Springer scheffelt spielend Millionen

Ein virtueller Golfschläger hat Springer gezeigt, wie im Internet Geld verdient wird: Mehr als eine Million Euro gaben Spieler für das Eisen bei der Online-Spiele-Tochter Gamigo aus. Für das Medienhaus war das ein "Eye-Opener" und zündete den Startschuss für Bezahl-Apps, erklärt der Public-Affairs-Chef Christoph Keese gegenüber FT.com. "Menschen bezahlen für Dinge, die ihnen gefallen." Mit dieser Erkenntnis hat der Konzern seine Online-Umsätze in vier Jahren um 2.300 Prozent gesteigert.

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Um die Nutzer von Gamigo nicht zu vergraulen, sieht das Konzept so aus: "Man kann kostenlos Golf spielen", sagt der Leiter des Bereichs Elektronische Medien Jens Müffelmann zur Financial Times. "Wer aber mit einem besseren Schläger spielen will, muss dafür bezahlen – mit echtem Geld." Viele User seien dazu bereit gewesen, eines der Eisen zu kaufen, die zwischen 15 und 150 Euro kosten. Besonders beliebt sei ein Modell für 69 Euro – angeblich hat der Schläger dem Konzern einen Umsatz von mehr als einer Million Euro eingebracht.

"Die große Akzeptanz für die Gebühr von 69 Euro war ein ‚Eye-Opener‘ für uns", kommentiert Springers Public-Affairs-Chef Christoph Keese gegenüber FT.com. Sie sei ein Zeichen für die Bereitschaft der Nutzer gewesen, im Internet Geld auszugeben. "Menschen bezahlen für Dinge, die ihnen gefallen."
Ein Jahr später, im Dezember des vergangenen Jahres, startete Springer seine Pay-Offensive auch für seine Online-Nachrichtenangebote. Der Verlag führte eingeschränkte Paywalls für die Webseiten von der Berliner Morgenpost und dem Hamburger Abendblatt ein, entwickelte kostenpflichtige iPhone-Apps von der Welt sowie der Bild-Zeitung und baute die Programme auch für das iPad aus.

Auf den Nachrichtenseiten der Berliner Morgenpost und des Hamburger Abendblatts setzt Springer auf ein teilweise kostenpflichtiges Modell. Nutzer können dabei eine gewisse Anzahl an Artikeln lesen, ohne zu bezahlen. Überschreiten sie diese Zahl, werden sie zur Kasse gebeten. Lokale Meldungen und Lokalsport kosten immer. Entgegen den Erwartungen sind die Besucherzahlen seit der Einführung der kostenpflichtigen Rubriken laut IVW weiter gestiegen.
Eine Paywall, die den freien Zugriff auf Inhalte komplett unterbindet, lehnt Springer ab: "Das könnte unsere Online-Werbeerlöse gefährden, ohne sie durch Abo-Gebühren zu refinanzieren", sagt Christoph Keese gegenüber der Financial Times. "Zurzeit suchen wir nach einem gesunden Mix zwischen Werbe- und Abo-Einnahmen."
Müffelmann fügt hinzu, dass 240.000 Nutzer in den vergangenen zehn Monaten Welt- und Bild-Apps heruntergeladen haben. Davon profitierten auch die gedruckten Zeitungen. Sie hätten dank der Apps rund 20.000 Leser gewonnen – das sind doppelt so viele, wie sie an Print-Abonnenten in der Zeit verloren haben.

Die Preisstrategie zwischen Print, Online und Mobile ist dabei sehr unterschiedlich: Auf dem iPhone kostet ein Welt-Abo drei beziehungsweise fünf Euro, auf dem iPad zwölf Euro, ein Online-Abo schlägt mit 13 Euro zu Buche und gedruckt kostet es 39 Euro monatlich. Springer erwartet, dass die Nutzer künftig auch höhere Preise für Online- und Mobile-Nachrichten akzeptieren werden.
Den Großteil seiner Online-Einnahmen erzielt Springer jedoch nicht mit Content. Das Medienhaus ist sehr aktiv im Kleinanzeigenmarkt und im Sales-Bereich. Der Umsatz der Springer-Digital-Sparte ist zwischen 2006 und 2009 von 24 Millionen Euro auf 569 Millionen Euro hoch geschnellt.

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