ausschließen, dass ich das noch einmal mache, aber es ist nicht so, dass ich zwanghaft nach einer Frau suche, die ich parodieren will.
Gibt es eine Figur im Journalismus, die in Ihren Augen auch eine Parodie wert wäre?
Helmut Markwort wäre so eine Figur, die man machen könnte. Alice Schwarzer wäre sicher auch interessant.
Wenn ich Sie parodieren müsste, worauf sollte ich achten?
Man könnte mich aufgrund meiner dunklen Augenbrauen mit Sicherheit gut parodieren. Auch die Haare – meinen lippischen Plattkopf, wie mir mal jemand in der Grundschule bescheinigte – würde man gut hinbekommen. Ich habe beim Fußball auch so einen bestimmten Laufstil: schlaksig, aber doch flink in manchen Bewegungen. Das sieht echt scheiße aus. Man könnte mich als Galopper des Jahres küren.
Wie würden Sie das finden, wenn Sie jemand parodieren würde?
Ich glaube, ich fände das erstmal komisch. Deswegen kann ich auch nachvollziehen, dass diejenigen, die ich parodiere, am Anfang skeptisch sind. Man bekommt dadurch ja sein eigenes Spiegelbild vorgehalten. Andererseits bedeutet die Parodie auch eine Ehre, weil es bedeutet, dass man auch einen gewissen Status erreicht hat, und das ist ja wiederum was Positives.
Sie sind bei "Wetten, dass..?" als Luca Toni eingeladen worden, nicht als Matze Knop. Ehrt Sie das? Oder sind Sie enttäuscht, weil die Person hinter der Figur nicht in den Vordergrund tritt?
Darüber macht man sich schon Gedanken. Ich muss aber sagen, dass ich das gar nicht so schlimm finde. Es bin letztlich ja ich. Die Fähigkeit, Leute zum lachen zu bringen, hat in dem Moment nicht Luca Toni, sondern Matze Knop. Ich bin es, der die Figur so authentisch und echt darstellen kann. Das ist das, wofür ich stehe. Bei "Supa Richie" ist es genau so. Die Leute denken, dass sie mich darauf nicht mehr ansprechen dürfen. Aber durch diese Figur haben sich mir viele Türen geöffnet. Wenn es sie nicht gegeben hätte, dann wäre ich heute vielleicht nicht hier. Deswegen kann man mich darauf auch jederzeit ansprechen. Und so sehe ich das mit den anderen Rollen auch. Ich finde es natürlich auch cool, wenn ich als Matze eingeladen werde. Es hat immer Vor- und Nachteile, in einer Rolle zu sein. Einerseits lebt man die Rolle aus, andererseits ist man aber auch darin gefangen
Ist es für Sie ausgeschlossen, noch einmal als Journalist zu arbeiten?
Ich schließe nichts aus, man soll ja nie nie sagen. Ich hatte eine gute Zeit als Journalist. Auch wenn ich die Berichte über den Kulturausschuss etwas öde fand, aber so eine Sparkassen-Eröffnung oder einen Kaninchenzüchterverein aus der Nähe zu sehen, hat ja auch was Schönes. 

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