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„X Factor“: Final Countdown für „Big Soul“

In der ersten deutschen Staffel der international erfolgreichen Casting-Show “X Factor“ fand Vox die Antwort auf die Frage: Wie reduziert man 19.000 Bewerber auf zwei Finalisten mit insgesamt fünf Personen? Im Finale heute Abend steht die Hamburger Gruppe “Big Soul“ der Schweizerin und Wahl-Kölnerin Edita Abdieski gegenüber. Mit dabei: Shakira und Xavier Naidoo. Der Gewinner erhält einen Vertrag von Sony Music. Im MEEDIA-Interview mit Christopher Lesko wirkte Nadine (Big Soul) entspannt.

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“Beliebt gegen beleibt“ titelt sensibel das Schweizer Portal “20 minuten Online“ und beschreibt den finalen Wettbewerb der Schweizerin Edita Abdieski  mit der Hamburger Gruppe “Big Soul“: “Die beliebte Schweizerin tritt im Finale gegen das beleibte Quartett Big Soul an. Kann sich die talentierte Schweizerin gegen den gewaltigen Sympathie-Bonus des Übergewichts-Quartetts durchsetzen?“.
Gemeint sind die Mitglieder der Gruppe “Big Soul“: Nadine, 28, Alexandra, 32, Michelle, 35, und Martina, 32, die stimmgewaltig zwischen Gospel und Soul jonglieren und in ihren Auftritten Spuren jener Atmosphäre transportieren, welche man aus amerikanischen Kirchen kennt: Viel Stimme, viel Gefühl und bei allem ein wenig “Praise the Lord“. Obwohl es beispielsweise in Deutschland eine ganze Reihe vocal und musikalisch hervorragender Gospel-Chöre gibt, haben Frauen außerhalb visueller Mainstream-Maße es selten so sehr ins Zentrum der Öffentlichkeit geschafft wie die Finalistinnen von “X Factor“ – nimmt man einmal von einem Quervergleich mit der sensationellen Sängerin Joy Fleming Abstand.
Vielleicht sind “Big Soul“ auch deshalb Sympathieträger, weil sie – weitab von standardisierten Hochglanz-Abziehbildern – Facetten von Normalem repräsentieren: Vier pfundige Frauen mit pfundigen Stimmen, die sich in einer Hamburger Karaoke-Bar begegneten und dabei feststellten, dass sie auch singen können. Beim Schauen von “DSDS“ fiel die Entscheidung, eine Band zu gründen. Vier Frauen als Gegenmodell zu Heidi Klums kachektischen Kleiderständern. Frauen, die auch jenen Zuschauern Identifikationsfläche bieten, deren Selbstbilder nicht das zeichnen können, was Top-Models vorleben. So Erfolg zu verwirklichen, erzählt für manche eben einfach auch eine gute Geschichte.
Auch Edita Abdieski hat eine hervorragende Stimme. Die Kölner Kellnerin mit Schweizer Wurzeln, die ohne Hürden bis ins Finale vordrang, gehört musikalisch sicher zu den besten weiblichen Stimmen der Geschichte von Casting – Shows und hat zweifelsfrei den Sieg ebenso verdient, wie “Big Soul“.
Drei Titel werden von den Konkurrenten im Finale gesungen. Den letzten Titel bildet der zukünftige Siegertitel der Staffel: "I’ve Come To Life", der  von beiden Finalisten gesungen wird.
Die 25-jährige Bernerin Edita Abdieski wird als Einzelsong den Titel“ Run“ von Leona Lewis  singen. Lewis ist selbst durch “X Factor“ zum Star geworden. Sie legt damit die Latte außerordentlich hoch. Leona Lewis ist Benchmark, und der Song bietet wirklich die ganz große Bühne für Emotion und herausragende musikalische Fähigkeiten. Man kann “Run“ eigentlich nicht besser singen als Leona Lewis: Abdieski misst sich hier an einem Peak der allerersten Liga.
Starten wird die Frau mit der großen Stimme, die innerhalb des Duos“ Vanessaedita“, bereits eine CD mit Songs in Schweizer Mundart veröffentlichte, in der gemeinsamen Performance mit Xavier Naidoo und seinem Titel “Wo willst Du hin“. Auch, wenn dieser Song nicht ganz die große, emotionale Bühne des Lewis-Titels bietet, zeichnet er in Naidoo-spezifischer Art eine Mischung aus lakonisch-leiser Emotion und einem besonderen Gefühl für Rhythmus.
“Big Soul“ starten ihr Finale im gemeinsamen Auftritt mit einer Großen: Shakira unterstützt die Mädels bei der Präsentation des Titels “Underneath Your Clothe“. Wer jemals Shakira mit ihren Akustik-Gitarristen diesen Titel hat singen hören, weiß: Auch hier wird qualitativ ein echter Pflock gesetzt.
Als Solo-Titel singt das Quartett den Dionne Warwick – Song:  “That’s What Friends Are For“. Auch dieser Titel ist gut gewählt: Er passt nicht nur zum Stil der Gruppe, sondern auch zur Idee, dass Freundschaft und Big Soul als Ganzes mehr sein können, als die Summe seiner Teile.
So darf man gespannt sein auf alle Final-Auftritte und zu recht wirklich gute Musik von guten Künstlern erwarten. Beide Finalisten passen übrigens überraschend gut zu dem, was George Glueck und Till Brönner als Mentoren ausstrahlen, und so treten im Finale zwei in sich stimmige, unterschiedliche Gesamtpakete gegeneinander an.

