Pannen-PK: Schäuble-Sprecher tritt zurück

Nach dem Debakel auf der Pressekonferenz in der vergangenen Woche hat Michael Offer offenbar Konsequenzen gezogen: Nach Informationen der dpa tritt der Pressesprecher von Wolfgang Schäuble zurück. Offer wurde bei der PK zur Steuerschätzung öffentlich von seinem Chef gerüffelt, weil er es nicht rechtzeitig geschafft hatte, die Pressemappen mit den neuen Steuerzahlen an die Journalisten zu verteilen. Er beendet seine Tätigkeit für den Finanzminister nach nur einem Jahr.

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Offer habe seinen Schritt damit begründet, dass ihm das volle Vertrauen des Ministers fehle. Er habe Schäuble gebeten, ihn von seiner Funktion als Sprecher zu entbinden, berichtet die dpa. "Diesem Wunsch habe ich heute entsprochen", zitiert die Nachrichtenagentur den Finanzminister.
Anlass für den Rücktritt ist offensichtlich die Pressekonferenz zur Steuerschätzung vom vergangenen Dienstag. Schäuble hatte seinen Sprecher vor den Journalisten angegiftet, weil er die Pressemappen zu Beginn des Termins nicht verteilt hatte. Offer versuchte sich damit zu rechtfertigen, dass in die Unterlagen noch neue Grafiken eingebaut werden sollten. Schäuble entgegnete daraufhin: "Herr Offer, reden Sie nicht, sorgen Sie dafür, dass die Zahlen jetzt verteilt werden." Dann wendete er sich ab. Bevor Schäuble vom Podium verschwand, fügte er noch hinzu: "Das hatte ich Ihnen vor einer halben Stunde gesagt. Sorry! Ich hatte Ihnen die Wette angeboten, Sie werden sie nicht verteilt haben."
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Das Video zur Pannen-Pressekonferenz
Für sein Verhalten wurde Schäuble von vielen Politiker-Kollegen kritisiert. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte zu Bild.de: "So etwas macht man nicht. Minister Schäuble muss sich bei seinem Mitarbeiter entschuldigen." FDP-Vizefraktionschef Jürgen Koppelin: "Ich habe gelernt: Man sollte Untergebene nie öffentlich kritisieren. Das tut man nicht."
Die Süddeutsche Zeitung (Samstagsausgabe) erklärt den Ausraster Schäubles so: "Nicht immer ist Hochmut der Grund für schlechtes Benehmen. Manchmal sind die Helfer dem Furor ihres Chefs (wie Schäuble) einfach nicht gewachsen; sie wollen oder können bei dem Anspruch, den ein Spitzenpolitiker an sich stellt, einfach nicht mithalten."
Am vergangenen Wochenende hatte sich Schäuble bei seinem Pressesprecher eher halbherzig entschuldigt. "Bei aller berechtigten Verärgerung habe ich vielleicht überreagiert", sagte er der Bild am Sonntag. Die Bild hatte am Montag passend zu dem Vorfall das Servicestück "Was muss ich mir von meinem Chef gefallen lassen?" gedruckt.

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