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Der Spiegel flirtet mit der Neon-Welt

Es tut beim Lesen richtig weh: Immer mehr Deutsche vereinsamen partnerlos. Das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat in seiner heutigen Titelgeschichte das klassische Neon-Thema entdeckt und es für die Generation der 30- bis 50-Jährigen fortgeschrieben. Herausgekommen ist ein launiges "He said, She said"-Stück der langjährigen Spiegel-Singles Claudia Voigt und Juan Moreno über die merkwürdige Partnersuche der deutschen Erwachsenen, die immer öfter im Internet stattfindet.

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Es tut beim Lesen richtig weh: Immer mehr Deutsche vereinsamen partnerlos. Das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat in seiner heutigen Titelgeschichte das klassische Neon-Thema entdeckt und es für die Generation der 30- bis 50-Jährigen fortgeschrieben. Herausgekommen ist ein launiges "He said, She said"-Stück der langjährigen Spiegel-Singles Claudia Voigt und Juan Moreno über die merkwürdige Partnersuche der deutschen Erwachsenen, die immer öfter im Internet stattfindet.

Die Lage ist ziemlich hoffnungslos, ernst aber scheint sie nicht zu sein. "Ich genieße meine Freiheit" – mit dieser Standard-Phrase beschreiben Singles immer wieder ihr mal mehr, mal weniger selbst verursachtes Alleinsein.

Und das kommt immer häufiger vor. Tatsächlich gibt es in Deutschland inzwischen so viele Singles wie nie. Das ist kein Geheimnis in einer schwindsüchtigen Republik, in der so wenige Kinder geboren werden wie sonst nur in Südkorea oder Taiwan – und das, obwohl die alte Wirtschaftsmacht Deutschland mitten in der Krise boomt als gäbe es ein zweites Wirtschaftswunder. Nur eben keinen Babyboom.

"Eine(r) für alles": Spiegel entdeckt die Neon-Themenwelt

Weil das eine und das andere Phänomen irgendwie unentwirrbar miteinander zusammenhängen und am Ende des Tages ein politisches Statement sind, hat sich der Spiegel der deutschen Partner-Misere angenommen und ihr ein launiges "He said, she said"-Titelstück gewidmet.

Das riecht nicht nur verdammt nach einem Neon-Thema, es klingt auch wie eine Neon-Headline: "Eine(r) für alles" – mal aus der Männer-, mal aus der Frauen-Perspektive.  Das Universal-Thema verspricht einiges, schließlich können sich wohl so viele Spiegel-Leser mit dieser-Titelgeschichte identifizieren wie wohl mit kaum einer anderen – die Deutschen sind schließlich immer öfter allein.

Spiegel-Single-Titel: Der Ton tief in Moll, der Kopf gesenkt

Die nackten Zahlen, die der Spiegel der prallen 12-Seiter-Geschichte mitliefert, sind ein echter Schocker: 29 Prozent der 18- bis 59-Jährigen in München und Berlin sind Singles. In anderen Großstädten lebt es sich für die beziehungswilligen Bundesbürger kaum besser: Es gibt 25 Prozent Singles in Hamburg, Köln oder Frankfurt. In der Gesamtheit der Haushalte leben sogar 39 Prozent aller Bundesbürger alleine.

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Man darf sich dieses urbane Single-Leben jedoch eher nicht als glücklich vorstellen, das macht die heutige Spiegel-Titelstory klar. Der Ton ist tief in Moll gefärbt, die Aufmacheroptik, in der eine hübsche blonde deutsche Singlefrau mit geneigtem Kopf durchs Leben stiefelt, zeigt überdeutlich: Heute alleine zu sein, macht eher keinen Spaß.

Trotz Internet-Singlebörsen-Boom: "Mich liebt keiner, und ich liebe niemanden"

Der ganz normale Single-Albtraum hört sich so an: "Weihnachten. Das Aufwachen am Geburtstag. Dass die Wohnung abends beim Nachhausekommen noch genauso aussieht wie am Morgen. Dass ich vielleicht keine Kinder bekommen werde. Das Gefühl: Mich liebt keiner, und ich liebe niemanden. Hochzeitsfeste, die Scham darüber, keinen abbekommen zu haben. Auf Reisen allein essen zu gehen. Dass mich niemand in den Arm nimmt, wenn es mir schlecht geht."

Dabei gibt es dazu 2010, im Internetzeitalter, paradoxerweise doch so viele Möglichkeiten wie nie: Mit happigen 164 Millionen Euro fluten deutsche Singles die Online-Kontaktbörsen, die als Wirtschaftsfaktor immer größere Bedeutung erlangen. Aber eben auch als Gesellschaftsfaktor: An genau diesem Überangebot scheitere es am Ende, hört man die Parade-Singles klagen – genau wie am eigenen Anspruch. Ähem, was?

Bonusmaterial auf dem iPad: Seelenstriptease zweier Singles

An dieser Stelle hätte man sich noch mehr Tiefe vom aktuellen Spiegel-Titel gewünscht. Während in Neon, seit sieben Jahren unzweifelhaft der Biograf (junger) bundesrepublikanischer Beziehungsgeflechte, Singles wirkliche Abgründe zeigen, dreschen vor allem die Spiegel-Enddreißiger und -Anfangvierziger immer wieder austauschbare Phrasen, dass es eben nie richtig gepasst habe, dass man stattdessen die Unabhängigkeit genieße und über ein großes Netzwerk und einen intakten Freundeskreis verfüge, den man nicht aufgegeben wolle – Lebenslügen eben.

Nur auf der iPad-Version der Titelgeschichte, in der eine 39-jährige medizinische Bademeisterin und ein 40-jähriger Politologe in Ton und Bild über Single-Dasein reflektieren, fallen dann doch die Hüllen, verbal natürlich.  So wie die beiden gealterten Singles ihre eigene Lebensgeschichte umerzählen, bis sie selbst damit leben können ("einfach Pech gehabt"), wird am Ende klar, was die "Paarungsfalle", (Artikel-Headline) am Ende eben auch ist: das typische Luxusproblem westlicher Gesellschaften.

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