„Deutschland-Safari“: Broders Integrations-Trip

Der Spiegel-Autor Henryk M. Broder (64) ist umstritten, ein Provokateur und selten linientreu. Das zeigt er in der neuen TV-Serie "Entweder Broder - Die Deutschland-Safari" (ARD, sonntags, 23.35 Uhr) ganz deutlich. Darin erforscht der polnische Jude, wie es wirklich um die Integration bestellt ist. Mit dem muslimischen Historiker Hamed Abdel-Samad (38) hat er sich dafür auf einen 30.000-Kilometer-Roadtrip quer durch Deutschland begeben – und fördert erschreckende Ergebnisse zu Tage.

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In der ersten Folge haben sich die Macher der Serie das Beste für den Schluss aufbewahrt – auch wenn die Aktion provozierend ist. Auf der Fünf-Jahres-Feier des Holocaust-Mahnmals in Berlin schlüpft Broder in ein Stelenkostüm. Seinem Begleiter Abdel-Samad ist das zu peinlich. Er wirft Broder vor: "Broder muss leider immer den Kasper spielen." Der 64-Jährige begründet sein Tun jedoch: "Dieses Mahnmal hat 50 Millionen D-Mark gekostet und nützt niemandem. Mit dem Geld hätte man all den Juden, die jetzt in Polen an der Armutsgrenze leben, viel besser helfen können."
In einer anderen Szene beobachtet der Zuschauer die beiden, wie sie einen türkischstämmigen Bäcker besuchen. Sie lassen ihn die Bedeutung von Ehre erklären. Der Bäcker ist Moslem und offenbart, dass ihm Ehre nach muslimischen Regeln zwar wichtig ist. Aber er selbst hält es damit nicht so eng. Sex vor der Ehe sei beispielsweise kein Problem für ihn. Nur bei Frauen, da ist die Ehre verloren, wenn sie Sex vor der Ehe hatten.
Während ihrer Autofahrt durch Deutschland vertiefen und analysieren die beiden das Erlebte. Teilweise wirken die Gespräche, als seien sie gestellt. Aber laut Broder existierte kein Skript, und alles sei spontan entstanden. Abdel-Samad kommt dabei wie ein ausgleichender Gegenpol zu Broder herüber – weniger provozierend und polemisch. Ohne ihn wäre die Serie vermutlich zu einem Draufdreschen Broders geworden, das für eine gewisse Zeit Spaß gemacht hätte, aber nicht durchgehend unterhaltend gewesen wäre.
So passt es auch zur ersten Folge, dass die wesentliche Erkenntnis, wie Integration funktioniert, vom gebürtigen Ägypter stammt: "Der Schlüssel zur Integration ist, wenn man über sich selbst lachen kann." Und darauf kommt er, nachdem Broder und er ehemalige SED-Kader interviewten, die sich die DDR zurückwünschen.

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