Stern-Kioskkäufer: Politik, nein danke!

Die neuesten Heftauflagen der IVW zeigen es erneut: Der Stern hat derzeit immer dann ein Problem, wenn er ein politisches Thema auf den Titel hebt. Das aktuelle Beispiel: Heft 39/2010 verkaufte sich mit dem Thema "Die Atom-Lüge - So führen uns Regierung und Stromkonzerne hinters Licht" nur 270.543 mal am Kiosk - der schlechteste Wert seit 20 Wochen. Ähnlich schlecht sah es in diesem Jahr schon mit Titelgeschichten über Angela Merkel und die Bundespräsidentenwahl aus.

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So lieferte Ausgabe 13/2010 mit dem Cover "Angela Kohl – Abwarten, abwägen, aussitzen – Wie Angela Merkel dem Altkanzler Helmut Kohl immer ähnlicher wird" und 256.607 Einzelverkäufen das zweitschlechteste Ergebnis des bisherigen Jahres ab. Auch "Wulff gegen Gauck – Der Kampf ums Präsidentenamt" landete mit 277.736 auf einem der letzten Plätze und selbst der unpolitische, zu Herzen gehende Organspende-Titel mit Frank-Walter Steinmeier kam nur auf 280.845 Einzelverkäufe.

Zum Vergleich: Über die 300.000er-Marke kletterten im Einzelverkauf im bisherigen Jahr 2010 fast nur softe Themen: ein Lohnvergleich mit 100 Berufen, die nach-weihnachtliche Diät-Serie, das Thema Krankenversicherung, Titel zu Fitness, Stress, mentaler Kraft, Knieproblemen, das Jesus-Oster-Cover, die Fußball-WM und der Kachelmann-Skandal sind einige Beispiele. Das einzige Politik-Thema, das über diese für den Stern wichtige Marke kletterte, war die Euro-Griechenland-Krise mit der Headline "Wir Zahlmeister".

Noch bis kurz nach der Bundestagswahl 2009 sah es für Politik-Titel deutlich besser aus: "Arme Sieger" mit Merkel und Westerwelle fand im Einzelverkauf 327.025 Abnehmer, "Zu gut bezahlt? Was unsere Politiker wirklich verdienen" knackte wenige Wochen zuvor ebenfalls die 300.000er-Marke, genau so wie der Guttenberg-Titel "Der coole Baron", mit dem die Hamburger den kommenden Hype um den glamourösen Adeligen in der Politik früh erahnten. Doch seit dem Herbst 2009 laufen Politik-Themen beim stern nicht mehr. Leidet die Zielgruppe des Magazins unter einer gewissen Politikverdrossenheit? Oder steht der stern derzeit eher für andere Themen?

Klar ist auf jeden Fall, dass es kein generelles Desinteresse an politischen Themen bei den Magazin-Käufern gibt. So punktete der Hamburger Konkurrent Spiegel in diesem Jahr u.a. besonders deutlich mit Titelgeschichten zur Euro-Krise, zum Präsidentschaftskandidaten Gauck, mit einem Merkel-Westerwelle-Cover und der Headline "Aufhören!", der Sarrazin-Diskussion und einem Titel zur "Dagegen-Republik" mit dem aktuellen Bürgerprotesten gegen Stuttgart 21, Atomkraft & Co. Während Gauck, Merkel und der Euro auch beim Stern stattfanden, waren insbesondere Sarrazin und Stuttgart 21 vieldiskutierte Themen, die der stern nie auf den Titel gehoben hat.
Dass es für den stern in diesen Wochen im Verkauf an Kiosken, Flughäfen, Bahnhöfen oder Supermärkten durchaus auch kräftig aufwärts gehen kann, zeigt das auf die "Atom-Lüge" folgende Heft: Das Cover "Karriere? Das tue ich mir doch nicht an – Warum gut ausgebildete Frauen das Spiel der Männer um Macht und Status nicht mitmachen" sprang deutlich über die 300.000er-EV-Marke und erzielte 318.830 Heftverkäufe.

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