Stefan Niggemeier vs. Geo-Chef Gaede

In einem Streit um einen Geo-Artikel hat das Landgericht Hamburg dem Autoren Christian Jungblut Recht gegeben. Geo habe seinen Text über Deichbau so stark verändert, dass er die Veröffentlichung untersagen darf. Geo hatte den Text gegen den Willen Jungbluts veröffentlicht. Medienjournalist Stefan Niggemeier hat den Fall in seinem Blog aufgegriffen und lieferte sich in den Kommentaren einen nächtlichen Schlagabtausch mit Geo-Chef Peter Matthias Gaede.

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Niggemeier schreibt in seinem Artikel “Gericht erklärt ‘Geo’: Autoren haben Rechte”: “Entscheidend für das Urteil war dabei nicht die Zahl der Preise oder die Größe des Penis Egos der Beteiligten, sondern das Urheberpersönlichkeitsrecht, das dem Urheber das Recht gibt, ‘eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden’.

Geo-Chefredakteur Peter Matthias Gaede habe sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern wollen und lediglich angedeutet, in Berufung gehen zu wollen, schreibt Niggemeier weiter. In den Kommentaren des Artikels äußerte sich Gaede dann doch, und zwar in gewohnt wortgewaltiger Manier. Zu dem Penis-Ego-Vergleich Niggemeiers merkt Gaede trocken an: “Übrigens: Es war eine Frau, die sich um den Text gekümmert hat, komplett penisfrei. Und es war eine Frau, die das fact checking bei diesem Text betrieben hat, also die Überprüfung auf sachliche Fehler; auch sie eher mit sachlichen Korrekturen als mit dem Längenvergleich von Schwellkörpern befasst.”

in 34 Jahren habe Geo mit Hunderten freien Autoren zusammengearbeitet, “die es allesamt (minus 1) offenbar ganz gut mit uns ausgehalten haben und noch tun.” Eine Zeitschrift wie Geo sei mehr als eine “Verleihfirma für leere Seiten”, so Gaede. Die Geo-Textredaktion mache sich “erhebliche Mühe bei der Redigatur und im Gespräch mit Autoren, wenn es um mögliche Verbesserungen geht”. “Gutsherrenart” und “Arroganz”, wie ihm von einigen Kommentaren vorgeworfen wurde, weist Gaede von sich. Sein Rat an die Kommentatoren: “ein paar Geo-Reportagen unter den Aspekten Stil, Sprache, Dramaturgie, Erlebnis- und Reflexionsebene lesen – und DANN urteilen.”

Niggemeier ließ es dabei nicht beruhen und erwiderte Gaede, es gehe nicht um den Sinn des Redigierens von Texten oder darum, ob ein Text vor dem Redigieren besser oder schlechter war. Niggemeier: “Es geht um die Frage, ob ein Autor damit leben muss, dass ein von ihm geschriebener Text stark geändert wird. Die klare Antwort, die das Gericht (nach meinem Verständnis zu Recht) gegeben hat: Nein, muss er nicht.”

Der E-Mail-Wechsel zwischen dem Autoren Jungblut und Geo werfe “wahrlich kein gutes Bild auf die Abläufe und die Kommunikation beim ach-so-Kisch-preis-gekrönten Geo”, so Niggemeier weiter. Klar, dass Gaede das nicht auf sich sitzen lasse konnte. “Diese Nacht ist garantiert nicht voller freier Autoren, die von Geo-Albträumen geschüttelt werden”, kommentierte der Geo-Chef um halb zwei Uhr nachts im Niggemeier-Blog. Und fügt an: “Und auch keinem Gauck, keinem Trojanow, keinem Franzen haben wir Heftpflaster auf den Mund kleben müssen, damit er ja nicht berichte, wie versklavt man doch als Geo-Autor ist.” Es wirkt nicht so, als ob Peter Matthias Gaede und Stefan Niggemeier noch gute Freunde werden.

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