Die überregionalen Apps der Verlage

Durcheinander im App-Dschungel: Während an den Kiosken noch Ordnung herrscht, wütet im Appstore das Chaos. Obwohl sich das Angebot an deutschen Medien-Apps stetig verbessert, scheint jeder Verlag eine andere Strategie zu fahren. Mal kostenlos, mal als ePaper, mal nur auf dem iPad, mal nur auf dem iPhone, mal multimedial, mal als reine Textwüste. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, haben wir in einer dreiteiligen Serie alle Angebote zusammengetragen. Heute: alle überregionalen Angebote im Überblick.

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Frankfurter Rundschau (iPad): ohne Umwege zur iPad-App
Man könnte meinen, dass die Frankfurter eine Stufe in der App-Evolution übersprungen haben. Eine iPhone-App gab es nie, doch die iPad-Version der Frankfurter Rundschau erscheint seit einiger Zeit täglich neu und kostet 79 Cent pro Ausgabe.

Damit ist sie sehr viel günstiger als die gedruckte Ausgabe, für die am Kiosk 1,60 Euro fällig werden. Allerdings werden für den reduzierten Preis auch nicht alle Texte der Printausgabe in die App eingespielt. Die Artikel lassen sich on- und offline lesen. Die Aufmachung erinnert eher an ein Magazin als an eine Zeitung. Die App bietet Foto-Strecken, Video-Porträts und interaktive Grafiken.

Zeit (iPhone/iPad/iPod touch): Monatsabo plus Online-Zugang
Der Holtzbrinck-Verlag hat sich mit der Entwicklung seiner Zeit-App Zeit gelassen. Während die Mitbewerber ihre iPhone-Apps auf dem Markt positionierten und erste iPad-Apps launchten, wurde hinter den Kulissen von Zeit Online programmiert. Das Ergebnis ist "Zeit Online plus", eine App für das iPhone und das iPad.

Das Alleinstellungsmerkmal: User können direkt in der App kommentieren. Das konnte bisher keine andere. Das Herzstück des Angebots ist die E-Paper-Version der aktuellen Ausgabe der Zeit. Die Wochenzeitung kann wahlweise als Pdf oder in einem speziell aufbereiteten Lesemodus abgerufen werden. Für das geballte Zeit-Paket verlangt Holtzbrinck auch seinen Obulus: Im Preis von 4,99 Euro (nach der Einführungsphase dann 8,99 Euro) sind vier Ausgaben der gedruckten Zeit und der Zugriff auf das Angebot von Zeit Online enthalten.

Welt (iPhone/iPad/iPod touch): Online-News plus ePaper
Der Look der Welt-iPad-App erinnert stark an die gedruckte Ausgabe. So landet der User zu Beginn auch auf einer klar strukturierten Titelseite mit den Hauptthemen und den Bildern des Tages. Wie bei einer herkömmlichen Zeitung kann horizontal durch die Seiten geblättert werden.

Wer direkt zu einem bestimmten Ressort springen möchte, wählt den Weg über das Navigationsmenü. Als Leser können Sie zwischen drei Schriftgrößen wählen, Bildergalerien durchblättern und Videos anschauen. Die digitale Zeitung erscheint vier Mal täglich, bei Großereignissen auch häufiger, sozusagen als Extrablatt. Bonus für iPad-User: Im Ressort "Welt Reporter" berichten Korrespondenten exklusiv für die App. Die App selbst ist kostenlos und für einen Monat freigeschaltet. Danach kostet sie monatlich 11,90 Euro. Die iPhone-App kostet 2,99 Euro ohne bzw. 4,99 Euro mit Welt Kompakt als Pdf. Eilmeldungen werden als Push-Benachrichtigung auf das Gerät geschickt. Die Startseite lässt sich nach eigenen Wünschen formatieren.
Bild (iPhone/iPod touch): nur auf iPhone und iPod touch
Kaum ein Konzern setzt so konsequent auf den Vertrieb über die Apple-Geräte, wie es Springer momentan macht. Da darf die Bild natürlich nicht fehlen. Allerdings nicht kostenlos.

