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Twitter mehr Wert als New York Times

Das Leben im Windschatten kann durchaus seine Vorteile haben: Während die ganze Welt über das größte aller sozialen Netzwerke redet, wächst die Nummer zwei immer mehr in seine Verfolgerrolle hinein. Enorme 175 Millionen Nutzer hat Twitter inzwischen versammelt – bei Durchbruch vor zwei Jahren waren es kaum 5 Millionen. Auch die Bewertung befindet sich inzwischen auf der Überholspur: Nach Erhebung von Tech Crunch soll Twitter schon mehr wert sein als die New York Times. Und doch ist das nur ein Bruchteil von Facebook. Warum eigentlich?

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Das Leben im Windschatten kann durchaus seine Vorteile haben: Während die ganze Welt über das größte aller sozialen Netzwerke redet, wächst die Nummer zwei immer mehr in seine Verfolgerrolle hinein. Enorme 175 Millionen Nutzer hat Twitter inzwischen versammelt – bei Durchbruch vor zwei Jahren waren es kaum 5  Millionen. Auch die Bewertung befindet sich inzwischen auf der Überholspur: Nach Erhebung von TechCrunch soll Twitter schon mehr wert sein als die New York Times. Und doch ist das nur ein Bruchteil von Facebook. Warum eigentlich?

Es war nicht der leichteste Sommer für Twitter: Viel zu oft ging die Seite in die Knie, viel zu oft tauchte der "Fail Whale" auf. Viel zu lange dauerte der Relaunch. Und nach Meinung einiger Silicon Valley-Insider auch der Wechsel an der Spitze des Unternehmens: Erst im vergangenen Monat übernahm Dick Costolo die Geschäfte von Evan Williams, der das Start-up auch nur 18 Monate geführt hatte.

Doch in dieser Zeit explodierte der Microblogging-Dienst förmlich in den dreistelligen Millionenbereich. In den vergangenen Monaten zog die Wachstumsdynamik gar noch einmal an: Die Nutzerzahlen schossen sprunghaft um 30 Millionen in nur zwei Monaten in die Höhe. Das bedeutet: Twitter wächst pro Tag um 370.000 Mitglieder.

Damit dürfte der 140-Zeichen-Dienst in Wachstums-Dimensionen vorstoßen, die  bislang für das größte aller sozialen Netzwerke reserviert war. Immerhin: Mit 175 Millionen Nutzern ist Twitter inzwischen fast ein Drittel so groß wie Facebook.

Twitter-Aktien ziehen an: 1,57 Milliarden Dollar-Bewertung

Und doch trennt die beiden großen Internet-Aufsteiger der vergangenen Jahre immer noch Welten. Genauer gesagt: Bewertungswelten. Facebook ist zwar "nur" etwa dreimal so groß wie Twitter – aber gemessen am außerbörslichen Aktienhandel fast 20-mal wertvoller!

Während für Mark Zuckerbergs Social Network Bewertungsniveaus von zuletzt 33 Milliarden Dollar kursierten, freut sich Twitter, endlich in die Milliarden-Liga aufgestiegen zu sein. In der jüngsten Finanzierungsrunde veräußerte der Mikroblogging-Dienst nämlich Anteile in dieser Größenordnung an Investoren.  Tech Crunch-Gründer Michael Arrington berichtete vergangene Woche bereits, die Twitter-Aktien würden am Sekundärmarkt auf Bewertungsniveaus von 1,57 Milliarden Dollar gehandelt werden. Das ist mehr als die New York Times heute an der Börse wert ist.

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Nicht schlecht für ein vier Jahre altes Unternehmen, doch wie kommt eigentlich die riesige Bewertungslücke zu Facebook zustande? Die Antwort ist einfach: Noch immer hat Twitter kein funktionierendes Erlösmodell vorgestellt. Aus den geheimen Businessplänen, die im Sommer 2009 an die Medien gelangten, ging hervor, dass der Mikroblogging-Dienst in diesem Geschäftsjahr schon 140 Millionen Dollar umsetzen und dabei 46 Millionen verdienen wollte.

Promoted Tweets: "Viele Millionen in sehr, sehr kurzer Zeit"

Obwohl sich Mitbegründer Biz Stone seinerzeit beeilte darauf hinzuweisen, die Zahlen seien in einem frühen Stadium genannt worden und besäßen keine Gültigkeit mehr, überrascht es doch, wie sehr Twitter selbst vom internen Ziel zunächst abgekommen zu sein scheint. CEO Dick Costolo betonte bei Übernahme der Geschäftsführung, man stehe kurz davor, "viele Millionen in sehr, sehr kurzer Zeit" einzunehmen.

Wie der Weg dahin aussieht, können erste Twitterer seit dem Wochenende besichtigen: Die sogenannten "Promoted Tweets" tauchten plötzlich in der Timeline auf – Werbetweets von Groß-Konzernen wie Starbucks, Virgin oder Red Bull. Auch an der Vermarktung von Echtzeitsuchergebnissen in Suchmaschinen wie Google und Bing verdient Twitter.  Doch wie viel, bleibt weiter hoch spekulativ.

Henry Blodget: "Google muss Twitter kaufen"

Feststeht dagegen zumindest: Der Abstand zu Facebook ist nach buchhalterischer Lesart wohl um einiges größer als nach Nutzerzahlen.  Die Erlösschätzungen für Facebooks laufendes Geschäftsjahr reichen von 1 bis 1,5 Milliarden Dollar. So weit soll Twitter nach eigenem (veralteten) Businessplan frühestens 2013 sein. Dennoch ist die Faszination an dem aufstrebenden Mikroblogging-Dienst ungebrochen.

"Google muss Twitter sofort kaufen", findet etwa Alley Insider-Gründer Henry Blodget. Und zwar für ein Vielfaches des heutigen Preises – "wahrscheinlich für 5 Milliarden Dollar", schätzt Blodget. Warum? "Selbst wenn Twitter nie einen Cent verdient, wäre es der ideale Einstieg ins Social Network-Geschäft", so der frühere Internetaktienanalyst. So betrachtet hätten sich alle Nachweise nach schnellen Umsatz- und Gewinnsteigerungen erst einmal von selbst erledigt.

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