i: kluger Inhalt, schnell und volksnah

iLight: Ein Highlight ist die leichte Version des Independents nicht geworden, aber der Gedanke hinter dem neuen Titel ist nicht dumm. Heute hat das britische Qualitätsblatt mit dem Ableger i versucht, eine Marktlücke zu füllen: Das neue Red Top soll schnell konsumierbar und volksnah sein. Statt nackter Weiber setzt das Blatt auf klugen Inhalt. Für £0,20 steht die neue Zeitung in Konkurrenz mit der Sun. Aber ist i die Rettung für verzweifelte Pendler, oder für verzweifelte Verleger?

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iLight: Ein Highlight ist die leichte Version des Independents nicht geworden, aber der Gedanke hinter dem neuen Titel ist nicht dumm. Heute hat das britische Qualitätsblatt mit dem Ableger i versucht, eine Marktlücke zu füllen: Das neue Red Top soll schnell konsumierbar und volksnah sein. Statt nackter Weiber setzt das Blatt auf klugen Inhalt. Für £0,20 steht die neue Zeitung in Konkurrenz mit der Sun. Aber ist i die Rettung für verzweifelte Pendler, oder für verzweifelte Verleger?

Da hab ich heute Morgen doch glatt £1,20 ausgegeben für zweimal Zeitung und einmal Inhalt. Der neue Titel i ist die leichte Version des Intellektuellen-Tagesblatts Independent, der für £1 pro Ausgabe gegenüber dem Jungspund ganz schön pummelig ist. Auch wenn die Titelseiten der beiden völlig unterschiedlich daherkommen („Exodus von Christen aus dem Mittleren Osten“ für die klassischen Indy-Leser, „Wohnungskrise unter der Koalitionsregierung“ für die 20-Pence-Brigade) wird der gleiche Inhalt schnell deutlich. Die Kolumnistin Deborah Ross erscheint auf beiden Titelseiten mit ihren Gedanken zu ‚zeit-reichen’ gegenüber ‚zeit-armen’ Menschen, denn schließlich ist i speziell für die letztere Gruppe konzipiert. Simon Kelner,  Chefredakteur von i und Independent, stellt das neue Blatt als "tägliches Briefing" für vielbeschäftigte, moderne Leser vor. Die Segmente Nachrichten, Meinungen, TV, etc sind farblich gekennzeichnet, und jede Rubrik macht mit einer Nachrichtenmatrix zum Schnell-Lesen auf. Alles nicht dumm, aber neu sieht es nicht aus.

Vergleich: Der große Independent und seine neue i-Schwester

Die Idee des Managements unter Evgeny Lebedev, dem Chairman der Independent Print Ltd. und Sohn dessen Besitzers Alexander Lebedev, war, gestressten Zeitungslesern, besonders Pendlern, mit der leichten Version des Independents einen intelligenten Start in den Tag zu bieten, ohne sich durch den Papierberg einer Tageszeitung kämpfen zu müssen.
Und da versteh ich i nicht ganz: Wenn ich keine Zeit habe, eine dicke Zeitung ganz durchzulesen, wie wär es denn mit weiterblättern? Lesen sie doch was sie wollen, und lassen den Rest weg. Braucht es wirklich eine neue Zeitung, die weniger Umblättern fordert? i hat immer noch vier Seiten an Meinungen und Kolumnen, die selbst den unbeschäftigsten Menschen wenig interessieren werden. Und was soll ich mit dem Sportteil? Ich lass den im großen wie im kleinen Independent weg. Dazu brauche ich keine neue Zeitung.

Die neue News-Matrix des i

Das Problem ist, dass die alte Zeitung neue Leser braucht. Der Independent ist weiterhin das kleinste überregionale Blatt mit einer Auflage von 186.000; vor drei Jahren waren es noch 250.000. Trotz mehr Relaunches als Madonna stand der Indy seit Jahren am finanziellen Abgrund.

Und die Lebedevs haben viel Geld (Alexander hat den Independent sowohl wie das Londoner Tageblatt Evening Standard für jeweils £1 gekauft und damit vor dem Ruin gerettet) und noch mehr Ehrgeiz. Der Evening Standard wird seit der Übernahme umsonst an abendliche Pendler verteilt. Die Auflage des qualitativ ansprechenden Titels konnte mit diesem Schachzug mehr als verdoppelt werden, und seit Oktober werden 700.000 Exemplare umsonst im Großraum London verteilt.

Auch wenn die i-Version des Independents nicht bahnbrechend ist, ist es ein mutiger Schritt des Verlegers, neue Leser anzusprechen. Diejenigen, die abends gern den Evening Standard umsonst nehmen, die außerhalb Londons wohnen, und dank Twitter die Aufmerksamkeitsspanne von Goldfischen haben. Junges Blut sucht der Independent. Und wenn i neue Leser an den unabhängigen Stil der preisgekrönten Independent-Redaktion gewöhnt – und diese neuen Leser sich vielleicht am Wochenende die Vollfett-Version gönnen – dann hätte Lebedev einen zweiten meisterhaften Schachzug geschafft.

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