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„Tatort“: Zickenkrieg mit der Parade-Mutti

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ist verzweifelt: Ihr Mitbewohner Martin (ingo Naujoks) ist Hals über Kopf ausgezogen. Die Hauptkommissarin steht mit Kind und Karriere alleine da. Keine leichte Aufgabe für die (erfolgs-)verwöhnte Polizistin. Schnell stößt sie an ihre Grenzen, was die Episode "Der letzte Patient" zu eine der emotionalsten aus Hannover macht. Während die ersten 45 Minuten dahinplätschern, nimmt der Fall um eine getötete Ärztin in der zweiten Hälfte eine spannende Wendung.

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Dr. Silke Tannenberg wird tot in ihren abgebrannten Praxisräumen aufgefunden. Gemeinsam mit Kripo-Beamtin Anja Darmbeck (Christina Große) nimmt sich Charlotte Lindholm auf Wunsch ihres Chefs des Falles an. Die beiden Kommissarinnen könnten unterschiedlicher nicht sein: Darmbeck ist die perfekte Ehefrau und Mutter, die ihr Kind nach der Suzuki-Methode fördern lässt und nach Dienstschluss ihr Handy ausschaltet. Lindholm, die ihr Kind vor lauter beruflichem Ehrgeiz im Kindergarten vergisst, mit falsch geknöpfter Bluse zum Dienst erscheint und auch nach Feierabend die Waffe nicht an den Nagel hängt, wirkt dagegen überfordert und unausgeglichen. Das sorgt für Reibereien zwischen den beiden Frauen.
 
Dennoch funktioniert die Zusammenarbeit. Auf der Suche nach dem Mörder stoßen die beiden auf das Videotagebuch der Ärztin, in dem neben dem Architekt Jörg Sallwitz (Jan Messutat) auch Lindholms Chef Stefan Bitomsky (Torsten Michaelis) eine Rolle spielt. Dazu kreuzt der verwahrlost wirkende Jugendliche Tim König (Joel Basman) immer wieder durch die Ermittlungen. Alle drei sind verdächtig, etwas mit dem Mord zu tun zu haben, bis schließlich die zweite Leiche gefunden wird. Der Fall Tannenberg nimmt eine ungeahnte Wendung und führt Lindholm und Darmbeck ins Pädophilen-Milieu.
 
„Der letzte Patient“ bietet mit seinen Irrungen und Wirrungen einen exzellenten Krimi, der auch Psychodrama-Qualitäten besitzt – auch wenn diese leider erst sehr spät zum Einsatz kommen.  Getrieben von ihrer Trauer um Martin und ihrer gereizten Grundstimmung, bricht Charlotte Lindholm so emotional aus sich heraus, wie man es bisher nicht von ihr kannte – beispielsweise dann, wenn sie den Täter bei der Vernehmung würgt. Große Szene, große Wirkung. Selten war der "Tatort" aus Hannover so gut auf die Brüche und Verletzlichkeiten der Hauptfigur abgestimmt wie in diesem Fall.
 
Wie es um das Privatleben der Hauptkommissarin in Zukunft bestellt sein wird, ist noch offen. Mitbewohner Martin wird jedenfalls nicht wieder der Mann an ihrer Seite werden. Schauspieler Ingo Naujoks ließ sich aus dem Drehbuch rausschreiben. Er hatte keine Lust mehr auf die Rolle des Dauer-Babysitters und Busenkumpels, die zuletzt auch völlig überflüssig wirkte. Ein neuer Mann muss her, oder wie wäre es mit einer Frau?
 
Das Team Lindholm/Darmbeck hätte durchaus auch weiterhin Unterhaltungswert, zeigt es doch auf banale Art, dass hinter einer Kommissarin nicht nur die toughe Karrierefrau stehen kann, sondern auch ein überzeugter Familienmensch. Dies könnte bei einer weiteren Zusammenarbeit hier und da für Ärger zwischen den beiden Müttern sorgen. Ein bisschen Zickenkrieg auf dem Revier täte dem "Tatort" sicherlich gut.

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