“Der Staat muss Sicherheit gewährleisten”

Eine Forderung mit Symbolcharakter: Russlands Präsident Dimitri Medwedew hat sich explizit für den Schutz kritischer Journalisten ausgesprochen. Damit reagiert er auf den offenen Brief hunderter Journalisten, die am Montag mehr Sicherheit für ihre Arbeit forderten. Am Wochenende war der prominente Moskauer Journalist Oleg Kaschin brutal verprügelt worden. Er liegt im Koma. Unterdessen schlugen Unbekannte einen weiteren Journalisten krankenhausreif. Die Vorfälle sorgten international für Entsetzen.

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Der öffentliche Brief hunderter russischer Journalisten an Russlands Premier scheint seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Dimitri Medwedew hat nach dem Überfall auf den prominenten russischen Journalisten Oleg Kaschin erstmalig einen besonderen Schutz für Reporter gefordert. Wegen der herausragenden gesellschaftlichen Bedeutung ihrer Arbeit müsse sie der Staat besser schützen als andere Berufe, sagte Medwedew am Montag bei einem Treffen mit Journalisten der Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta". Nach dem gewaltsamen Überfall auf Kaschin hatten hunderte Journalisten einen offenen Brief an Medwedew gerichtet. Darin hatten sie um besseren Schutz gebeten. "Das Recht eines Reporters, seinen Verpflichtungen nachgehen zu können, ohne um sein Leben fürchten zu müssen, ist auch das Recht unserer Gesellschaft, zu sprechen und gehört zu werden", hieß es in dem Schreiben.

"Regierung muss sich aufmerksamer verhalten"
Kaschin war am Wochenende von Unbekannten verprügelt worden und liegt seitdem mit gebrochenem Kiefer, gebrochenen Beinen und einem Schädeltrauma im Krankenhaus. Die Verletzungen sind so schwer, dass die Ärzte ihn ins künstliche Koma versetzen mussten. Die Journalisten forderten die Behörden in ihrem Brief zur umfassenden Aufklärung der Attacke auf. Medwedew zeigte sich überzeugt, dass der versuchte Mord an dem kritischen "Kommersant"-Reporter Kaschin aufgeklärt werde.
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Journalisten seien Menschen, die sich in einer erhöhten Gefahrenzone bewegen. Weil sie die Wahrheit über Menschen und Vorgänge im Land erzählten, seien sie einem hohen Risiko ausgesetzt. "Die Regierung sollte sich aufmerksamer gegenüber der beruflichen Arbeit von Journalisten verhalten", sagte er. Damit nicht genug: Medwedew sieht es als Aufgabe des Staates, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Selbst wenn die Wahrheit oft unangenehm sei – auch für ihn selbst.

Diese Forderung hat Symbolcharakter. Zum ersten Mal spricht sich ein russisches Oberhaupt für den Schutz von Journalisten aus. Den scheinen sie auch bitter nötig zu haben. Nach dem brutalen Angriff auf den Kaschin kam es erneut zu einem gewaltsamen Übergriff gegen einen Journalisten. Anatoli Adamtschuk sei in der Nacht zu Montag attackiert worden und habe ein Schädeltrauma und eine Gehirnerschütterung erlitten, berichtete der Radiosender Moskauer Echo. Zwei Unbekannte hätten Adamtschuk in einem Vorort von Moskau aufgelauert. Der Journalist der Zeitung "Schukowski Westi" mehrere kritische Artikel über den Bau einer Autobahn zu einem Flughafen bei Moskau geschrieben.

Die Vorfälle hatten international für Entsetzen gesorgt. Die EU verurteilte den Angriff als Versuch, Journalisten in Russland mundtot zu machen. Auch der DJV hat sich solidarisch mit dem schwer verletzten Redakteur erklärt. Er fordert Medwedew auf, den Überfall auf Kaschin lückenlos aufzuklären und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. "Es ist unerträglich, dass kritische Journalisten in Russland wie Freiwild behandelt werden", kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. "Es ist die Aufgabe des russischen Staates, freie und ungehinderte Berichterstattung zu ermöglichen."

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