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Ein Phantom-Vorstand im Dauer-Urlaub

Die Affäre um Konstantin Neven DuMont nähert sich ihrem Ende. Offiziell wurde der Verlagserbe heute “auf eigenen Wunsch” auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Er selbst sagte, er wolle nun eine kreative Auszeit nehmen. Seine Ämter als Vorstand und Herausgeber behält er allerdings offiziell. Wahrnehmen kann er seine Ämter aus dem Dauer-Urlaub heraus aber nicht. Wer seine Aufgaben im Verlags-Vorstand während seines Urlaubs wahrnimmt, ist unklar, für den Verlag aber wohl auch nicht so entscheidend.

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Zunächst sorgte Konstantin Neven DuMont in der ihm eigenen Art via Facebook für Verwirrung, als er erste Meldungen über seine Beurlaubung und Niederlegung der Ämter dementierte. Und es stimmt ja auch. Bei DuMont hat man eine so widersprüchliche und wachsweiche Kommunikationsformel gefunden, dass sie alles und gar nichts besagt.  Allein diese Wortwahl ist ein Widerspruch in sich. “Beurlaubt” wird man normalerweise nicht auf “eigenen Wunsch”, eine Beurlaubung ist in der Regel eine Disziplinarmaßnahme. Hauptsache der Junior ist erstmal weg, dürfte die Devise gelautet haben. Sein Vater habe seine Entscheidung akzeptiert, sagte Konstantin gegenüber Spiegel Online, "wir haben beide jetzt ein gutes Verhältnis. Das ist das Wichtigste."

Werfen wir einen Blick auf die Chronologie der unrühmlichen Ereignisse: Los ging alles mit einem Blog-Beitrag von Stefan Niggemeier, in dem dieser über zahlreiche wirre Kommentare unter vielen Pseudonymen berichtete, die alle offenbar von dem Rechner und der Mail-Adresse Konstantin Neven DuMonts stammten. DuMont bestritt, Urheber dieser Kommentare zu sein. Gegenüber MEEDIA sagte er am 18. Oktober: “Ich habe noch nie anonyme Kommentare gepostet, weder bei Stefan Niggemeier noch sonst irgendwo.”

Weil die Kommentare mit Lästereien über die Konkurrenz und Geschäftspartner teilweise geschäftsschädigend für DuMont waren, äußerte sich einen Tag später der kaufmännische DuMont-Vorstand Eberhard Klein in einer schmallippigen Stellungnahme: "Der Vorwurf, Konstantin Neven DuMont habe persönlich anonyme Kommentare gepostet, ist haltlos." Warum der Vorstand der Meinung ist, die Vorwürfe seien haltlos, blieb ungeklärt.

Hinter den Kulissen versuchte das Sekretariat von Konstantin Neven DuMont am 19. Oktober auf Stefan Niggemeier einzuwirken, dass er doch bitte die ganzen Kommentare, die angeblich nicht von DuMont stammen, löschen möge, was Niggemeier nicht tat. Im Spiegel erschien daraufhin eine merkwürdige Geschichte, in der Konstantin indirekt so zitiert wurde, dass er darüber nachdenke, den Vorstand des Hauses zu verlassen. Er sei letztlich "doch mehr auf der kreativen Seite" zu Hause, nicht so sehr "Verwalter". Die Idee, dass er in den Aufsichtsrat wechselt, finde er mittlerweile reizvoll, sagte er. In der Branche wurde dies als Reaktion auf die Blog-Affäre gelesen. Kurz darauf, am 22. Oktober, schrieb Neven DuMont auf seinem Facebook-Profil: “Laut Vorstandsbeschluss darf ich mich über eine sehr skurrile Geschichte zur Zeit nicht äußern. Dennoch werde ich diese Angelegenheit nicht auf mir sitzen lassen.” Wieder war alles unklar.

Es wurde immer skurriler. Eine klärende Mitteilung aus dem Verlag, die erwartet wurde, kam nie. Bezeichnend für die seltsame kommunikative Gemengelage ist, dass der Spiegel schrieb, Firmen-Patriarch Alfred Neven DuMont habe zu der ganzen Angelegenheit lediglich gesagt, es handle sich um “Gerüchte”, die er nicht kenne. Die ganze Medienbranche diskutiert den Geisteszustand seines Sohnes und DuMont senior hat nichts davon mitbekommen? Schwer zu glauben.

Ausgerechnet in der Kölner Ausgabe der Bild-Zeitung, dem schärfsten Konkurrenten des Hauses DuMont vor Ort, gab der Junior dann ein Interview, in dem er kundtat:  “Ich lasse mich nicht so einfach abschießen.”

“KND”, wie er in seinen Kreisen gerne genannt wird, strickte mittlerweile bei Facebook an Verschwörungstheorien. Anlass war der Artikel “Im Namen des Vaters”, den Marc Felix Serrao in der Süddeutschen veröffentlicht hatte. Serrao empfahl in dem Artikel Alfred Neven DuMont, seinen Sohn aus der Verantwortung zu nehmen. KND wittert Dunkelmänner, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Er schrieb bei Facebook: “Zunächst müsste recherchiert werden, wer sonst noch hinter Serraos Beitrag stehen könnte. In diesem Zusammenhang ist mir immer noch nicht schlussendlich klar, wer mir eigentlich an den Karren pinkeln will. Ich habe die Vermutung, dass da noch andere Personen außer Serrao beteiligt sind. Meine Recherchen weisen bereits in verschiedene Richtungen.”

Der Artikel beschäftigte ihn weiter. Anfang November verfasste er eine Mail an die Süddeutsche Zeitung, in der Konstantin Neven DuMont festhielt: “Jetzt bleibe ich erstmal im Vorstand.” Kreative Rückzugspläne schienen wieder ad acta gelegt. Kurz darauf veröffentlichte KND noch einen Gastbeitrag für die Medienkolumne Altpapier, in der er wieder ausführlich auf seine eigene Person einging. Nun folgte, einen Tag vor seinem Geburtstag am 11.11., die angeblich selbst gewünschte Beurlaubung aus dem Vorstand.

Die Lücke, die Konstantin Neven DuMont im Vorstand hinterlässt dürfte operativ nicht zu groß ausfallen. Für das journalistische Geschäft ist ohnehin schon Vorstandsmitglied Franz Sommerfeld zuständig. Der Stammhalter bleibt nominell im Vorstand. Die Familien-Ehre der DuMonts ist zumindest vordergründig wieder hergestellt. Wenigstens so lange, bis sich der mitteilungsbedürftige Konstantin aus seinem Dauer-Urlaub zu Wort meldet.

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