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Neven DuMont und seine Facebook-Freunde

Ein Horrorszenario für Kommunikations-Profis: Erst verkündete Konstantin Neven DuMont via Spiegel seinen Ausstieg als Vorstand im familieneigenen Verlagsbetrieb. Und was sagt der Medienkonzern dazu? Er schweigt. Zwei Wochen später schickt der 40-Jährige dem SZ-Redakteur Marc Felix Serrao eine Mail, in der er schreibt, "jetzt erstmal" weiterzumachen. Die Verlags-Redaktion diesmal: wieder Schweigen. Dafür kommuniziert Konstantin munter weiter – bevorzugt via Facebook. Dort ist er unter Freunden.

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Betrachtet man die letzten Äußerungen des 40-Jährigen in dem Social Network, bekommen seine E-Mail an Serrao eine interessante Vorgeschichte. Über den Medienexperten der Süddeutschen Zeitung scheint sich der DuMont-Vorstand für Unternehmensstrategie und Kommunikation schon seit Tagen zu ärgern. Grund für die Verstimmung war der Text "Im Namen des Vaters" vom vergangenen Mittwoch.

Im Bezug auf diesen Artikel schrieb Neven DuMont in einem Facebook-Kommentar: "Dennoch sollten wir uns zwischendurch um einige Münchner Kollegen kümmern. Offensichtlich blicken die nicht mehr durch."

Im Gegensatz zum Blog von Stefan Niggemeier und anderen Web-Seiten scheint der designierte Verlagserbe bei Facebook unter Freunden zu sein. Denn auf seinen Kommentar gibt es gleich positiven Zuspruch: "Der ganze SZ-Artikel ist Irrsinn. Und der letzte Absatz besonders ehrenrührig. Was wollen Sie dagegen unternehmen?" Das lässt sich Neven DuMont nicht zweimal fragen und antwortet prompt: "Was ich dagegen unternehmen will, weiß ich noch nicht. Kommt Zeit, kommt Rat. Momentan genieße ich einfach das Theater." Diese Antwort des Kölner gefällt immerhin vier Personen.

Der Rat kam dann am Montag via E-Mail in München an. Laut SZ-Meldung schrieb der Kommunikations- und Strategie-Experte: "Ihre Kampagne hat zu nichts geführt. Ich bleibe jetzt erstmal Vorstand." Das verwundert, denn erst kürzlich hatte sich der eigentlich designierte Medienhaus-Chef im Interview mit dem Spiegel amtsmüde gezeigt und seinen Rückzug aus dem Vorstand angekündigt: Er denke schon seit einiger Zeit darüber nach, aus dem Gremium auszuscheiden, sagte er dem Nachrichtenmagazin. Als Begründung führte er nicht etwa die Blogaffäre an, sondern die Erkenntnis, "doch mehr auf der kreativen Seite" zu Hause zu sein, und nicht so sehr "Verwalter". Neven DuMont nannte dabei einen Wechsel in den Aufsichtsrat "reizvoll". Und: Am liebsten wäre ihm, er könne seine Energie in Eigenproduktionen etwa über Öko-Themen stecken. Darauf wird man nun möglichweiser länger warten müssen.

Auch den Vorwurf einer SZ-Kampagne wird in dieser Mail nicht zum ersten Mal formuliert, sondern lässt sich bereits in der Facebook-Diskussion von Samstag nachlesen. Dort schreibt Neven DuMont: "Zunächst müsste recherchiert werden, wer sonst noch hinter Serraos Beitrag stehen könnte. In diesem Zusammenhang ist mir immer noch nicht schlussendlich klar, wer mir eigentlich an den Karren pinkeln will. Ich habe die Vermutung, dass da noch andere Personen außer Serrao beteiligt sind. Meine Recherchen weisen bereits in verschiedene Richtungen. Da ich das aber noch nicht verifizieren kann, halte ich mich momentan mit öffentlichen Anschuldigungen zurück." Immerhin spricht der Kölner überhaupt wieder.

Denn vor rund zwei Wochen verkündete er noch via Facebook: "Laut Vorstandsbeschluss darf ich mich über eine sehr skurrile Geschichte zur Zeit nicht äußern. Dennoch werde ich diese Angelegenheit nicht auf mir sitzen lassen."

Ausgangpunkt für die Wochenenddiskussion war ein kryptischer Link-Hinweis auf die Medienkolumne von Kai-Hinrich Renner im Hamburger Abendblatt. Der Kölner Verlags-Vorstand schrieb: "Momentan stelle ich mir die Frage, ob Humor der Weisheit letzter Schluss sein könnte. Was meint die Netzgemeinde?" Renner hatte berichtet, dass das Kölner Zeitungshauses M. DuMont Schauberg in Anwesenheit von Konstantin Neven DuMont "Maßnahmen für eine digitale Bildungsoffensive" beschlossen habe.

Wie sich auch immer die vermeintliche "Konstantingate"-Affäre weiterentwickelt und wie lange das Kommunikations-Chaos noch anhält. Konstantin Neven DuMont kann sich wohl der Loyalität seiner Facebook-Freunde sicher sein. So schreibt beispielsweise einer: "Schön, dass Sie sich den Humor bewahrt haben! Ist die einzig sinnvolle Möglichkeit, sich mit den schlimmen Vorwürfen um ihre "menschenverachtenden" angeblichen Taten auseinander zu setzen! ;-)".

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