Bitkom-Chef: „E-Mails können warten“

Spricht sich der Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer für Daten-Diskriminierung aus? "Unterschiedliche Dienste erfordern unterschiedliche Geschwindigkeiten", sagt er in einem Interview in der Zeit, die am morgigen Donnerstag erscheint. "Wenn Sie einen Film sehen wollen, akzeptieren Sie keine ruckelnden Bilder. Aber E-Mails können warten. Wenn diese eine Zehntelsekunde später eintreffen, stört das niemanden." Mit einem Angriff auf die Netzneutralität habe das nichts zu tun.

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"Wenn Fernsehbilder bevorzugt transportiert werden und E-Mails im Gegenzug mal minimal verzögert beim Empfänger ankommen, kann ich darin nichts Diskriminierendes erkennen. Wegen einer Zehntelsekunde Wartezeit braucht niemand zu schreien, die Freiheit des Internets wäre gefährdet", sagte er. Mit der Maßnahme könne zudem ein Stau im Internet angesichts der rasant steigenden Datenmenge verhindert werden.
Zur Finanzierung der unterschiedlichen Geschwindigkeiten sagte Scheer: "Wer sicher sein will, dass sein Fernsehbild nicht ruckelt, wird für diese Sicherheit auch etwas bezahlen müssen." Damit nimmt er jedoch nicht die Anbieter der Videodienste wie Google in die Pflicht: "Ich glaube nicht, dass Google den Netzbetreibern eines Tages etwas bezahlt."
Dass Betreiber wie die Telekom eine Art Nutzungsgebühr für ihre Netze fordern, hält Scheer für gerechtfertigt, denn die Konzerne investierten jedes Jahr Milliarden in den Ausbau ihrer Netze. Die Frage, wer für die Kosten aufzukommen habe, müsse in Brüssel von der Europäischen Kommission geklärt werden. "Netzbetreiber brauchen Planungssicherheit und genügend Investitionsmittel." Unterschwellig klingt durch, dass Endverbraucher seiner Meinung nach steigende Preise zu erwarten haben.
Das komplette Interview erscheint am 28. Oktober in der Zeit Nummer 44.

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