Der traurige Niedergang des „Sportstudios“

Es gab mal Zeiten, in denen "das aktuelle sportstudio" des ZDF ein Muss für Fußballfans war. Egal wie spät die Sendung kam, man musste sie sehen. Denn: Sie stieß Debatten an, lieferte Hintergründe zum aktuellen Bundesliga-Geschehen und präsentierte Weltstars als Studiogäste. Diese Zeiten: Sie sind vorbei. Heute führen die Moderatoren Müller-Hohenstein, Poschmann und Steinbrecher nur noch routiniert und gelangweilt durch eine Sendung mit einer Identitätskrise.

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Von hintergründigem Sportjournalismus, den es im "sportstudio" durchaus mal gab, ist nichts mehr zu spüren. Der aktuelle Bundesliga-Spieltag wird von meist zweitklassigen Reportern ohne neue Erkentnisse abgehandelt, dazu gibt es einen Studiogast, das Torwandschießen, den Rest des Sports in Kurzform und fertig. Warum ein Fan um 23 Uhr noch eine solche Sendung schauen sollte – die Argumente fehlen.

Selbst die exklusiven Free-TV-Rechte am Samstagabend-Spiel der Bundesliga sind offenbar kein Argument mehr. Denn: Die Zuschauerzahlen des "sportstudios" zeigen klar nach unten. 1,87 Mio. Leute sahen die neun Sendungen des Septembers und Oktobers – so wenige waren es in diesem Zeitraum, immerhin die Startphase der Bundesliga-Saison, noch nie. Der Marktanteil fiel im selben Zeitraum von 13,8% auf 10,4% und damit deutlich unter die ZDF-Normalwerte.

Am späten 23-Uhr-Sendeplatz liegt das im Übrigen trotz aller hitzigen Debatten in den Medien – nicht wirklich. Denn: Auch im Jahr 2009 wurde nur eine Minderheit der September-/Oktober-Sendungen vor 23 Uhr ausgestrahlt – und die hatten sogar weniger Zuschauer als die nach 23 Uhr. Die Konstanz des festen Sendeplatzes um 23 Uhr könnte dem "sportstudio" eingentlich sogar helfen, der Fan braucht nicht immer nachzuschauen, wann das Magazin denn diesmal läuft, die feste Zeit lässt sich leichter merken.

Dennoch ist das "sportstudio" aber so erfolglos wie nie zuvor in einem Herbst. Woran liegt es also? Doch an der Qualität? Klar ist, dass die meisten Fußball-Fans bis 23 Uhr längst über die Ergebnisse Bescheid wissen und bei Sky, der "Sportschau" im Ersten oder in der "Tagesschau" schon Highlights und Tore der Matches gesehen haben. Nur wegen des einen Samstagabend-Spiels schalten dann höchstens noch die Fans der beiden beteiligten Vereine ein.

Der neue, mit 38 Jahren noch recht junge "sportstudio"-Redaktionsleiter Oliver Schmidt muss versuchen, dem Dino "sportstudio" wieder neues Leben einzuhauchen, mit neuen Rubriken, mehr Hintergrund-Journalismus und vielleicht ja auch ein paar frischen Moderatoren. Nur dann kann die Sendung irgendwann wieder zum einem Muss für Fußball- bzw. Sportfans werden.

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