Die App bietet neben dem bundesweiten Angebot auch Zugriff auf die Regionalteile. Über die Push-Funktion können sich User Top-News aus den Bereichen People, Sport oder den Breaking News gesondert auf das iPhone schicken lassen. Die Pdf-Ausgabe der Bild ist schon am Vorabend verfügbar. Allerdings fehlen dort die Ausgaben der Regionalteile. Die App kostet einmalig 79 Cent für die ersten 30 Tage. Wer den Service danach weiterhin nutzen will, muss zahlen: Die reine iPhone-App kostet dann 1,59 Euro/Monat. Wenn Sie auch die Pdf-Ausgabe lesen wollen, müssen Sie zusätzlich 3,99 Euro/Monat zahlen. Eine iPad-App gibt es bisher nicht.

FAZ (iPhone/iPod touch): ohne ePaper und Blogs
Eine für Smartphones optimierte Webseite gab es bereits. Seit kurzem gibt es die FAZ auch als iPhone-App. Neben dem Online-Angebot wollen nach Verlagsangaben ausgewählte Redakteure des FAZ-Feuilletons exklusiv Rezensionen auf dem iPhone anbieten. Die App bietet neben Push-Benachrichtigungen die Möglichkeit, Texte offline zu lesen und Artikel weiterzuempfehlen. Zudem wollen die Frankfurter mit einem Fußball Live-Ticker punkten. Allerdings fehlen zwei Kernfeatures: die Faz.net-Blogs und ein ePaper der gedruckten Zeitung. Denn mit Autoren wie Don Alphonso oder Stefan Niggemeier verfügen die Frankfurter über echte Meinungsführer der Blogosphäre. Derzeit ist die iPhone-App noch kostenlos, danach schlägt der Download einmalig mit 2,99 Euro zu Buche. Eine iPad-App gibt es derzeit noch nicht.

Süddeutsche Zeitung (iPhone/iPod touch): zweigleisig, aber ohne iPad
Die Süddeutsche fährt auf dem iPhone zweigleisig. Mit einer kostenlosen Basis-App und einer Gold-Variante. Die Basis-Anwendung enthält neben aktuellen News auch Artikel aus den Ressorts von Sueddeutsche.de. Die Gold-Version ist werbefrei, bietet Push-Benachrichtigungen und die Möglichkeit, Artikel offline zu lesen. Die Nutzung ist mit einer Zahlung von 1,59 Euro auf 30 Tage beschränkt und wird nicht automatisch verlängert. Eine iPad-App gibt es derzeit noch nicht.

Spiegel (iPhone/iPod touch/iPad): auf dem iPhone nur eReader
Die Spiegel-App setzt auf ein multimediales Angebot. Eine einzelne Spiegel-Ausgabe kostet über den iTunes-Store 3,99 Euro. Ist das aktuelle Heft heruntergeladen, können Sie durch die Texte blättern oder per Fingerbewegung Bilder und Grafiken vergrößern. Klug gelöst: Artikel aus dem Magazin sind mit dem aktuellen Nachrichtenangebot von Spiegel Online verbunden. Unter den Texten finden sich Links auf Themenseiten des Online-Angebots. Alte Magazine lassen sich unbegrenzt auf dem Gerät verwalten. Vor allem die Titelgeschichten sind gespickt mit zusätzlichem Content. Das können Video-Interviews mit Protagonisten, Audiobeiträge oder auch Infografiken sein.
Auf dem iPhone bietet der Verlag den einen kostenlosen eReader an. Bezahlt wird pro heruntergeladener Ausgabe. Die ist bereits samstags ab 22 Uhr verfügbar und kostet 3,99 Euro (statt 3,80 Euro am Kiosk). Abonnenten erhalten die Ausgabe vergünstigt für 2,64 Euro. Neben der aktuellen Ausgabe bekommen User die Möglichkeit, Lesezeichen zu setzen und die Schriftgröße frei anzupassen.

taz (iPhone/iPod touch/iPad): täglich im Einzelverkauf
79 Cent kostet die “iTaz” für iPad und iPhone. Dafür bekommt der User alle Seiten aus der taz inklusive aller Regionalausgaben und am Wochenende die sonntaz. Gelungen: Das ePaper wird im EPUB-Format ausgeliefert, lässt sich also theoretisch auch auf Geräte wie den Kindle von Amazon übertragen.

Der User muss sich allerdings entscheiden, ob er die gedruckte Ausgabe als kleingedrucktes Pdf lesen will oder aber eine einfache Leseversion komplett ohne Bilder konsumieren will.  

Vogue (iPad): Schischi fürs Tablet
Die Vogue ist die erste App einer Fashion-Zeitschrift in Europa. Die tagesaktuelle Anwendung ist eine Verschmelzung von eigens für die App produzierten Inhalten sowie Artikeln aus dem Magazin. Die App bietet nach nach Verlagsangaben Tipps, Trends und Nachrichten aus den Bereichen Mode, Beauty, Kultur, Lifestyle und Gesellschaft. Sie ist erst einmal kostenlos erhältlich. Danach müssen User 2,99 Euro im Abo bezahlen.

BrandEins (iPad): nicht mehr, nicht weniger
Mit Videos oder sonstigen Multimedia-Content lockt Brand Eins auf dem iPad nicht. Dafür behält das Magazin auch auf dem Tablet seinen Charme, zurückgenommen und elegant.

Die App selbst ist kostenlos, allerdings muss man zahlen, um die Inhalte auf den Schirm zu bekommen. Der Preis ist mit 6,99 Euro etwa zehn Prozent niedriger als bei der Printausgabe (7,60 Euro).

Focus Online (iPhone/iPod touch/iPad)
Die Startseite der iPad-App von Focus Online bietet in drei separaten Modulen Nachrichten, Videos und die Inhalte der Ressorts. Ein nettes Feature ist die integrierte Suchfunktion, die auf das gesamte Archiv von Focus und Focus Online zugreift.

Artikel lassen sich in unterschiedlichen Schriftgrößen anzeigen und via E-Mail, Facebook oder Twitter weiterempfehlen. Optimiert für das iPad lassen sich aktuelle Politik- oder Börsenvideos im Breitbildmodus ansehen.
Die iPhone-App konzentriert sich auf einen großen Aufmacher. Und auch hier werden über den „Mehr“-Button sämtliche Ressorts gelistet. Seinen Service-Charakter spielt Focus Online auch auf dem iPhone aus. Unter der Rubrik „Rechner“ können User kurzerhand die besten Tages- und Festgeldangebote einholen. Beide Apps sind kostenlos.

Handelsblatt (iPhone/iPod touch/iPad)
Die iPhone-App spiegelt die aktuellen Inhalte der Webseite wieder. Dazu gehören auch Videos aus der Finanzbranche. Zudem gibt es eine komfortable Abfrage-Funktion für Börsenkurse.

Die iPad-App ähnelt stark dem taz-Angebot: eine für das iPad angepasste Pdf-Version mit zusätzlichem Lesemodus. Der Download ist kostenlos. Danach können User Ausgaben einzeln für 2,39 Euro kaufen und im Offline-Modus schon ab 23 Uhr des Vortages lesen.

Stern.de (iPhone/iPod touch)
Unter den deutschen Verlags-Apps gilt Stern.de als die mit Abstand erfolgreichste und älteste. Beim Inhalt setzen die Macher auf bildstarken Content: Videos, Fotostrecken und die obligatorischen „Bilder des Tages“.

Für kurzweiliges Vergnügen sollen Wissenstests aus allen Bereichen sorgen. Unter „Mehr“ lassen sich auch die Ressorts einzeln durchstöbern. Die App ist kostenlos.

FTD.de (iPhone/iPod touch): Charts und Analysen
Auch die App der "Financial Times Deutschland" ist kostenlos. Inhaltlich bietet sie aktuelle Berichterstattung über Unternehmen, Finanzen, außerdem Analysen und Kommentare.

