Das langweilige Frauenportal der Telekom

Die Telekom versucht sich im Internet mal wieder als Inhalte-Anbieter und macht klassischen Medienhäusern Konkurrenz. Mit der Frauen-Website Perlfrech.de geht der Telekommunikationskonzern online auf Leserinnen-Fang. Es gibt Kolumnen, Abstimmungen, Schuh-Gutscheine, einen Twitter-Kanal, eine Facebook-Präsenz und ein lustig gemeintes Site-Maskotten namens Stussi Schlau, das jeden Tag kurze Weisheiten zum Besten gibt. Recht zünden will das Gemisch aus allzu Offensichtlichem aber nicht.

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Die Website Perlfrech.de wirkt ein bisschen so, als wäre sie am Reißbrett entworfen worden. “Da nehmen wir eine Mann/Frau-Kolumne rein, bei der ein Mann und eine Frau ein Thema aus ihrem Blickwinkel beschreiben”, hat da vielleicht einer oder eine in einer Brainstorming-Besprechung gerufen. Das ist so eine Idee, die manchmal funktionieren kann, die aber auch schon reichlich abgegriffen ist. Bei Perlfrech.de heißt die Frau in der Kolumne “Schnitte” und der Mann hört auf den Namen “Schnitzel”. Finden Frauen so etwas komisch? Es wäre bedenklich.

Die Seiten-Navigation ist noch, gelinde gesagt, verbesserungswürdig. Sehr oft findet man nicht auf die Homepage zurück. Und wenn man bei einer optisch lieblos aufgemachten 08/15-Umfrage abstimmt, landet man ganz oben auf der Seite und muss die Umfrage mit dem Ergebnis erst wieder suchen. Das mag dem Beta-Status von Perlfrech.de geschuldet sein – aber eine Riesen-Firma wie die Telekom, die eigentlich mit ihrer Technik-Kompetenz punkten sollte, dürfte sich gerade hier keine Blöße geben. Stattdessen wirkt die Website so, als habe man die voreingestellten Elemente eines x-beliebigen Content-Management-Systems einfach mal online gestellt. Das eigentlich ganz hübsche Grund-Design mit vielen Pfeilen und Hinweisen in Schreibschrift kommt überhaupt nicht zur Geltung, weil die Seite viel zu schmal ist. Alles wirkt gequetscht.

Als große Rubriken mit jeweils eigenen Web-Adressen gibt es Herzfrech (Liebe, Partnerschaft  usw.), Lebfrech (Familie, Wohnen, Kochen) und Stilfrech (Klamotten, Schuhe). Alles also, was es woanders auch schon ein dutzendmal und oft inspirierter gibt. Perlfrech fehlt das Besondere, das Thema, das die Website von anderen unterscheiden würde. Dass ein Internet-Anbieter auch ein ordentliches Portal auf die Beine stellen kann, hat jüngst United Internet gezeigt, die mit Top.de ein bemerkenswert erfolgreiches und optisch gelungenes Promi-Entertainment-Portal gestartet haben. Den inhaltlichen Part bei Top.de besorgt mit Axel Springer bezeichnenderweise ein klassisches Medienhaus. “Lieb ist anders” lautet der Claim bei Perlfrech.de. Gut ist leider auch anders.

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