Axel Springer: Börse reagiert enttäuscht

So ist das Leben an den Aktienmärkten: Da werden beeindruckende Gewinnsteigerungen vorgelegt und die Börse goutiert es mit kräftigen Kursabschlägen. Widerfahren ist dieses scheinbare Paradoxon nun auch dem größten Zeitungsverlag Europas: Axel Springer veröffentlichte heute vor Handelseröffnung ein starkes Quartalsergebnis, 9-Monatszahlen auf Rekordniveau und die Aussicht auf weitere Ergebnissteigerungen 2011. Trotzdem schickten Aktionäre das Papier in der Spitze um 7 Prozent nach unten!

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So ist das Leben an den Aktienmärkten: Da werden beeindruckende Gewinnsteigerungen vorgelegt und die Börse goutiert es mit kräftigen Kursabschlägen. Widerfahren ist dieses scheinbare Paradoxon nun auch dem größten Zeitungsverlag Europas: Axel Springer veröffentlichte heute vor Handelseröffnung ein starkes Quartalsergebnis, 9-Monatszahlen auf Rekordniveau und die Aussicht auf weitere Ergebnissteigerungen 2011.  Trotzdem schickten Aktionäre das Papier in der Spitze um 7 Prozent nach unten!

Es waren nicht die besten 90 Minuten der Springer-Aktie: Bei 101,30 Euro blieb das Papier heute Morgen um 10.30 Uhr nur knapp vor der psychologisch wichtigen 100-Euro-Marke stehen. Wer gestern noch zu Jahreshochs bei knapp 110 Euro eingestiegen war, lag keine 24 Stunden später plötzlich mit mehr als 8 Prozent hinten!

Was war passiert? Nicht weniger als Rekordzahlen. Im abgelaufenen Dreimonatszeitraum von Juli bis September fuhr Axel Springer den Nettogewinn von 79,4 Millionen Euro ein – ein sattes Plus von 64 Prozent. Auf 9-Monatssicht zog das bereinigte Nettoergebnis sogar um 80 Prozent auf 240 Millionen Euro an, während die Erlöse um 10 Prozent zulegten. Das bereinigte Ergebnis je Aktie schoss vom Vorjahreswert von EUR 4,02 auf 7,43 Euro in die Höhe.

Sell on the News: Gute Zahlen, schlechte Kurse

Angesichts des saisonal starken vierten Quartals, das noch in der 2010er Konzernbilanz aussteht, erscheint im laufenden Geschäftsjahr ein Konzernergebnis von mehr als 10 Euro je Anteilsschein nun in greifbarer Nähe. Damit würde die Springer-Aktie in diesen Tagen mit der moderaten Bewertung eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von 10 bis 11 den Besitzer wechseln – teuer ist das nicht.

Wieso fällt die Springer-Aktie dann trotzdem nach dem überzeugenden Zahlenwerk zur Stunde um mehr als 5 Prozent auf 103 Euro zurück? An den Aktienmärkten muss in solchen Fällen gerne das Phänomen des "Sell on the News" herhalten: Die guten Ergebnisse waren im Vorfeld erwartet worden und hatten die Aktie seit Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen im August in der Spitze um 22 Prozent steigen lassen. Nun ist die Erwartung in Form des guten Quartalsergebnisses eingetroffen und Anleger nehmen Gewinne mit – Börsianer sprechen vom "fait accompli", der vollendeten Tatsache.

Keine Upgrades: Analysten behalten ihre Einschätzungen bei

Doch auf den zweiten Blick ist da vielleicht noch mehr. Die Analysteneinschätzungen, die nach Quartalsveröffentlichungen üblicherweise neu formuliert werden, wurden nicht angehoben. Dirk Voigtländer von der Commerzbank beließ sein Kursziel etwa bei 110 Euro – der Kursnotierung von gestern – und schrieb in einer Kursstudie, die Unternehmenszahlen seien im Rahmen seiner Erwartungen ausgefallen und hätten lediglich die durchschnittlichen Marktprognosen getroffen.

Die Equinet Bank sieht die Springer-Aktie langfristig immerhin bei 127 Euro, hob ihr Kursziel indes ebenfalls nicht an. Analyst Martin Possienke erklärte in seiner Kurseinschätzung, die Ergebnisse seien gut, aber nicht perfekt. Der Volkswirt zeigte sich vielmehr über die Entwicklung der Werbeumsätze in den traditionellen Konzernsparten enttäuscht.

Döpfner reagiert gelassen auf die Kursabschläge

Axel Springer-Vorstand Mathias Döpfner selbst reagierte im Conference Call am Vormittag gelassen auf die deutlichen Kursabschläge. Auf die Frage eines Reuters-Journalisten, ob die volatilen Kursausschläge im Zusammenhang mit dem neuen MDax-Listing stehen könnten, erklärt der 47-Jährige, er sehe den Zusammenhang nicht, die Handelsumsätze hätten sich seit der Aufnahme in den deutschen Nebenwerte-Index vervielfacht.  "Langfristig werden Anleger von dem Schritt profitieren", erklärte Döpfner.

Angesichts der deutlichen Kurszuwächse seit Jahresbeginn kann Döpfner tatsächlich entsprechend gelassen reagieren: Seit Januar liegt die Springer-Aktie immer noch um 37 Prozent vorne – und hat den Nebenwerte-Index MDax (Plus 25 Prozent) damit deutlich hinter sich gelassen.

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