DuMont: Wer folgt auf Kronprinz Konstantin?

Auf den ersten Blick ist die peinliche Affäre um den angeblich Kommentar-wütigen Verlagserben Konstantin Neven DuMont eine Posse. In Wahrheit geht es aber um die Zukunft des drittgrößten Zeitungshauses Deutschlands (Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau). Konstantin Neven DuMont war als Nachfolger des Patriarchen Alfred Neven DuMont eingeplant. Laut Spiegel will er sich nun aus dem Vorstand zurückziehen. Für den Alt-Verleger bedeutet dies, dass seine Nachfolge-Regelung in Scherben liegt.

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Es fällt schwer sich nach dem jüngsten Spiegel-Artikel vorzustellen, dass Konstantin Neven DuMont noch eine Zukunft im Vorstand des Hauses hat, das seinen Namen trägt. Die peinliche Affäre um hunderte, teils wirre, teils geschäftsschädigende Kommentare, die möglicherweise von Konstantin Neven DuMont unter Pseudonymen im Weblog von Stefan Niggemeier veröffentlicht wurden, hat längst eine eigene Dynamik entwickelt.

DuMont jr. selbst schreibt bei Facebook: "Laut Vorstandsbeschluss darf ich mich über eine sehr skurrile Geschichte zur Zeit nicht äußern." Das klingt fast nach einem Maulkorb. Dass Stefan Niggemeier die merkwürdigen Vorgänge um die Kommentare, die mit DuMonts privater Mailadresse und seiner IP-Nummer bei ihm eingestellt wurden, öffentlich gemacht hat, schlug im Verlagshaus am Rhein hohe Wellen. Bei einem Rückzug Konstantin Neven DuMonts aus dem Vorstand wird zwar nicht gleich der ganze Verlag kopflos – im Vorstand sind die Schlüsselpositionen mit Franz Sommerfeld und Christian DuMont Schütte besetzt. Trotzdem hat der Verlag mit der Causa Konstantin ein dickes Problem.

Der ehemalige Stadt-Anzeiger-Chefredakteur Sommerfeld kümmert sich um alle Belange der Redaktionen, DuMont Schütte hat Technik, Beteiligungen und Verlagsgeschäfte unter sich. Konstantin Neven DuMont ist für die weniger scharf umrissenen Felder Strategie und Kommunikation zuständig. Sein Rückzug würde das Unternehmen operativ vor keine unlösbaren Aufgaben stellen. Trotzdem würde ein Vakuum entstehen. Das liegt daran, dass das Haus DuMont in erster Linie ein Familien-Unternehmen ist. Alfred Neven DuMont hält große Stücke auf die Familientradition und er hielt immer an seinem Sohn als seinem natürlichen Nachfolger fest. Auch wenn Konstantin Neven DuMont schon früher durch Eigenwilligkeiten aufgefallen war. Es ist Alfred Neven DuMont wichtig, dass ein echter DuMont mit an der Spitze des Hauses steht – jetzt und in Zukunft.

Konstantin Neven DuMont wurde jahrelang auf seine Rolle als Erbe und Verlags-Oberhaupt vorbereitet, vielleicht wurde er damit auch überfordert. Er studierte an der School of Communication and Journalism im US-Bundesstaat Oregon. Er durchlief diverse Stationen in den hauseigenen Medien und übernahm früh Verantwortung. Bei all dem gelang es ihm freilich nie, sich aus dem mächtigen Schatten seines Vaters zu lösen. “Der Alte” blieb stets derjenige, auf den es bei DuMont ankam. Sein Sohn und Nachfolger war für alle im Betrieb “der Konstantin” – ein bisschen schrullig aber nett. Dass er eines Tages den ganzen Laden führen sollte, machte man sich nicht so ganz klar, “der Alte” Alfred Neven DuMont hielt ja alles zusammen.

Die Frage, die sich nun stellt, ist aber: Wer repräsentiert die Familie im Vorstand, wenn Konstantin Neven DuMont ausfällt? Es gibt da zwar noch Christian DuMont-Schütte – in den Augen des Alt-Verlegers ist er aber höchstens ein halber DuMont. Christian DuMont-Schütte ist Sohn von Dieter Schütte, der in den DuMont-Clan eingeheiratet hat. Dass Christian DuMont-Schütte den klangvollen Namen DuMont überhaupt tragen darf, war dem Vernehmen nach innerhalb der Verleger-Sippe alles andere als unumstritten. Geschäftlich gilt DuMont-Schütte im Konzern als zuverlässig. Er managt sein Vorstandsressort effektiv und hält sich öffentlich eher im Hintergrund.

Kenner des Hauses halten es aber ganz und gar ausgeschlossen, dass Alfred Neven DuMont Christian DuMont-Schütte als Nachfolger akzeptieren würde. Es gäbe da aber noch Alfred Neven DuMonts Tochter Isabella. Die ist in der Öffentlichkeit bisher kaum in Erscheinung getreten, hat von ihrer Mutter Hedwig aber 2005 die Veranstaltungsplattform studio dumont übernommen und schon Pferdebücher verfasst. Dass die 42-jährige Isabella DuMont ohne Branchen-Erfahrung anstatt ihres Bruders in den Vorstand einzieht, erscheint nicht direkt vernünftig. Aber in Familienunternehmen ist Vernunft nicht der einzige Maßstab. Welche Lösung auch immer gefunden wird: Alfred Neven DuMont wird nicht umhin kommen, in hohem Alter seine bereits sicher geglaubte Nachfolge nochmals neu zu regeln.

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