„Tatort“: Fader Fall mit kecker Kekilli

Mit dem Fall "Borowski und eine Frage von reinem Geschmack" leistet die "Tatort"-Reihe am heutigen Sonntag ihren Beitrag zur ARD-Themenwoche "Essen ist Leben". Leider schmeckt dieser Ernährungskrimi äußerst fad, denn es fehlt die nötige Prise Spannung. Nach einer kaum genießbaren viertel Stunde möchte man bereits zum Nachbarlokal wechseln. Doch wer die Vorspeise überstanden hat, den erwarten witzige Momente und eine kecke Sibel Kekilli, die im neusten Borowski-Fall ihren Kieler Einstand gibt.

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Nach Gammelfleisch im Kühlregal und Melamin im Milchpulver war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis die stets um mehr oder weniger aktuelle Aufhänger bemühte Krimireihe, ein Lebensmittel-Thema aufgreift. Wie passend, dass derzeit die ARD-Themenwoche "Essen ist Leben" läuft.
Im aktuellen Tatort ist Essen nicht Leben, sondern Tod: Ein 15-Jähriger stirbt nach dem Genuss des Molke-Energy-Drinks "Vitanale" an einem allergischen Schock. Die Untersuchungen des Gerichtsmediziners (Samuel Finzi, übrigens auch Darsteller im dritten Ergo-Spot) ergeben, dass das Getränk mit einer Überdosis Lebensmittelfarbstoff versehen war. Ein Einbruch in der Molkerei Kallberg, die den Pseudo-Fitnessdrink herstellt, scheint zu beweisen, dass es sich um einen Sabotageakt handelt. Ins Visier der Ermittler gerät ein junger Umweltaktivist, der mit Guerilla-Aktionen Stimmung gegen "Vitanale" macht. Doch auch die "profitgeile" Firmenchefin Liane Kallberg (Esther Schweins) und deren ums Erbe betrogener Bruder, der sich als Biobauer durchschlägt ("ökologisch, menschlich, fair"), wirken auf Borowski zweifelhaft. Ein klischeegetränktes Familiendrama tut sich auf.
Spannung will bei alledem nicht so recht entstehen, doch immerhin wird die Ernährungsdebatte erfreulich vielschichtig thematisiert. Durchaus witzig gelingen einige Seitenhiebe auf die Absurditäten der Lebensmittelindustrie und ihre angeblich gesundheitsfördernden Produkte – Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger. Da dürfen Vegetarier sogar mal ein Steak verdrücken.
Sibel Kekilli platzt als Sarah Brandt nach einer viertel Stunde Filmzeit zufällig in die Handlung, als sie in Borowskis Auto hineinrauscht. Pech für sie, Glück für den Zuschauer. Denn hier beginnen die ersten guten Szenen des Krimis, der bis dahin außer hölzernen Dialogen und einer bedeutungsschwangeren Hintergrundmusikdecke nicht viel zu bieten hatte. Brandt ist quirlig, witzig, charmant. Eine patente, selbstbewusste Frau, die Kekilli perfekt verkörpert.
Auch Axel Millberg gibt das stoische Nordlicht gewohnt gekonnt und überzeugt vor allem in tollen Momenten leiser Situationskomik. Der Borowski-Darsteller hat Kekilli – die hier endlich nicht mehr die Quotentürkin spielt – selbst für eine Rolle im "Tatort" vorgeschlagen. Beim Dreh eines anderen Falles in Finnland hatte er sie zufällig kennengelernt.  "Wir waren uns sofort sympathisch, und bei nächster Gelegenheit brachte ich ihren Namen für den Kieler ‚Tatort‘ ins Spiel", so Millberg.
Eine gute Entscheidung: Auch wenn die 30-Jährige in diesem Fall noch eine Nebenrolle spielt, zeichnet sich bereits ab, dass das Team funktioniert. Wer die Figur Sarah Brandt wirklich ist und wie ihre künftige Rolle aussehen wird, bleibt noch weitgehend offen. Anders als ihre Vorgängerin an der Seite Borowskis Frieda Jung (Maren Eggert) ist sie aber keine Psychologin, sondern hat vor allem praktische Talente.
Trinkgeld haben die "Tatort"-Macher für den aufgetischten Ernährungskrimi nicht verdient. Dennoch werden sich viele Zuschauer auf einen Borowski-Nachschlag freuen, denn die Vorfreude auf Kekillis richtigen Einstieg in den kommenden Kieler Fällen ist nach dem gelungen Debüt groß.

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