Presserat rechnet mit Beschwerde-Rekord

Immer mehr Leser rufen den Deutschen Presserat an: Bis zum Ende des Jahres rechnen die Medienwächter mit rund 1.600 Beschwerden (aktuell 1.500). Dies wäre eine Steigerung um ca. 26 Prozent zum Vorjahr. Bereits 2009 schossen die Leser-Rügen um 74 Prozent nach oben. Das sagte der Presserat am heutigen Donnerstag auf seiner Jahrespressekonferenz. Die Wächter stellten zudem fest, dass immer mehr konfessionelle Web-Portale zu organisierten Beschwerde-Aktionen aufrufen.

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Als Ursache für den außergewöhnlichen Anstieg der Beschwerden sehen der Presserats-Sprecher, Bernd Hilder, und Geschäftsführer Lutz Tillmanns vor allem die erweiterte Zuständigkeit des Presserats auch für journalistisch-redaktionelle Online-Publikationen sowie die Möglichkeit, sich online über ein Beschwerdeformular beim Presserat zu beschweren.

"Die Nutzer von journalistischen Produkten – egal ob gedruckt oder im Internet – möchten offensichtlich mit den Redaktionen in Kontakt treten und über die Inhalte diskutieren. Das veränderte Nutzerverhalten, das sich in Kommentarfunktionen bei Artikeln, in der erhöhten Kommunikation via soziale Netzwerke oder Twitter widerspiegelt, führt dazu, dass die Nutzer sich in ethischen Grenzfällen auch verstärkt an uns wenden", kommentiert Hilder.

Das wird nach Meinung der Medienwächter besonders deutlich, wenn man die Sammelbeschwerden betrachtet, die den Presserat in den letzten zwei Jahren erreichten. "2009 sind zum Amoklauf in Winnenden 81 Beschwerden eingegangen, 2010 zum April-Titelbild der Titanic 198, und zur Loveparade-Berichterstattung insgesamt 245", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Berliner beobachteten, dass sowohl bei der Titanic-Karikatur, als auch bei der Loveparade-Berichterstattung "sehr viele Leser über soziale Netzwerke oder über kirchliche oder soziale Portale von der Beschwerdemöglichkeit erfahren haben und diese dann auch nutzten."

Interessant: Seitdem die Leser ihre Wut via E-Mail und Online-Formular Luft machen können, gehen bei den Medienwächtern viel mehr Beschwerden gegen Online-, statt Print-Medien ein.

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