Wut-Rede: Schäubles halbe Entschuldigung

Das wird keine Männerfreundschaft mehr: Halbherzig hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei seinem Pressesprecher Michael Offer entschuldigt. "Bei aller berechtigten Verärgerung habe ich vielleicht überreagiert", sagte er in der Bild am Sonntag. Vergangene Woche hatte Schäuble seinen Sprecher auf einer Pressekonferenz vor mehr als 50 Journalisten zusammengestaucht. Die Bild bringt heute passend zu dem Vorfall das Servicestück "Was muss ich mir von meinem Chef gefallen lassen?".

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Wolfgang Schäuble gilt als "harter Hund" unter den Politikern. Von seinen Mitarbeitern erwartet er laut der Welt vollen, manchmal sogar übermenschlichen Einsatz. Zudem habe seine Behinderung, mit der er seit 20 Jahren leben muss, seinen Ehrgeiz noch größer werden lassen. Das führte dazu, dass er vergangene Woche ausrastete und seinen Sprecher Offer vor laufenden Kameras herunterputzte.
Das ist das Video von Schäubles Wutausbruch:
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Für sein Verhalten wurde Schäuble von vielen Politiker-Kollegen kritisiert. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte zu Bild.de: "So etwas macht man nicht. Minister Schäuble muss sich bei seinem Mitarbeiter entschuldigen." FDP-Vizefraktionschef Jürgen Koppelin: "Ich habe gelernt: Man sollte Untergebene nie öffentlich kritisieren. Das tut man nicht."
Die Süddeutsche Zeitung (Samstagsausgabe) erklärt den Ausraster Schäubles so: "Nicht immer ist Hochmut der Grund für schlechtes Benehmen. Manchmal sind die Helfer dem Furor ihres Chefs (wie Schäuble) einfach nicht gewachsen; sie wollen oder können bei dem Anspruch, den ein Spitzenpolitiker an sich stellt, einfach nicht mithalten."

Die Bild bringt passend dazu ein Servicestück zum Thema Mitarbeiterverhalten. Unter der Überschrift "Was muss ich mir von meinem Chef gefallen lassen?" erklärt die Springer-Zeitung, was zulässig ist und wie sich Mitarbeiter verhalten sollten, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Sie macht beispielsweise klar, dass Vorgesetzte ihre Untergebenen nicht "Idiot" nennen dürfen oder dass es keine Benachteiligung wegen der ethischen Herkunft oder der Religion geben darf. Sicherlich keine komplett neuen Erkenntnisse, aber immerhin ein Versuch, den Lesern eine Orientierungshilfe zu geben.

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