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Mail.ru: Börsengang mit Facebook-Fantasie

Es wird der erste Mega-Börsengang eines Internet-Unternehmens seit Jahren sein und er kommt nicht von einem großen Player aus dem Silicon Valley, sondern aus Russland! Mail.ru, das viele Beteiligungen auf dem russischen und osteuropäischen Raum besitzt, strebt im November an die Londoner Börse. Gelingt die Emission, stößt das russische Internet-Konglomerat, das auch an Facebook beteiligt ist, aus dem Stand in die Top Ten der wertvollsten Internet-Konzerne vor.

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Es wird der erste Mega-Börsengang eines Internet-Unternehmens seit Jahren sein und er kommt nicht von einem großen Player aus dem Silicon Valley, sondern aus Russland! Mail.ru, das viele Beteiligungen auf dem russischen und osteuropäischen Raum besitzt, strebt im November an die Londoner Börse. Gelingt die Emission, stößt das russische Internet-Konglomerat, das auch an Facebook beteiligt ist, aus dem Stand in die Top Ten der wertvollsten Internet-Konzerne vor. 

Es ist wieder so weit: Das vierte Quartal läuft – und mit ihm die Jahresendrallye an den Aktienmärkten, die die Notierungen der Weltbörsen wie auf Bestellung Woche für Woche höher schnellen lässt. Keine Frage: Traditionell ist dies die beste Zeit für Börsengänge.

Doch nicht die hoch gewetteten Social Networks Facebook und Twitter oder zumindest die ehemalige eBay-Tochter Skype, die bereits den Emissionsantrag eingereicht hat, wagen nun den Sprung aufs glatte Börsenparkett – sondern eine russische Web-Beteiligungsgesellschaft, die auf den ersten Blick nicht jedem etwas sagen wird, doch aus dem Stand mit Milliarden Dollar bewertet wird!

Mail.ru: Beteiligungen im ganzen osteuropäischen Internet-Sektor

Mail.ru ist zunächst einmal der größte Anbieter von kostenlosen eMail-Adressen in Russland. Doch das ist nur der aktive Teil der Unternehmens. Viel bekannter dürfte Mail.ru unter dem früheren Namen Digital Sky Technologies sein, unter dem das Unternehmen bis September firmierte – für den Börsengang wurde nun der Name der bekanntesten Marke des eigenen Portfolios übernommen.

Geblieben ist die Aktivität als Beteiligungsgesellschaft. Und das im großen Stil auf dem osteuropäischen Raum: Mail.ru besitzt Anteile am führenden russischen Social Network vKontakte, die im Zuge des Börsengangs ausgebaut werden sollen, am russischen Alumni-Netzwerk Odnoklassniki.ru  bzw. dem polnischen Pendant Nasza Klasa und den baltischen Freundesnetzwerken One.lv und One.lt Bis zu 70 Prozent des Traffics in Russland fließen bereits über Mail.ru-Beteiligungen!

Bewertung von 5,7 Milliarden Dollar zum Börsengang möglich

Doch das ist noch nicht alles: Auch im Westen hat sich Mail.ru längst groß  eingekauft: Für über 900 Millionen Dollar erwarb die russische Web-Holding in den vergangenen Monaten Beteiligungen an Facebook (2,4 Prozent), Zynga (1,5 Prozent) und Groupon (5,1 Prozent). Der früher sehr beliebte Messenger-Dienst ICQ ging nach Verkauf von AOL ebenfalls an die heutige Mail.ru-Gruppe.

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Entsprechend gespannt dürften Anleger nun auf den Börsengang blicken, der schon am 8. November in London erfolgen und bis zu 876 Millionen Dollar in die Kassen der russischen Beteiligung spülen soll. Debütieren die Mail.ru-Aktien am oberen Rand der Bookbuilding-Spanne von 23,70 bis 27,70 Dollar, wird der russische Web-Gigant mit 5,7 Milliarden Dollar bewertet!

Damit gelänge aus dem Stand der Sprung in die Top Ten der wertvollsten Web-Konzerne. Für die Anteilseigner von Mail.ru, zu denen etwa der Digital Sky-Gründer Yuri Milner, der usbekische Oligarch Alisher Usmanov und die südafrikanische Medien-Holding Naspers gehört, dürfte der IPO damit zum Zahltag werden.

Mail ru: Die Facebook-Fantasie lockt

Nicht zuletzt liegt das natürlich auch an der Facebook-Fantasie: Während sich der eigene Börsengang – wenn man Facebook-Gründer Mark Zuckerberg glauben darf – noch Jahre ziehen könnte, geht mit der Neuemission von Mail.ru ein mikroskopischer Anteil bereits im November an die Kapitalmärkte.

"Es ist derzeit die einzige Möglichkeit für Privatinvestoren, sich an Facebook zu beteiligen, deswegen könnte der Börsengang eine Reihe von Investoren anlocken", mutmaßt Michael Kart vom Moskauer Vermögensverwalter Marshall Spectrum Ltd. gegenüber Bloomberg.

Allerdings erscheint die Bewertung ambitioniert: Nach Angaben von Goldman Sachs, die neben Morgan Stanley und J.P. Morgan als konsortialführende Bank auftritt, soll Mail.ru im laufenden Geschäftsjahr bei Umsätzen von 301 Millionen Dollar vor Steuer, Zinsen und Abschreibungen 104 Millionen verdienen. Das entspräche einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von um die 50. Andererseits: Wachstumswerten wie Amazon und Baidu bewilligt die Wall Street aktuell gar noch mehr.  

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