Sex-Konzerne attackieren die Porno-Piraten

Auch wenn sich das Gerücht weiter hartnäckig hält, dass weit über die Hälfte des Internets aus Pornos besteht: Die Zeiten, in denen mit nackter Haut viel Geld zu verdienen war, sind schon lange vorbei. Kostenlos-Portale boomen, während die Sexbranche am Boden liegt. Aber die Big Player der Branche machen mobil und planen den Kampf an mehreren Fronten - mit Millionenklagen und einer Abmahnwelle gegen private User. Und scheinen damit Erfolg zu haben.

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YouPorn oder Pornhub: Diese Seiten kennt beinahe jeder, der täglich im Web unterwegs ist. Egal ob freiwillig oder unfreiwillig. Aber wie viele der User, die tagtäglich Pornos im Web konsumieren, zahlen auch dafür? Die Antwort: viel zu wenige. Denn wer schnelles Vergnügen umsonst findet, der wird nur schwer zu überzeugen sein, für abendfüllende Fleischeslust Geld zu bezahlen. Während die Medienhäuser der Welt überlegen, ob Paid Content funktionieren könnte, kommt die Pornobranche zu der Erkenntnis, dass ihr Geschäftsmodell schon lange nicht mehr läuft – und bereitet einen großangelegten Angriff gegen Porno-Piraterie vor. Mit Aussicht auf Erfolg.
Den hat die Branche auch bitter nötig. Allein in 2008 verzeichnete die großen Produktionsfirmen 22 Prozent Umsatzrückgang. Vor allem der DVD-Verkauf ist eingebrochen. Als Hauptgrund gelten die vielen kostenlosen Online-Plattformen. Der Branchendienst The Wrap zitierte dazu einen Porn-Unternehmer: “Die Leute, die unsere Inhalte klauen, sollten erschossen werden. Wer will schon nicht kostenlos Pornos schauen? Ich glaube nicht, dass die Leute so wählerisch sind."

Nach Millionenklage jetzt die Abmahnwelle
Vor zwei Wochen trafen sich nun Verantwortliche der großen amerikanischen Porno-Produktionsfirmen. Ziel des Treffens: eine klar strukturierte Angrifftaktik, um illegal verbreitete Sexfilmchen endgültig aus dem Netz zu fegen. Einen gemeinsamen Schlachtplan haben die Produktionsfirmen auch bitter nötig. Denn obwohl sie schon seit Jahren versuchen, den kostenlos abrufbaren Content zu verdrängen, konnten Portale wie YouPorn und Co. an Reichweite zu legen. Sie gehören mittlerweile längst zu den bekanntesten Webseiten überhaupt.  

Als wäre das noch nicht genug, verbreiten User privat die Filme illegal im Netz. Den Produktionsfirmen ist klar, dass sich etwas ändern muss. Allen voran Pink Visual. Der Großproduzent von Pornostreifen und spezialisiert auf iPhone-Clips, hat die wichtigsten Vertreter der Branche und Anwälte an einem Tisch versammelt, wie ArsTechnica berichtet. Doch noch weiß keiner der Betroffenen, wie man die Kostenlosdienste aus dem Netz vertreiben soll. Belegt man die Portalbetreiber mit saftigen Strafen? Oder mahnt man User ab, die auf Tauschbörsen illegal Pornographie verbreiten?

Unternehmen zielen auf Schamgefühl der User ab
Auch wenn man sich noch nicht auf eine gemeinsame Marschrichtung geeinigt hat, scheinen beide Ansätze erste Erfolge zu verzeichnen. Pink Visual klagte Anfang des Jahres gegen Brazzers. Brazzers produziert selbst Hardcore-Content und betreibt darüber hinaus so genannte Porn-Tubes, über die das Unternehmen fremde Clips sammelt und kostenlos anbietet. Das Urteil erging zugunsten von Pink Visual. Gefordert war ein Schadensersatz in Höhe von 6,7 Millionen Dollar. Welche Summe tatsächlich gezahlt wurde, ist allerdings nicht bekannt.

Ein weitaus heikleres Thema ist die Frage, inwiefern private User belangt werden können. Aber im Gegensatz zur Musikindustrie scheint die Pornobranche hier die besseren Argumente zu haben. Ähnlich wie es hierzulande Anwälte im Namen von Spieleherstellern und Musikkonzernen versuchen, überzieht die Branche das Land mit einer Abmahnwelle. Die Idee dahinter ist denkbar einfach und zielt auf das Schamgefühl der User ab. Denn wer will schon öffentlich dagegen gegen eine überteuerte Abmahnung vorgehen, die Beweise für einen ausgeprägten Fußfetisch liefert?

Um gezielter gegen Porno-Piraten vorzugehen, werden Inhalte künftig mit digitalen Wasserzeichen versehen. Bots sollen dann automatisch illegal verbreiteten Content im Web ausfindig machen. Gänzlich in Grund und Boden klagen will man die Portalbetreiber trotzdem nicht. Immerhin sind sie durch ihre enorme Bekanntheit die ideale Werbeplattform. Das dürfte für die Konsumenten bedeuten, in Zukunft auf komplette Streifen verzichten zu müssen und mit knackig produzierten Trailer vorlieb nehmen zu müssen. Die dürften die wichtigsten Szenen allerdings missen lassen. Wer auf seine Kosten kommen will, darf dann keine Kosten mehr scheuen.

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