“X Factor“ – Format mit Format

Mit “Das Supertalent“ hat die Vox-Mutter RTL derzeit das quotentechnisch erfolgreichste Casting-Format, und dies wird bis zum Start von DSDS auch so bleiben. Auch “Das Supertalent“ ist über die Jahre erwachsener geworden. Insbesondere die Breite beachtlicher, guter Talente ist in allen Genres deutlich gewachsen. Die Jury ist eingeschwungener, dennoch bietet sie gerade dadurch festere Polarisierung und weniger Überraschungen. Produktionstechnische Nachbesserungen, die Lebendigkeit erzeugen sollen, wirken ein wenig zu bemüht: Etwa, wenn Sylvie van der Vaart als Karatekämpferin einen Ytong-Stein mit ihrer Faust zerbröseln will und Hinterhof-Kameras den Einsatz des Notarzt-Wagens so dokumentieren, wie ein beschwingter Spiegel TV-Reporter eine Reportage über Kräuterheilwanderungen in der Lausitz. Auch die Unterbrechungen von Talent-Präsentationen vor der Jury – wieder und wieder- durch “Bleach Bypass – SlowMo-Sequenzen“ nerven: Der Effekt wird zum Eigentlichen statt zur Pointierung und und wirkt so, als wären einem Maler bei der Veredelung seines Bildes Farbtopf und Pinsel ausgerutscht.
Auf diese bemühten Elemente verzichtete “X Factor“ ebenso, wie auf zwiespältige, humoristische Karikaturen: So blieben den Zuschauern des Vox-Wettsingens Scherze erspart, wie in der vorletzten “Das Supertalent“ – Folge: Ein intellektuell und sozial eher unbeweglicher Bahnschaffner, der die Krone des Supertalents mit auswendigem Aufsagen von Zugansagen zu erobern hoffte, wurde erst vom Moderatoren Daniel Hartwich Maß genommen und dann von Jury und Publikum zerbröselt. Als der Bahnschaffner vom Schwarzfahren sprach, wurde ein Foto von Barack Obama als Fahrgast eines Zuges eingeblendet. Kann man so machen, wenn man muss. Dennoch, in Abwandlung eines bekannten Werbeslogans gilt auch für Produktionen: Geist ist geil. Feingefühl übrigens auch. Bei der Freigabe des Obama-Kalauers kann, so dachte man,  ein Verantwortlicher ohne Zweifel nicht alle Gurken im Glas gehabt haben.

Mehr über den Autor: www.lesko.ch

Neben den Show- Highlights führt das Finale von “X Factor“  musikalisch auch die Top-9-Acts noch einmal zusammen. Sendetermin des Final Countdown: Dienstag um 20.15 bei Vox.

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