Geotagging: Facebook-Places vs. Foursquare

Der Mitteilungsdrang ist ungebrochen: Immer mehr Nutzer lassen ihre Freunde wissen, wo sie sich gerade befinden. Und zwar mit einem einfachen Klick: Der Checkin bei Geotagging-Diensten ist das neue Status-Update. Das hat auch Facebook erkannt und knapp ein Jahr nach dem Foursquare-Debüt seinen Ortungsdienst gelauncht. Zwei Monate nach dem US-Start bzw. drei Wochen nach der Deutschland-Premiere verläuft der Checkin aber noch schleppend, während Foursquare zu profitieren scheint. Warum eigentlich?

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Der Mitteilungsdrang ist ungebrochen: Immer mehr Nutzer lassen ihre Freunde wissen, wo sie sich gerade befinden. Und zwar mit einem einfachen Klick: Der Checkin bei Geotagging-Diensten ist das neue Status-Update. Das hat auch Facebook erkannt und knapp ein Jahr nach dem Foursquare-Debüt seinen Ortungsdienst gelauncht. Zwei Monate nach dem US-Start bzw. drei Wochen nach der Deutschland-Premiere verläuft der Checkin aber noch schleppend, während Foursquare zu profitieren scheint. Warum eigentlich?
     
Es ist nur ein Klick. "I’m at Berlin Tegel Airport (TXL), (Flughafen Tegel, Berlin)", steht da plötzlich auf dem Smartphone-Display. Oder neuerdings auch: "War hier: Hamburg International Airport". So einfach geht das: Keine lästigen Status-Updates mehr, kein Rumgedruckse, wie man es formulieren kann, ohne mehr aufzuschneiden als nötig – ein Klick, und jeder, der’s wissen soll, weiß dann: Hier bin ich also.

"Geotagging" nennt man das im Social-Media-Sprech, es ist das heißeste Ding des Jahres, immer noch, – so heiß, dass Googles Starmanagerin Marissa Mayer nach vielen Jahren im Kerngeschäft ‚Suche’ nun künftig das Zukunftsfeld ‚Location Based Services’ (LBS) verantworten wird.

Mega-Trend Ortungsdienste:  Google positioniert sich, Facebook startet

Angeführt wird dieses Zukunftsfeld vor allem vom größten Emporkömmling des Jahres – dem gerade mal eineinhalb Jahre alten Startup Foursquare. Vier Millionen Menschen rund um den Erdball teilen hier inzwischen via Smartphone ihren Standort mit – freiwillig, versteht sich. Diese Art eines virtuellen Checkins mag selbst vielen  eingefleischten Onlinern immer noch ziemlich seltsam erscheinen – sie bleibt dennoch der Trend des Jahres.

Tatsächlich ist Geotagging so heiß, dass auch das größte soziale Netzwerk der Welt, das inzwischen mehr als eine halbe Milliarde Nutzer versammelt hat, auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist: Seit knapp zwei Monaten können auch Facebook-User in den USA beziehungsweise seit drei Wochen ebenfalls in Deutschland offiziell ihre Spuren hinterlassen.

Places: "Mit weitem Abstand Facebooks bisher riskantester Schachzug"

Wie wichtig Facebook dieses neue Feature ist, können Nutzer der Facebook-App ihres iPhones besichtigen: "Places" (bzw. deutsch "Orte") steht optisch als wohlgeformter Stecknadelkopf auf einer Landkarte im Zentrum der verschiedenen Applikations-Icons.  "Places ist mit weitem Abstand Facebooks bisher riskantester Schachzug", befand etwa der Internet-Unternehmer Paul Marcum ("Dogpatch Labs") zum Start Ende August.

Warum das? "Ortungsdienste sind eine ziemlich organische Erweiterung des sozialen Netzwerkens", erklärt Marcum. "Wenn Facebook mit Places verliert, während Foursquare zum Standard wird, ist das nicht das Ende der Welt, aber es würde zum ersten Mal zeigen, wo Facebook verletzlich ist."

