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Bild hat Ärger wegen Fritzl-Interview

Das Bild-Gespräch mit Josef Fritzl sorgte am Wochenende für mediales Aufsehen und wird möglicherweise noch ein juristisches Nachspiel haben. Denn das österreichische Justizministerium sagt nun, "dass dieses Interview von der Vollzugsdirektion als zuständige Behörde im Bundesministerium für Justiz nicht genehmigt war". Stattdessen konnte sich der Bild-Reporter einfach als Presse-Besucher anmelden und mit dem zu 24 Jahren Haft verurteilten Fritzl reden.

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In einer Pressemitteilung spricht das Ministerium von einem "offensichtlichen Missbrauch der ‚Verhörzone’" und dass der Bild keine Interview-Erlaubnis vorlag. "Im Fall Josef Fritzl wurde eine derartige Genehmigung bisher nicht erteilt und wird unter anderem im Interesse des Opferschutzes auch weiterhin nicht erteilt werden. Im konkreten Fall gab es darüber hinaus auch keine Anfrage eines Mediums."

Die Bild vom gestrigen Montag
In Wien vermutet man, dass das Gespräch durch Mithilfe eines der Fritzl-Anwälte entstanden sei. "Die Verhörzone ist ein Bereich im Halbgesperre einer Justizanstalt, der nur für Behördenvertreter und Rechtsanwälte zugänglich ist", heißt es in der Mitteilung. "Die Nutzung der Verhörzone für das (geheime) Zustandekommen eines Interviews kommt einem Missbrauch gleich und das Bundesministerium für Justiz hat den betroffenen Anwalt bereits zur Stellungnahme aufgefordert."

Bild-Sprecher Tobias Fröhlich widerspricht dem Justizministerium: " Unser Reporter hat sich nie als Mitarbeiter des Anwalts ausgegeben. Vielmehr waren ein Verlagsgespräch und ein Interview als Besuchsgrund angegeben, denn Josef F. wollte über sein geplantes Buchprojekt sprechen. Im Übrigen wurden der Journalist und der Anwalt beim Betreten des Gefängnisses vom Personal entsprechend gecheckt und sie haben alles abgegeben, was nicht erlaubt war."

In dem Bild-Text wird die Interview-Situation wie folgt beschrieben: "Wer zu Josef Fritzl will, muss durch sieben Türen gehen. Vorbei an der Gefängniswärterin hinter Panzerglas, am Eingang des  Hochsicherheitstrakts. Durch die Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor axawie an einem Flughafen. Dann Wartesaal, Gefängnishof, Besuchsbereich. Überall bewaffnete Beamte."

Springer in Berlin ist sich keiner Schuld bewusst. Viel mehr stellt sich der Fall derart dar, als ob es Abstimmungsprobleme zwischen Gefängnis, Verwaltung und Justizministerium gegeben hätte. In Richtung Bild und Fritzl-Anwalt drohte der Sprecher der Justizministerin Claudia Bandion-Ortner schon einmal: "Das wird auf jeden Fall Konsequenzen haben."

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