Ossi-Ort Parum: das Anti-Google-Dorf

Um Touristen anzulocken, wollte Oberstaufen als erster Ort in Street View erscheinen. Eine ganz andere Einstellung zum neuen Google-Produkt hat das 70-Seelen-Dorf Parum in Mecklenburg-Vorpommern: Die Einwohner wollen ihr komplettes Örtchen in dem Kartendienst unkenntlich machen lassen, berichtet die Schweriner Zeitung. Gegenüber MEEDIA erklärte der Initiator des Widerstands, Wilhelm Meier: "Google verfolgt mit Street View kommerzielle Interessen, für die wir uns nicht instrumentalisieren lassen."

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Das Schlimme an Street View sei, dass Google nicht offenbare, wie es mit dem Dienst seine kommerziellen Ziele erreichen will. "Unsere Daten sammelt der Konzern ein. Aber er sagt uns nicht, was er damit vorhat", kritisiert Meier. Der pensionierte Lehrer hat von allen Dorfbewohnern Unterschriften zusammengetragen. Diese will er, wenn nötig, an Google weiterleiten.
Zuvor hat er sich aber an den Bundesbeauftragen für Datenschutz, Peter Schaar, gewandt. In seinem Brief schrieb er: "Um möglichst wenige Daten an die Firma Google auszuliefern, wäre vermutlich Ihr Wort genug, um ein Tabu über ganz Parum zu erklären, sogar, ohne dass die einzelnen Namen und Unterschriften dem Privatunternehmen auszuhändigen wären – was freilich notfalls auch in Frage kommt."
Doch Schaar lehnte ab. Meier versuchte es mit einem zweiten Brief. Es sei die Aufgabe eines Datenschutzbeauftragen, "unsere Daten zu schützen, statt der anderen Seite ‚legitime Geschäftsinteressen‘ zu bescheinigen", zitiert die Schweriner Zeitung das Schreiben.
Parum existiert indes nicht nur bei Street View, sondern auch bei Google Maps. Weshalb Meier nicht schon gegen den Start des Kartendienstes im Jahr 2005 vorgegangen ist, begründet der Rentner so: "Wir sind keine Medienprofis. Wir können nur auf Dinge reagieren, die neu im Internet aufkommen."
Bis zum 15. Oktober hätten die Parumer Einspruch gegen die Veröffentlichung ihrer Häuser bei Street View einlegen können. Rund 244.000 Deutsche nutzten das Widerspruchsrecht. Seit mehreren Monaten steht der neue Google-Dienst stark in der Kritik. Im "Sommerloch" griffen viele Medien – egal ob Online, Print, TV oder Hörfunk – das Thema auf und starteten eine Panikmache gegen Street View. Zum Deutschlandstart hatte Google mit weiteren Problemen zu kämpfen: Per Einspruch zu pixelnde Fassaden waren auf mobilen Endgeräten völlig unverpixelt zu sehen.

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