Vier Millionen Nutzer: Foursquare wächst und wächst

Und tatsächlich sieht es ein bisschen danach aus: Auch wenn es erst die Eindrücke der ersten zwei Monate sind – ein Selbstläufer ist ‚Places’ nicht, genau so wenig, wie es den Erfolg von Foursquare unterwandert. Im Gegenteil:  Foursquare wächst noch schneller!

Zur Einführung von ‚Places’ vermeldete CEO Dennis Crowley den stärksten User-Zulauf aller Zeiten, wenige Tage später durchbrach das Startup aus dem Silicon Valley bereits die Drei-Millionenmarke, vor wenigen Tagen fiel dann schon die Vier-Millionenmarke durch einen Nutzer aus Indonesien – so fühlt sich globale Wachstumsdynamik an.

Facebook Places – ein langsamer Start

Und Places? Hat Foursquare durch den Start erst zum Popularitäts-Schub verholfen, findet der "Alley Insider". Offizielle Zahlen über die bisherige Places-Nutzung gibt es noch nicht, was nicht zuletzt daran liegt, dass Facebooks Geotagging-Dienst erst in wenigen Nationen gestartet ist – in den USA und England zunächst, Japan, Frankreichen, Italien, Australien, Deutschland und die Schweiz folgten in den vergangenen Wochen. Dazu kommt die Einschränkung, dass Places in der Facebook-App zunächst nur auf dem iPhone erschien, während bei Android-Smartphones der umständliche Checkin via dem mobilen Browser nötig ist – Kinderkrankheiten eben.

Dennoch überrascht die bisher relative dünne Nutzung: Allein in den USA werden immer noch fünfmal mehr Checkins via Foursquare als via Facebook gezählt. "Alley Insider"-Chefredakteur Dan Frommer, berichtet, lediglich zwei Prozent seiner Facebook-Freunde würden bisher Places nutzen.

Das deckt sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen: Mehr als 100 meiner 350 Facebook-Freunde sind iPhone-Besitzer. Der Großteil davon kommt aus Deutschland – und hätte also die Möglichkeit, sich über Places einzuchecken. Dennoch haben davon diese Woche erst sechs Freunde Gebrauch gemacht.

Gründe für Places Startschwierigkeiten

Keine Frage: Mit Launch auf dem Android und Blackberry wird die Anwendung an Masse gewinnen – zudem wird nicht jeder iPhone-Nutzer bereits auf die neue Facebook-Version aktualisiert oder bisher von Places gehört haben. Doch es bleiben einige ungelöste Probleme.

Es scheint, als wäre Facebook tatsächlich etwas spät gekommen. Bei einer Foursquare-Nutzer-Marke von vier Millionen keinesfalls zu spät, doch zunächst einmal befindet sich das weltgrößte Social Network in der ungewohnten Rolle des Herausforderers und läuft erst einmal hinterher.

Es dürfte zudem durchaus Nutzer geben, die aufgrund ihres anderen Freundeskreises bei Foursquare bleiben. Was interessiert etwa die Facebook-Freundin in St. Petersburg der Checkin in einer Cocktail-Bar in Hamburg? Oder anders herum betrachtet: Möchte man seine Facebook-Freunde unbedingt in derselben Transparenz an seinen Aktivitäten teilhaben lassen, die besser zum enger geschnittenen Foursquare-Freundeskreis passen?

Places: Ein Traumstart sieht anders aus

Zudem erscheint Places in der gegenwärtigen Form in seiner Funktionalität beschränkt.  Einer der ganz großen Reize von Foursquare fehlt Places: Die Jagd nach den virtuellen Trophäen, den ‚Mayorships’ und ‚Badges’ (Bürgermeister –Titel und Nutzer-Abzeichen). Wenn man für seine zahlreichen Checkins nicht in irgendeiner Form belohnt wird, warum sollte man sie dann dauernd tätigen?

Keine Frage: Zusatzfunktionen und Verknüpfungen jeglicher Art kann Facebook jederzeit nachholen – der Places-Start ist nicht mehr als eine Momentaufnahme. Aber eben doch eine, die ein überraschendes Bild festhält: Ein Traumstart sieht anders aus. Foursquare, das gerade mit dem ersten Checkin aus dem All einen veritablen PR-Coup landete, dürfte seinen Wert dagegen in den vergangenen zwei Monaten gesteigert haben

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