Für Börsenfans gibt es einen Kursbereich mit interaktiven Charts. Eine persönliche Watchlist, Lesezeichen zur Ablage im Privatarchiv sowie eine nach eigenem Interesse konfigurierbare Börsenanzeige schaffen einen hohen Individualisierungsgrad. Die App ist kostenlos.

Brigitte (iPhone/iPod touch)
Die Brigitte startet als erste deutsche Frauenzeitschrift eine eigene Applikation für das Apple-Telefon. Die Userinnen erwarten News rund um Mode, Luxus, Beauty, Gesundheit und Reise. Zusätzlich wartet die Anwendung mit einem Quiz und Make-up-Tipps auf. Die App ist kostenlos.

Gala (iPhone/iPod touch)
Auch die Gala-App ist kostenlos und steht ab sofort im Apple-Store zum Download zur Verfügung. Kernbereiche sind Bildstrecken, Interviews, Society- und Event-News sowie exklusive Videos, die iPhone-optimiert auf dem Handy dargestellt werden.

Bunte.de (iPhone/iPod touch): Mit Promi-Quiz, aber ohne ePaper
Neben den drei Ressorts im Bereich "StarStorys" verfügt die Applikation über einen eigenen Video-Channel und einem News-Bereich, mit den wichtigsten Celebrity-News. Einen Hinweis auf das gedruckte Heft oder gar die Möglichkeit einer E-Paperversion der aktuellen Ausgabe zu lesen, sucht man jedoch vergeblich.

Besonders zufrieden scheinen die App-Macher mit ihrem Starquiz zu sein. Stolz heißt es im iTunes-Werbetext: "Wie gut kennen Sie die aktuellen und zerbrochenen Liebesbeziehungen der Hollywood-Stars? Wer ist verliebt, hat sich verlobt, geheiratet oder ist schon wieder geschieden? Das Quiz "Starhearts" stellt Ihr Promi-Wissen auf die Probe." Die App ist kostenlos.

The Iconist
"The Iconist" ist ebenfalls ein Projekt der Welt-Gruppe. Mit dem Unterschied, dass es das erste deutsche Magazin ist, das exklusiv für das iPad entwickelt wurde. Hier dreht sich alles rund um die Themen Lifestyle, Mode, Luxus, Gesellschaft. "The Iconist" ist eine elektronische Variante der monatlichen WamS-Printbeilage "Icon", erscheint zunächst quartalsweise und ist für 4,99 Euro pro Ausgabe verfügbar.

Das Layout ist hochwertig, erinnert aber stark an ein Magazin. Die Produktion der Inhalte sowie die technische Anpassung haben einen dem Vernehmen nach mittleren fünfstelligen Etat erfordert. Für das in Sachen Tablet besonders experimentierfreudige Berliner Medienhaus ist dies als Anschubfinanzierung zu verstehen, als Wette auf die Zukunft. So werden beim Iconist viele Register gezogen: Neben Texten und Fotos gibt es Video-Einspieler. Nutzer, denen das Lesen zu anstrengend ist, können sich die Schilderungen der Autoren auch als Audio-Podcast zu Gemüte führen.

iKiosk
Drei iPad-Apps scheinen Springer nicht zu reichen. Beim Thema Tablet geht der Verlag konsequent voran: Mit der App iKiosk haben User die Möglichkeit, die jeweils neueste Welt, Welt kompakt und Welt am Sonntag auf dem iPad zu lesen.

Allerdings nur als Pdf-Version. Neben den "Welt"-Titeln stellt der Springer-Verlag auch die Bundesausgabe sowie verschiedene Regionalausgaben der "Bild", die "Bild am Sonntag", das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost zur Verfügung. Mittels einer Zwei-Finger-Zoom-Funktion lassen sich auch die kleinen Meldungen am Rand groß auf dem Screen abbilden. Die digitalen Ausgaben der Welt-Marken sind als monatliches Abonnement ab 7,99 Euro verfügbar.

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