Anzeige

„Assange geht es auch um den Ruhm“

Wikileaks hat es den Mächtigen wieder gezeigt: 400.000 geheime Dokumente über den Irak-Krieg hat die Plattform veröffentlicht. Trotzdem beäugt die Presse das Projekt und dessen Gründer Julian Assange kritisch: "Er lässt jede Bereitschaft zur Abwägung der widerstreitenden Interessen vermissen", kommentiert die SZ. Der Guardian erwartet schlimme Folgen für Sicherheitsdienste: "Für das Pentagon sind sie verheerend." Und die FR fragt, ob wir "auf dem Weg zu einer Gesellschaft billiger Verräter" sind.

Anzeige

Spiegel Online: "WikiLeaks hat erneut bewiesen, dass es den Mächtigen dieser Welt großen Ärger bereiten kann. Assange weiß darum und will die Chance bestmöglich nutzen."
Guardian.co.uk: "Sechseinhalb Jahre nach den schockierenden ersten Tagen des Irak-Kriegs kommen die geheimen Kriegs-Dokumente ans Licht. Für das Pentagon sind sie verheerend. Sie offenbaren, mit welcher Gleichgültigkeit das Leben der Iraker betrachtet wurde. Die Briten sollten sich jetzt fragen, was ihre Truppen im Krieg wirklich wussten."
Sueddeutsche.de: "Er verfolgt seine selbstgewählte Mission mit messianischem Eifer und lässt jede Bereitschaft zur Abwägung der widerstreitenden Interessen vermissen. Enge Mitstreiter, die es gewagt haben, ihn dafür zu kritisierten, schloss Assange kurzerhand von Wikileaks aus. Das nährt den Verdacht, dass es ihm nicht allein um die Wahrheit geht, sondern auch um eine politische Agenda und seinen Ruhm."
Faz.net: "400.000 Dokumente, neue Verbündete und ein gewaltiges Medienecho werfen die Frage auf, wie es mit Wikileaks weitergehen kann. Im Vorfeld zum Irak-Coup wurde intern von Aktivisten kritisiert, dass der Hang zum großen Auftritt wie die Konzentration auf US-Material kein besonders zukunftsträchtiges Konzept sei. Außerdem würden so wichtige Ressourcen blockiert. So ist die Website, über die anonyme Whistleblower Dokumente einreichen können, seit Monaten hinweg nicht aktiv."
Taz.de: "Die Reaktionen aus der US-Regierung auf die Wikileaks-Veröffentlichungen zeigen, dass auch Präsident Obama leider nicht bereit oder nicht in der Lage ist zu dem einst von ihm angekündigten völker-und menschenrechtlichen Neubeginn nach den acht dunklen Jahren der Ära Bush."
FR-Online.de: "Sind wir auf dem Weg zu einer Gesellschaft billiger Verräter? Die Wut der Regierung in Washington über Wikileaks speist sich genau aus diesem Impuls: Sie stellt die Publikation der Irak-Akten als unmoralisch hin, die Verantwortlichen als selbstsüchtig und gewissenlos. Dieser Wechsel vom Inhalt (Sind die publizierten Informationen korrekt?) zur Form (Durfte das Material an die Öffentlichkeit gelangen?) ist mehr als ein Ablenkungsmanöver. Es ist das Eingeständnis, dass die Großmacht USA kommunikationstechnisch genauso ohnmächtig ist wie jeder private Internet-Nutzer in seinem E-Mail-Verkehr." 
Tagesspiegel.de: "Es geht nicht nur um Enthüllungen. Auch aus öffentlich zugänglichem Material müssen Schlüsse gezogen werden. Im Gegensatz zu angelsächsischen Behörden hemmen veröffentlichungsunwillige deutsche Bürokraten diesen Prozess. Jedes Bezirksamt reagiert auf Öffentlichkeit wie das Pentagon. Etwas mehr Wikileaks täte uns gut."
Sie haben auch eine Meinung zu Wikileaks? Dann diskutieren Sie mit uns auf Facebook!

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige